Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Sören W. Ladig – Z Lab (Zeppelin)

© Goetz Schleser

Wer ist Sören W. Ladig? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Klickrent GmbH vor knapp drei Jahren schloss ich mich dem Zeppelin Konzern an. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings so gut wie keine Berührungspunkte mit der Baumaschinenbranche. Ich fand die Herausforderung extrem spannend, als CEO von klickrent einen wichtigen Beitrag zu einer der am schlechtesten digitalisierten Industrien, der Bauindustrie, beizutragen und damit die Branche nachhaltig zu verändern.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Sofern man das als einen Spleen bezeichnen kann, ich trinke keinen Alkohol und ich rauche nicht – habe das auch noch nie getan. Ich verrate euch aber gern noch einen anderen Makel, auch wenn dieser schon wieder eher in die berufliche Richtung geht. Meine Kollegen dürfen sich immer wieder an meinen ausschweifenden Erklärungen erfreuen. Dafür bediene ich mich oft ganz traditionell eines Stifts und stelle mich ans Whiteboard, um mit “wilden” Zeichnungen, komplexe Geschäftsprozesse zu erläutern. Ich habe deswegen schon den Spitznamen Dr. Ladig von meinen Mitarbeitern bekommen. Eine Zukunft als Universitätsprofessor wird mir auch immer wieder angedichtet.

Elevator Pitch! Was macht Z Lab? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Mit Z Lab, der sechsten Geschäftseinheit des Zeppelin Konzerns, wollen wir die Bauwirtschaft durch digitale innovative Geschäftsmodelle revolutionieren. Mit neuen Lösungen gestalten wir die Baustelle der Zukunft effizienter, vernetzter und automatisierter. Dazu generieren wir über unser Netzwerk oder auch durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern und Start-ups kontinuierlich neue Ideen. Diese werden auf ihr Kunden- und Marktpotential von Teams innerhalb der Z Lab oder zusammen mit externen Spezialisten getestet. Dass nicht jede Idee, an der wir arbeiten, erfolgreich sein wird, ist für uns selbstverständlich und ist auch fester Teil der Z Lab Kultur. Unsere Superpower liegt definitiv in unserem starken Netzwerk und darin, in einem stark offline getriebenen Markt mit aller Beharrlichkeit neue Ideen zu generieren, sie konsequent zu verfolgen und im besten Falle zu implementieren – auch wenn sich nicht jedes Geschäftsmodell bzw. neues Venture am Markt durchsetzen wird.

Verrätst Du uns ein digitales “Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Einer der größten Erfolge ist, dass die klickrent und wir noch da sind! Das klingt vielleicht erstmal merkwürdig, ist aber auf den zweiten Blick eine legitime Aussage. Das klickrent Modell hat sich im Rahmen der Geschwindigkeit der Digitalisierung der Bauindustrie entwickelt. Das bedeutet bei der am zweitschlechtesten digitalisierten Bauindustrie, dass die Online Plattform klickrent nicht von heute auf morgen durch die Decke schießen konnte. Wir wachsen vielmehr stetig. Wir konnten in den letzten Jahren die Mietanfragen kontinuierlich steigern, sowie immer mehr Kunden gewinnen. Weiterhin sind wir sehr stolz darauf, Teil eines Weltkonzerns zu sein, welcher schon seit Jahren sehr erfolgreich arbeitet und die Zusammenarbeit mit uns wertschätzt. Man hat unserem Team und meiner Person vollstes Vertrauen ausgesprochen. Das ist für ein junges Start-up, welches sich am Markt noch etablieren muss, ein großer Erfolg.

Mit der Gründung der sechsten Geschäftseinheit Z Lab, bei der ich seit Anfang Jahr auch Geschäftsführer bin, unterstreicht der Zeppelin Konzern seine Weitsicht, die Digitalisierung und Disruption der Baubranche konsequent zu verfolgen und weiter zu denken. Die Erfolgsfaktoren der neuen Geschäftseinheit sind hier das Zusammenspiel von drei Faktoren. Als Company Builder bieten wir externen Gründern einen idealen Rahmen, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln und sich ausschließlich auf deren Erfolg fokussieren zu können. Mit strategischen Investments investieren wir in Technologien und Teams, die unser Portfolio langfristig ergänzen können. Zu guter Letzt brauchen wir starke Partner, von Experten über Investoren bis hin zu Studenten, mit denen wir in einen regelmäßigen Austausch gehen können. Wir können heute schon stolz sagen, dass wir in kürzester Zeit einige Ideen erfolgreich getestet haben, wie beispielsweise die Vermittlung von Servicekräften für Baumaschinen, eine Bilderkennungssoftware für Baumaschinen oder eine ioT Lösung für Kleingeräte.

Und welches „Best Practice“ aus der Netzwirtschaft insgesamt hat Dich besonders fasziniert – und warum?

Ein Unternehmen, was mich sehr fasziniert ist Tesla. Tesla mit einem verrückten CEO, der DEN Masterplan hat. Ein Visionär, der in der Lage ist, komplexe Dinge miteinander zu verknüpfen und unabhängige für sich existierende Modelle zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Solche Menschen beeindrucken und spornen mich an. Das Faszinierende ist, dass Rückschläge hingenommen, Lösungen gefunden und konsequent Entscheidungen getroffen werden. Weiter zu denken, größer zu denken, das inspiriert mich. Es zeigt, dass es sich lohnt, den Mut zu haben, nach vorn zu gehen. Das ist das, was den Deutschen vielleicht manchmal fehlt.

Wenn Du Dir Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? Und welche Rolle spielt die Digitalisierung für euer Unternehmen?

Herausforderungen gibt es in der Tat sehr viele. Wir bewegen uns in der Bauwelt, der es besser denn je geht. Die Auftragsbücher sind so voll wie nie. Trotzdem wird größtenteils nicht so gearbeitet und gebaut, wie man es heute mit den digitalen Möglichkeiten könnte. Hier gibt es unglaubliche Effizienzen zu heben. Gleichzeitig gibt es jede Menge Gegenwehr: Warum sollte man jetzt anders bauen, als man es in den letzten 20 Jahren gemacht hat? Warum sollte man ein Smartphone auf der Baustelle benutzen, um eine Fehlerdokumentation durchzuführen, wenn doch Stift und Zettel reichen? Genau diese Faktoren hemmen uns. Wir können den Kunden “leider” nicht zwingen, neue Wege zu gehen. Unsere Aufgabe ist es daher immer wieder zu erklären, dass es nicht unbedingt bessere, aber neue digitale Lösungen gibt, die transparenter und effizienter sind und eine enorme Arbeitserleichterung darstellen. Wir müssen ganzheitliche Konzepte zeigen, diese miteinander verknüpfen und am Ende mit den Early Adoptern ein Geschäft aufbauen, wie wir es mit klickrent bereits getan haben. Der Kunde muss nicht mehr zum Telefon greifen, um eine Maschine zu mieten. Er kann den Mietprozess auch einfach per App auf dem Tablet oder Smartphone abschließen.

Natürlich muss man auch sagen, dass das Geschäft mit der Miete komplizierter ist, als das klassisches E-Commerce Business, da es ein komplexer, ganzheitlicher Prozess ist. Aber am Ende des Tages wird es sich in jeder Branche durchsetzen, auch in der Bauindustrie oder in der Agrarwirtschaft – eigentlich überall, wo Maschinen und Geräte gemietet und repariert werden. Überall, wo es Ablaufprozesse gibt, gibt es Optimierungsbedarf, um Vorgänge transparenter und effizienter zu machen. Das bedeutet für die Bauindustrie: Es kann mehr, zu weniger Kosten gebaut werden, was absolut notwendig ist. Der Wohnungsbedarf in den Städten steigt rasant, was zu einer immer schnelleren und größeren Urbanisierung führt. In der Zukunft werden wir nur noch von Mega Cities sprechen. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, brauchen wir schlanke und digitale Prozesse, die nicht mehr nur vom Menschen, sondern auch mit Hilfe von Systemen bewerkstelligt werden.

Wenn sich Deine Firma ein eigenes Startup wünschen dürfte, was würde dieses Startup tun?

Die Frage ist schon fast gemein, da Z Lab die Aufgabe hat, neue Start-ups zu bauen. In der Tat haben wir mehr Ideen, als wir umsetzen können. Wenn ich mir ein Start-up für Z Lab wünschen könnte, dann wäre es eines, dass das Thema Vernetzung von Maschinen noch weiter spinnt. Ein Start-up, welches sich noch intensiver mit der Auswertung von Daten auseinandersetzt, um Entscheidungsprozesse in der Bauwelt, egal ob beim Einkauf, bei der Nutzung oder Reparatur von Maschinen, viel stärker mit Software unterstützen lässt. Dafür braucht es jede Menge geeignete Leute, um all die neuen Ideen in der Bau- und Logistikwelt umzusetzen, an denen wir schon heute fleißig arbeiten. Es ist wichtig, dass weniger auf die Erfahrung von einzelnen gebaut wird, als mehr auf die Erfahrung von vielen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu (digitalen) Themen gerne informierst

www.khl.com kann ich nur empfehlen, hier findet man gut recherchierte Fachmagazine sowie aktuelle News zur Bauindustrie sowie speziell zum Mietmarkt.

…einen Artikel / ein Video / ein Buch, über ein Thema aus der Netzwirtschaft, den / das Du Deinen Kollegen empfiehlst (mit URL)

Slideshare von Ben Yoskovitz über das Buch “Lean Analytics” kann ich wärmstens empfehlen – in nur wenigen Slides hat er in kurzer und knackiger Form den Inhalt des Buches aufbereitet und praxistauglich “runtergebrochen”.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Das Buch “Lean Analytics” von Benjamin Yoskovitz und Alistair Croll, wo sehr schön das Thema Daten und wie man diese nutzbar macht, aufgegriffen wird. Ein absolutes Must in der heutigen datengetriebene Welt, um sich diese in der Fülle auch von Nutzen zu machen.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Slack, was einen internen Austausch in Echtzeit ermöglicht. Produktideen, neueste Sales Aktivitäten oder neue Marketingideen brauchen nicht in ewig langen Emails formuliert werden, sondern erreichen den Empfänger sofort und unkompliziert.

Mit welchem Experten aus der Netzwirtschaft würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Ein Mensch der mich inspiriert, ist Eric Ries, ein erfolgreicher Silicon-Valley-Entrepreneur und Autor. Er gilt als Begründer der Lean-Startup-Methode. Im Grunde kann man sagen, dass mich Personen faszinieren und neugierig machen, die ähnlich unterwegs sind wie wir. Visionäre, die innovativ voran schreiten, über Grenzen hinweg gehen, Änderungen vorantreiben und auch eine große Portion Mut dazu haben. Das beeindruckt mich.