Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Barbara Hechler – revolutions per minute

Barbara Hechler revolutions per minuteWer ist Barbara Hechler? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

rpm – revolutions per minute, einer Kommunikationsagentur, die sich auf PR und Social Media für Konsumgüter und Lifestyle Brands spezialisiert hat. Zu unseren Kunden gehören Global Player wie Procter & Gamble mit Marken wie Aussie Hair, Wella Professionals, Dolce & Gabbana Parfume und Pampers oder die Campari Gruppe mit Marken wie Aperol, Skyy Vodka, Licor 43.

Meine Heimat ist die PR. Obwohl ich nicht zur Generation Y gehöre betrachte ich mich als Digital Native – ich finde es spannend, wie sich die digitale Welt ständig neu erfindet. Gleichzeitig stellt mich das Tempo der Veränderungen vor die Herausforderung, neben dem daily Business Schritt zu halten. Deshalb bin ich froh, dass wir bei uns schlaue Leute haben, die Ihr Bestes geben, um uns und unsere Kunden durch die „Netzwirtschaft“ zu navigieren. Wir bei rpm glauben an die Kraft von Kommunikation und kreativen Ideen und sind überzeugt davon, dass sich Geschichten am besten verknüpft on- und offline erzählen lassen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich begrüße jeden Hund, der mir auf der Straße entgegen kommt, laut mit „Halloooooo, Kleiner!“.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir machen Markenkommunikation für Consumer und Lifestyle Goods. Wir sind inspiriert durch Trends, up and coming Designer, Events und Leute, die wir in unserem Umfeld in Berlin treffen. Aber wir agieren strategisch, exekutieren pedantisch und lieben Struktur. Das ist die Mischung, die uns auszeichnet. Wir erzählen Geschichten, die Zielgruppen begeistern und wir haben den Anspruch, besser als gut sein zu wollen – das leben mein Geschäftspartner Christian Wittstadt und ich gemeinsam mit unserem Team bei rpm.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir betreuen bei rpm seit 2008 die PR- und Social Media-Kampagnen der Marke Pampers aus dem Hause Procter & Gamble und im Speziellen die jährlich stattfindende Initiative „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“ von Pampers für UNICEF im Kampf gegen Tetanus bei Neugeborenen. Das ist für uns ein Herzensprojekt, bei dem wir unser strategisches PR- und Social Media Know-How mit höher gesteckten Zielen vereinen können, nämlich Aufmerksamkeit und Unterstützung für eine bei uns „vergessene“ Krankheit zu generieren.

Es ist eine Herausforderung, eine Bedrohung wie Tetanus, die hierzulande mit Hilfe eines funktionierenden Gesundheitssystems bereits seit vielen Jahren aus dem Bewusstsein von Menschen und Medien verschwunden ist, mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Nachdrücklichkeit über viele Jahre hinweg sichtbar zu machen. Die Initiative von Pampers für UNICEF zeigt keine Schreckensbilder und appelliert nicht an das schlechte Gewissen, sondern verbindet Menschen aufgrund gemeinsamer Werte und Wünsche miteinander. Babys gesund aufwachsen zu sehen, ist ein universeller Wunsch, den Eltern überall auf der Welt teilen. Der Erfolg des Engagements beruht auf vielen kleinen Beiträgen Online und Offline, die zu einem kollektiven Akt der Unterstützung von Eltern weltweit für Mütter und Babys in den betroffenen Ländern werden.

Die Einbindung glaubwürdiger Aktionsbotschafter und lokale inhaltliche Aufhänger, die alle Eltern (und auch Nicht-Eltern) ansprechen, halten das Momentum für die Initiative und die Spendenbereitschaft in jedem Jahr aufrecht. Zusätzliche Online-Spendenmechanismen, die losgelöst vom Produktkauf und der Grundmechanik „1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis“ den Kampf gegen Tetanus bei Neugeborenen unterstützen, werden sehr positiv von der Zielgruppe wahrgenommen und auch aktiv in Social Media-Kanälen kommentiert.

