Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Sabine Hoffmann – ambuzzador

Sabine Hoffmann ambuzzador
Foto: Martin Prechelmacher

Wer ist Sabine Hoffmann? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

ambuzzador. Seit 2004 beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Word-of-Mouth-Marketing und versuche dabei immer neue Impulse zu setzen. In unserem 30-köpfigen Team setzen wir gemeinsam mit unseren Kunden alternative Marketing- und Aktivierungsprogramme um, um neue Wege zu ihren Kunden und Zielgruppen zu erschließen.

Ich sehe Buzz Marketing als logische Ergänzung des traditionellen Marketings, da es die direkte Verankerung der Marke in der Community ermöglicht. Seit der Gründung vor 12 Jahren hat sich dabei wahnsinnig viel getan. Aus dem normalen Agency Business hat sich mittlerweile aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung das Transformation Business entwickelt. Aber dazu gleich mehr.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich muss gestehen, dass ich ein absoluter Social Media Addict bin. Das Erste, was ich nach dem Aufwachen und das Letzte, was ich vorm Licht ausschalten mache: Social Media nutzen. Nach einem ersten Blick auf die Notifications in Facebook und Twitter, checke ich Instagram, Xing und LinkedIn. Es kommt auch durchaus vor, dass ich am Morgen das Wetter am Handy checke, bevor ich das Fester öffne 😉

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Kurz gesagt: Unsere Superpower ist es, dass wir Menschen für Unternehmen, Marken und Produkte oder Dienstleistungen zum Schwärmen bringen. