Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Axel Seemann – fashback

Axel Seemann fashback
Foto: Lühmann Werbeagentur

Wer ist Axel Seemann? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

fashback.de. Zuvor habe ich Buddy&Selly (einen Luxusmode Ankaufs-Service) gegründet und weitere unternehmerische Themen verfolgt. Meine Wurzeln liegen in der Unternehmensberatung.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich würde sagen ich habe keinen. Meine Frau sieht das bestimmt anders. Für ihre Sicht ist an dieser Stelle sicherlich nicht genug Platz. In einem sind wir uns aber bestimmt einig: Ich liebe Nutella – mag es aber überhaupt nicht, die Reste auszukratzen. Das zeigt vielleicht, dass ich schon bemüht bin, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir machen 2 Dinge:

Wir kaufen getragene Mode von Privat-Personen und zahlen sofort in Bar oder in Form von Shoppinggutscheinen für Fashion Retailer aus. Super schnell und einfach.

Wir liefern die Daten, damit Fashion-Fans relevante Content- und Produktempfehlungen bekommen können. Dazu nutzen wir die an uns verkaufte Mode.

Beides bieten wir als B2B Service für Fashion-Retailer an. Unser Ziel ist es, Fashion-Retailern im Classic & Premium Segment zu ermöglichen, eigene Kreislaufsysteme mit Ihren Kunden aufbauen zu können.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Es ist zwar nicht aus meiner Branche, aber mich fasziniert aktuell Tesla sehr: Kapital, Vision und Exekution haben die Stellung der elektrischen Mobilität wesentlich beeinflusst.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

In vielen Bereichen entwickeln sich neue Geschäftsmodelle. Diese schaffen teilweise neue Märkte oder verändern bestehende Märke substantiell. Ob es sich immer gleich um „Disruption“ handelt weiß ich nicht. Oft handelt es sich m.E. einfach um die logische Evolution eines Marktes. In diesem Fall kommt die Gesellschaft – vor allem im Consumer Bereich – einfach schneller mit. Der Staat sollte Veränderungen grundsätzlich nicht gleich bedrohlich einstufen, sondern den Rahmen auf einer wesentlichen Werte- und Stabilitätsbasis schaffen. Das wir uns alle auf mehr Veränderungen – vor allem im internationalen Kontext – einstellen müssen, ist, denke ich, jedem klar.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wir sollten in Deutschland und Europa nicht übersteuern oder verkomplizieren. Der Zugang zu substantiellen Kapital ist immer noch für Start-Ups problematisch und zäh. Ich halte es nicht für richtig, sich immer mit den USA zu vergleichen – die Schere zum Deutschen Kapitalmarkt ist aber schon sehr groß. Gute Förderungsoptionen sind – wenn verfügbar – m.E. immer noch zu wenig bekannt oder oft zu stark reglementiert und bürokratisiert.

Herausforderung für unseren Markt:

Der Modemarkt ist sehr klassisch. Es werden sich aber immer mehr Veränderungen im Konsumverhalten ergeben, welche ich eher als Evolutionsschritt sehe. Die zunehmende Frequenz der Kollektionszyklen pro Jahr sowie die zunehmenden Produktangebote halte ich für sehr kritisch – sowohl kommerziell als auch ökologisch. Deshalb glauben wir, dass die Bildung von neuen Ökosystemen zwischen Händlern und Kunden sinnvoll und logisch ist. Dies ist ein wesentliches Ziel von FASH BACK.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir sind als Start-Up mit dem Ziel, einen neuen Mehrwert für einen bestehenden Marktkreislauf zu liefern, natürlich chronisch ungeduldig. Geduld zu haben ist wohl unsere größte Herausforderung.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert hat mich, wenn ich vor 15 Jahre online bestellt habe, oft nichts geliefert wurde und keiner wusste, was los war. Digitale Prozesse waren meistens Sackgassen oder nice-to-have.

Es freut mich, dass eCommerce heute extrem professionell ist und einfach funktioniert. Daneben kann ich viele wesentliche private und berufliche Aufgaben online schnell abwickeln. Das ist manchmal Fluch und Segen zugleich.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Neben den üblichen Branchen-Portalen vor allem
excitingcommerce.de – Als Teilnehmer des eCommerce Ökosystems finde ich hier die für mich relevanten Infos in solider journalistischer Kürze und Qualität.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

Da habe ich keine konkrete Empfehlung. Der Tag liefert über zu viele Kanäle tolle Artikel.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

“The Hard Thing About Hard Things” von Ben Horowitz. Sehr beeindruckend, wie man mit Ausdauer und Willenskraft das unvermeidliche abwenden kann.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Bei jedem Wiedersehen mit meinen ehemaligen Kommilitonen und Kollegen lerne ich die besten Dinge.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

Papier & Stift – ganz klassisch. Ah – und mein Noise-Cancelling Kopfhörer für Ruhe im Sturm.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Da fallen mir viele und keiner ein. Grundsätzlich würde ich gerne die Logik von Politikern und Parlamenten nachvollziehen können, wenn sie Regeln für die Privatwirtschaft verabschieden. Und jeder Haudegen, welcher wirklich ein großes Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut hat und dabei Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft übernimmt, wäre für mich immer ein wünschenswerter Gesprächspartner.

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