Mit dem Start in das zehnte Jahr der Initiative von Pampers für UNICEF liegt die Messlatte hoch: Von Oktober bis einschließlich Dezember 2014 wurde durch verschiedene Spendenmechanismen der Gegenwert von 16,6 Millionen Impfdosen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesammelt. Die Initiative hat seit Beginn in 2006 dazu beitragen, Tetanus bei Neugeborenen in fünfzehn Ländern zu besiegen und 100 Millionen Mütter und ihre Babys vor der Infektionskrankheit zu schützen.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir denken bei rpm nicht unterteilt in digital oder analog. Bei uns passiert alles Hand in Hand: Die Strategien, die wir für unsere Kunden entwickeln, decken alle Kanäle ab, die für die Zielgruppe relevant sind – egal ob Online oder Offline. Wir erwarten von unseren Teams, dass sie Allrounder sind und starke Expertise in der „traditionellen“ PR mitbringen aber genauso auch New und Social Media- Beratung und Exekution können. Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei sicherlich unsere Social Media Unit, die als Stabsstelle für strategische digitale Fragestellungen fungiert und mit dem nötigen technischen Know-How supporten kann. Regelmäßige Digital-Workshops als Weiterbildungs-Angebot intern für die Teams aber auch für Kunden stellen sicher, dass die Beratung auf Augenhöhe passieren kann und digitale Trends schnell auf Relevanz und Umsetzbarkeit geprüft werden. Denn wir alle wissen ja mittlerweile, dass nicht alles in der digitalen Welt gleich als „the hottest shit“ in die Strategien mit aufgenommen werden muss.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Digitalisierung hat nicht nur der Gesellschaft im Ganzen sondern auch potentiell jedem Einzelnen eine unüberhörbare Stimme gegeben – das äußert sich sowohl im positiven Sinne wie im negativen. Grundsätzlich muss jedem bewusst sein, dass Meinungen, Reaktionen und Aktionen heutzutage sehr schnell durch die digitale Welt transportiert werden und die Gesellschaft erarbeitet als Schwarm eigene Lösungen und fordert diese auch ein. Sicherlich muss sich die Politik mehr denn je der Geschwindigkeit der Gesellschaft anpassen und dennoch gilt es, auch von jedem Einzelnen das persönliche Verantwortungsbewusstsein einzufordern, Themen auf Inhalt und Sinnhaftigkeit zu überprüfen, bevor geshared, kommentiert und dokumentiert wird.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Netzwirtschaft und Politik müssen stärker zusammenarbeiten und einen großen Schritt nach vorne machen, um die derzeit bestehenden rechtlichen Grauzonen zu beseitigen bzw. zu klären. Das bedeutet nicht, dass alles im Netz reguliert und bürokratisiert werden sollte – Netzneutralität ist ein wertvolles Gut in der heutigen Zeit. Gleichzeitig zeigen sich aber vor allem in der letzten Zeit auch die „dunklen“ Seiten dieser Neutralität, die es zu unterbinden gilt, z.B. Hetze gegen Flüchtlinge. Pragmatische und realistische Lösungen sind gefragt, damit die Schnelligkeit der Innovationen gut und sinnvoll durch die notwendige Gesetzgebung unterstützt werden kann.

Herausforderung für unseren Markt:

Im klassischen PR-Bereich müssen wir innovieren – Papier wird uns weiterhin begleiten aber gleichzeitig nimmt die Online-Nutzung von Medien überproportional zu und bietet ganz neue Formen redaktioneller Integration. Zudem haben soziale Medien einen großen Einfluss auf Meinungen und Kaufentscheidungen von Konsumenten. Content ist und bleibt King. Die Kommunikationsmaterialen und -strategien für Consumer- und Lifestyle-Produkte müssen auf die schnellen Innovationsdynamiken des Netzes angepasst und Prozesse beschleunigt werden. Wir müssen uns und unsere Kunden drauf einstellen, dass Zielgruppen schneller und öfter von Kanal zu Kanal springen und sich weniger festlegen.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir müssen die Ausbildung von qualifizierten Social Media-Beratern und -Strategen vorantreiben. Im Moment kocht jede Agentur, jede Firma gezwungenermaßen noch ihr eigenes, nicht immer qualitativ einwandfreies, digitales Süppchen. Und in dem Moment, wo Leute gut ausgebildet sind und in der Lage, komplexe digitale Sachverhalte zu erklären und strategische Herangehensweisen daraus abzuleiten, entbrennt ein Kampf um sie. Große Unternehmen und Start-Ups, die durch Fremdinvestoren offensichtlich zuviel Geld zur Verfügung haben, sitzen, zumindest finanziell gesehen, momentan am längeren Hebel. Wir müssen es schaffen, die Agenturwelt als Treiber für digitale, kreative Lösungen zu positionieren. Wir müssen Leute für uns begeistern, die digital etwas erschaffen, und nicht nur, nach 13 Abstimmungsrunden, digital Gestriges abarbeiten möchten.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

https://www.facebook.com/david.sobra/videos/10153408325272248/?pnref=story

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich wünsche mir eine App, die automatisch die Termine des nächsten Tages erfasst, mit der Wettervorhersage abgleicht und mir basierend darauf eine geeignete Outfit-Selektion vorschlägt. Also à la: Heute die Jeans mit Sneakern, da kein externer Termin ansteht oder der Bleistiftrock mit den Kitten Heels für den Termin bei xy…. Das würde allerdings voraussetzen, dass der komplette Inhalt meines Kleiderschranks via Foto erfasst wäre. Ich hasse nichts mehr, als morgens, noch schlaftrunken und sowieso schon wieder viel zu spät dran, entscheiden zu müssen, was ich anziehe.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

https://editionf.com) – kein Fachmagazin für PR oder Social Media, sondern Meinungen und Debatten rund um Business, Karriere, Lifestyle und Politik aus weiblicher Sicht.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

„Seid endlich still“ von Stefan Berg

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„The 4-Hour Work Week“ von Timothy Ferriss – es gibt so viele spannende Dinge da draußen, die mich abseits der Stunden im Büro inspirieren und mein Denken bereichern. Effizienz ist ein wichtiges Thema für mich persönlich aber auch hier in der Agentur.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ich empfinde viele Themen der TED Talks als tolle Denkanstöße. Häufig geht es da um Fragestellungen, über die ich mir im Detail selbst noch keine Gedanken gemacht habe. Aber sie entpuppen sich als umso erhellender, wenn man eintaucht.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

iPhone

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gerne mal einen Tag mit Sheryl Sandberg verbringen mit dem Ziel, von ihr zu verstehen, ob sie tatsächlich schafft, was sie in ihrem Buch „Lean In“ fordert: Wie motiviert sie die Frauen in ihrem Team, ihre Karriereplanung genauso wie die Familienplanung gleichermaßen zu priorisieren? Unter welchen Rahmenbedingungen?