Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Dr. Michael Kausch – vibrio. Kommunikationsmanagement

Dr. Michael Kausch vibrio. KommunikationsmanagementWer ist Michael Kausch? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

vibrio. Kommunikationsmanagement Dr. Kausch GmbH. Vor der Gründung von vibrio im Oktober 1992 war ich von 1987 bis 1992 bei Microsoft beschäftigt, anfangs als Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit, später als Bereichsleiter Marketingkommunikation für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Osteuropa. In dieser Position war ich verantwortlich für die Bereiche Public Relations, Werbung, Direktmarketing, Events und Pre Sales Customer Services.

Seit mehr als 25 Jahren in der IT-Branche konzentriere ich mich heute unter anderem auf strategische und konzeptionelle Unternehmensberatung und Coaching im Bereich integrierter Unternehmens- und Marketingkommunikation, Krisen-PR sowie auf strategisches Social Media Marketing.

Kurz: Ich bin eine Mischung aus „Silver Surfer“, „Digital Immigrant“ und sehr früher „Digital Native“.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Bloghausen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir sind seit mehr als 20 Jahren eine inhabergeführte Agentur für PR, Social Media Marketing und strategisches Kommunikationsmanagement. Wir betreuen internationale Konzerne (wie Oracle), mittelständische Unternehmen (wie die Schreiner Group) und kleine innovative Firmen (wie Ferrari electronic), sowohl mit B2B-, als auch mit B2C-Schwerpunkt. Die Kunden der Agentur kommen aus Technologie-Branchen mit erklärungsbedürftigen Produkten und Dienstleistungen, wie zum Beispiel aus der IT (z.B. LANCOM Systems), Automotive/Ökologie (z.B. GOVECS), Textil und Hygiene (z.B. der Haniel Konzern mit seinen Marken CWS-boco). Unter den Kunden befinden sich nicht nur produzierende und Dienstleistungsunternehmen, sondern auch Verbände (z.B. BSA | The Software Alliance) und NPOs (z.B. Bayern International).

Social-Media-Marketing.

Kommunikation ist unsere Leidenschaft. Alle unsere Kunden haben interessante Geschichten zu bieten: spannende Produkte, tolle Visionen, wunderbare – und manchmal wunderliche – Vergangenheiten. Aber es wird in unserer Zeit des Informationsüberflusses immer schwieriger, Gehör zu finden – bei Kunden, bei Partnern, in den Medien. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen und Unternehmen miteinander ins Gespräch zu bringen. Wir erfinden und beschönigen nichts. Aber wir geben unseren Kunden, Journalisten, Meinungsführern in sozialen Medien und allen Interessierten die Chance, sich besser zu verstehen und gemeinsam interessante Storys zu schreiben.

Storyteller und Storyfinder, keine Story-Erfinder.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Best Practice-Beispiele an, dass man das besser auf unserer Homepage nachliest.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

digitaler Beduinen“: freie Arbeitszeitwahl, die Verbindung von Familie und Beruf sind bei vibrio keine leeren Versprechen. Deshalb sind wir auf moderne Kommunikationswege zwingend angewiesen:

  • Home Offices
  • Keine festen Arbeitsplätze: jeder ist mit Rollwagen unterwegs
  • IP-Telefonie mit Notebook und Headset statt Telefone
  • Online Meetings
  • Immer mehr „software in the cloud“
  • Software-unterstütztes Projekt- und Teammanagement
  • Flexible Teamkommunikation in flexiblen Teams
  • Funktionale und Projektbezogene Teamorganisation wo möglich
  • (Flache) Hierarchien wo nötig

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Einerseits geht die Zeit individueller Urheberrechte vorbei, andererseits müssen wir die Produzenten geistiger Güter vor Ausbeutung und vor der zunehmenden Verelendung in der Marktwirtschaft schützen. Ebenso geht es darum die Entrechtlichung der Arbeitsbedingungen zum Beispiel in den Logistikprozessen hinter dem eCommerce zu verhindern. Dann geht es um individuellen Datenschutz der Bürger vor kommerziellen und politischen Interessen. Und schließlich müssen wir in Deutschland und Europa durch eine kluge Technologiepolitik unsere Position im Weltmarkt ausbauen und gleichzeitig zu einer sozialen und ökologischen globalen Wirtschaft kommen. Wir brauchen also einen klug gesteuerten Prozess in die Netzwirtschaft.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wir müssen die Barrieren zwischen der traditionellen und der Netzwirtschaft niederreißen und die Wassergräben um überkommene Strukturen zuschütten. eCommerce, neue kollektive Formen der Wertschöpfung und das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Bürger müssen von den „Digitalis“ auf dem Deutschen Handelstag und in den Parlamenten diskutiert werden und nicht nur „entre nous“ auf der re:publica.

Herausforderung für unseren Markt:

Es geht darum etablierten Unternehmen der „alten“ Industrien die Chancen der Netzwirtschaft aufzuzeigen. Wir sind nicht die Agentur der Gründerzentren, sondern die Agentur für den Aufbruch klassischer Branchen in die Netzwirtschaft, in modernes Storytelling, in die sozialen Medien.

Herausforderung für unsere Firma:

Schnell, veränderungsbereit und begeistert bleiben – das war, ist und bleibt die große Herausforderung.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet hat mich noch nie geärgert. Es ärgern nur Menschen – in der virtuellen und in der ersten Welt.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich liebe Hootsuite als Werkzeug für das Multi-Plattform-Publishing. Ein StartUp, dass die bestehenden Defizite von Hootsuite beseitigen könnte (volle Integration von XING, volle Integration privater Google+-Kanäle, verbesserte Zeitplanungsfunktionen) würde sich einen Abend an der Agentur-Bar verdienen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich liebe meine gedruckte (!) Süddeutsche Zeitung – trotz Zeitungssterben und meinem geringen Mitleid mit Holzmedien.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Viva Vinyl.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Digitale Transformation“ meines Freundes Tim Cole. Das Buch erscheint zwar erst in einigen Tagen, aber ich durfte schon eine Vorabversion lesen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Eine lehrreiche Veranstaltung war sicherlich, als ich mit und gegen Bill Gates Tennis spielen durfte: jeder hat gehofft, dass ich ihn vernichtend schlage und alle haben ihn So ist das mit der Vorder- und der Rückseite der Macht. 😉

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Neben vielen anderen: Hootsuite (siehe oben)

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Bill Gates? Hatt‘ ich schon. Steve Wozniak? Hatt‘ ich schon. Philipp Kahn? Hatt‘ ich schon. Konrad Zuse? Hatt‘ ich schon. Die Gründer von Microsoft, Netscape, Apple und LinkedIn hab ich schon durch. Bei Apple war es Wozniak, der zweite Steve neben Jobs. Für einen Tag mit Steve Jobs ist es ja leider zu spät. Mark Zuckerberg? Nein, kein Interesse. Ach nein. Eigentlich ist diese Frage doch ganz einfach zu beantworten: mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Von ihnen lerne ich jeden Tag und jeder Tag ist ein Tag zu wenig.