Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Daniel Pannrucker – Dentsu Aegis Network Germany

Daniel Pannrucker - Dentsu Aegis Network Germany

Wer ist Daniel Pannrucker? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin in Luxemburg geboren, habe in Belgien studiert und lebe seit einigen Jahren in Deutschland. Mich reizen unternehmerische Herausforderungen und neue Denkmodelle, für die einiges an Kreativität und Mut aufgebracht werden muss. Mit meinem Team helfe ich Unternehmen bei der Identifikation und Umsetzung von effektiven Lösungen im Zeitalter der digitalen Transformation.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich schlafe ohne Kopfkissen und mit den Füßen aus dem Bett hängend.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Dentsu Aegis Network, sind weltweit eine 30.000 Mitarbeiter starke Agenturgruppe für Media, Kommunikation, Content, Creation, Technology und Data. Unternehmen, die einen global aufgestellten aber lokal handelnden Full-Service-Sparringspartner suchen, der im Zeitalter der digitalen Transformation effektive Kommunikationslösungen analysiert, entwickelt, plant und umsetzt, sind bei uns an der richtigen Adresse.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt

Alle Agenturen im Dentsu Aegis Network denken, leben und handeln zukunftsgerichtet. Die fortschreitende Digitalisierung ist bei uns Alltag und wir prägen für unsere Branche auch ein Stück weit die Zukunft mit. Ob es globale Performance-Kampagnen der iProspect sind, die wir daten-gesteuert planen, ausliefern oder optimieren, ob es digitale Out-of-Home-Lösungen sind, die unsere Kollegen der Posterscope entwickeln, Realtime-Optimierungen im Bereich Programmatic Advertising von den Spezialisten der amnet oder technische Retail-Innovationen sind, die im Isobar NowLab entstehen. Mit Carat und Vizeum implementieren wir auf einem globalen Top-Niveau digitale Kommunikationslösungen im Media- und Marketingmix der Kunden, die wir über die beiden Mediaagenturnetzwerke betreuen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Geschwindigkeit und Wettbewerb sind ein großes Problem. Wo soll das enden? Kritisch sehe ich es, wenn harter Wettbewerb dazu führt, dass bereits gute Lösungen aufgrund des Wettbewerbskonfliktes und der dadurch notwendigen Differenzierung unnötig verkompliziert werden. Wir beschäftigen uns viel zu sehr mit Placebo-Effekten. Der Gesellschaft würde es gut tun, wenn wir bei der rasanten Entwicklung manchmal aufs Bremspedal treten oder kritisch analysieren würden. Der Staat könnte helfen, indem er seine Expertise ausbauen würde und Raum für Diskussionen und Austausch bereitstellt. Weniger Politik und harte Gesetze, mehr Sparring und Enabling – das würde helfen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Meiner Meinung nach fehlt eine klare Positionierung der Netzwirtschaft in  Deutschland und Europa. Wer sind wir? Wofür stehen wir? Wo wollen wir hin? Es gibt keine klare Positionierung und damit keine nachhaltige Story, die ich als Investor mit Europa und Deutschland verbinden kann. Das führt dazu, dass es den digitalen „Monopolisten“ einfach gemacht wird und sich lokale Netzwirtschaftsaktivitäten nicht wirklich durchsetzen können. Ohne Positionierung keine Kredibilität. Ohne Kredibilität keine Investitionen. Europa sollte sich konkret darüber Gedanken machen, welche Rolle es in der globalen Netzwirtschaft übernehmen möchte.

In den Vereinigten Staaten, im asiatischen Raum und mittlerweile auch in England und den nordischen Ländern wird das Unternehmertun in den Schulen aktiv vorgelebt. Die Schüler präsentieren vor ihren Klassen Projekte und Ideen, debattieren und verhandeln, lernen aus Fehlern stärker hervorzugehen und werden generell viel entspannter an die digitale Zukunft herangeführt. Deutschland und ein Großteil von Europa sieht die Digitalisierung – zumindest in den Schulen – bis zu einem gewissen Teil als Bedrohung. Latente Ängste haben Entwicklungen immer schon etwas eingeschränkt. In Europa sollte eine Kultur geschaffen werden, in der die Digitalisierung als Chance gesehen und den Menschen von klein auf die Angst vorm Scheitern genommen wird.

Herausforderung für unseren Markt:

Fortlaufend simplifizieren und die Netzwirtschaft mit der traditionellen Wirtschaft zusammenbringen – für ein nachhaltiges und gesundes Wachstum.

Herausforderung für unsere Firma:

Die Digitalisierung hat alle Karten neu gemischt. Das ist auf der einen Seite extrem positiv, auf der anderen Seite zerrt die Situation aber auch neue Mitbewerber auf die Bühne. Für unsere Agenturgruppe werden die kommenden Jahre sehr spannend und herausfordernd. Wer bekommt den Lead im Werbe- und Kommunikationsmarkt? Werden die großen Gatekeeper wie Facebook, Amazon, Apple und Google weiterhin dominieren und bestimmen? Wer übernimmt die Kommunikationsführung bei den Medienkonzernen? ProSiebenSat.1, Bertelsmann oder doch STRÖER? Oder eher neutrale Kommunikationsnetworks und Allrounder wie es das Dentsu Aegis Network oder die WPP sind? Wir sehen jedenfalls für uns und unsere Ausrichtung riesige Chancen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgert eigentlich nur, dass manche Anbieter den Datenschutz nicht so ernst nehmen und dass das Internet auch Menschen und Vereinigungen Raum gibt, die hochkrimineller Natur sind und massiv Schaden anrichten. Dennoch möchte ich das Internet nicht missen. Die Vorteile überwiegen. Mich freut am Internet, dass der Content qualitativ immer besser wird, es massiv Kosten einspart, jeder global kommunizieren kann und wir in Sekunden an nahezu alle Informationen kommen. Und das Netz hilft auch, Kriminalität aufzudecken. Insofern ist alles gut.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://ww.adweek.com

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://www.wuv.de/agenturen/content_marketing_hat_nichts_mit_storytelling_zu_tun

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Das Freunde Buch von meinem Sohn Titus.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

The Story Lab Global Conference 2016. Eine Dentsu Aegis Network-interne Veranstaltung, von der ich restlos begeistert war. Zu viel Internas darf ich nicht verraten, aber ein kleiner Ausblick ist mir gestattet: Es geht darum, wie Unternehmen Content als neue Währung einsetzen können – digital, medial und real. Michael Iskas, der global President von The Story Lab, hat mich umgehauen. Noch nie habe ich in einem Network so eine gut vorbereitete und inspirierende Konferenz erlebt – übrigens auch auf keiner externen Branchen-Veranstaltung.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

Google: Google Search, Keyword-Planer, Gmail, Google Kalender und Google Docs/Formulare/Tabellen, Google Cloud, Hangouts etc.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Wunschkandidat: Jon Kamen von @radical.media. Weil er es geschafft hat, Qualität und Passion für ein erfolgreiches Content-Unternehmen zu nutzen.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.