Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Thomas Promny – Velvet Ventures

Thomas Promny Velvet VenturesWer ist Thomas Promny? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

online-mittelstand.de) herausgebracht.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin großer Katzenfan und befürchte, dass ich irgendwann noch mal ein Business bauen muss, das sich um Katzen dreht.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Da es mehrere sind, nehm ich mal eine raus: Der Online-Karrieretag ist die einzige Recruiting-Veranstaltung nur für die Digitalbranche. An vier Standorten in Deutschland (Köln, München, Hamburg, Berlin) treffen dieses Jahr etwa 10.000 Jobsuchende auf die besten Arbeitgeber der Online-Branche.

Nachwuchsmangel ist eine der größten Herausforderungen unserer Branche und wir haben mit dem Online-Karrieretag eine Plattform gebaut, auf der Unternehmen und Kandidaten zueinander finden können – das funktioniert für alle Seiten.

Was wir gut können ist sowohl Online-Marketing, um die richtigen Besucher zum Event zu gewinnen, als auch B2B Vertrieb, um die Unternehmen an den Start zu bringen. Diese beiden Skills haben wohl nicht so wahnsinnig viele andere Event-Veranstalter.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir beherrschen diesen kleinen aber schönen Markt, weil wir die richtigen Menschen und Unternehmen zusammen bringen. Beides ist nicht trivial. Die Kandidaten gewinnen für hauptsächlich über Online-Marketing, hier ist Facebook der wichtigste Kanal aber auch Email-Marketing spielt eine große Rolle.

Die Unternehmen gewinnen wir fast ausschließlich telefonisch. Ich sehe deshalb den Online-Karrieretag auch wieder als ein gutes Beispiel, wie wichtig das von vielen nicht so geliebte Thema Vertrieb ist. Klar braucht man auch ein top Produkt, aber das verkauft sich trotzdem nicht von allein, besonders nicht im B2B-Bereich.

Da sollte man ein gutes Produkt haben und es exzellent verkaufen, um wirklich erfolgreich zu werden.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir sind mit dem Digitalen aufgewachsen, haben uns aber auch bewusst dafür entschieden, nicht nur reines Online-Geschäft zu betreiben.

Ich denke, die interessantesten Chancen liegen derzeit in schlauen Kombinationen von Online und Offline.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Ich hoffe, Mensch und Staat werden ein vernünftiges Gleichgewicht von Chancen und Risiken sehen, wenn sie die Digitalisierung betrachten. Ja, auch mich beunruhigt, dass die NSA und andere jederzeit wissen können, wo ich bin, weil ich ein z.B. ein Android-Gerät mit mir rum trage.

Andererseits hat die Digitalisierung auch riesigen Nutzen geschaffen. Allein die immense Warenverfügbarkeit durch Ecommerce, ganz zu schweigen von den gesunkenen Verbraucherpreisen, beides stellt einen ungeheuren Zuwachs an Lebensqualität dar, dessen sich die meisten Menschen aber kaum bewusst sind.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Europa hat nur langfristig eine Chance, mit der US-Internetwirtschaft mitzuhalten, wenn mit langem Atem in Startup-Ökosysteme investiert wird und vernünftige Lösungen für die Unterschiede in den rechtlichen Rahmenbedingungen gefunden werden. Heute ist es in vielen Bereichen so (bspw. Jugendschutz, Datenschutz), internationale Anbieter sich nicht an europäische Vorgaben halten (müssen) und damit einheimische Anbieter keine Chance haben. Hier müssen europäische Gesetzgeber am wirtschaftlichen Verständnis arbeiten bzw. die entsprechenden Lobbyorganisationen der Branche besser werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Der größte Vorteil der Online-Branche ist die geringe Einstiegshürde. Viele erfolgreiche Internet-Unternehmen wurden mit sehr kleinem oder gar keinem Startkapital gegründet. Das ist toll.

Allerdings, für diejenigen, die es zu einer gewissen Größe geschafft haben und glauben, etabliert zu sein – für die ist diese geringe Einstiegshürde ein Fluch, denn sie produziert ständig massenhaft neuen Wettbewerb.

Es wird also mit Sicherheit so schnell nicht langweilig, als Unternehmer in der Online-Branche unterwegs zu sein.

Herausforderung für unsere Firma:

Keine spezielle. Wir haben das Glück, einen kleinen Nischenmarktplatz ziemlich erfolgreich besetzt zu haben mit dem Online-Karrieretag, in dem wir keinen direkten Mitbewerber haben.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Facebook ärgert und freut mich gleichermaßen. Man verbringt viel Zeit dort, bekommt dadurch auch von vielen Kontakten irgendwie mit, was die so tun. Aber häufig wäre die Zeit anders sicher besser investiert, aber man muss Zuckerberg lassen: Seine Firma hat wohl die Plattform mit der bisher langlebigsten Stickiness gebaut. Spiele sind manchmal auch sehr sticky, aber der Spaß ist immer mehr oder weniger schnell wieder vorbei. Bei Facebook ist kein Ende in Sicht – das ist ein spannendes Thema.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ein ganz grundlegendes: Weltweite Netzabdeckung zu vernünftigen Preisen. Davon sind wir leider noch weit entfernt.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

OnlineMarketing.de – sorry, aber da kann ich nichts anderes nennen. Weil ich es mitgegründet habe und es eine top Quelle für News rund um das Thema Online Marketing ist.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

http://onlinemarketing.de/news/die-macht-der-social-media-eine-hotelkritik-geht-viral

Ein Artikel über meinen Freund Christoph Burseg, der es geschafft hat, ein Video mit einer Hotelkritik ziemlich viral zu bekommen – das gelingt nicht so vielen, spannende Aktion.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Clayton Christensen, The Innovator’s Dilemma

Ein Klassiker zum Thema Innovation, insbesondere auch zur Geschichte der Technologie und des Unternehmertums. Ich mag Bücher, die Business auch im größeren historischen oder gesellschaftlichen Kontext betrachten.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Da muss ich tatsächlich meine d3con nennen. Durch diesen Event bin ich ziemlich zufällig aufs Veranstaltergeschäft gestoßen und habe damit sehr sehr viel gelernt, tolle Menschen kennengelernt und viele großartige Erfahrungen gesammelt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Microsoft Outlook. So altmodisch das auch klingt. Ich bin total überzeugt davon, dass Email noch lange nicht tot ist. Vielleicht bei Teenagern, die lieber Whatsappen, aber gerade im B2B sehe ich für die nächsten Jahre keine ernsthafte Bedrohung für die Email. Und wir sind sehr erfolgreich mit Email Marketing. Kein Business-Event dieser Welt würde funktionieren ohne Email Marketing.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich würde gern mal mit Marc Andreessen oder einem Unternehmer/Investor dieser Liga zusammen arbeiten, weil ich glaube, dass so einer viele spannende Erfahrungen gesammelt hat, warum welche Businesses funktionieren und welche nicht.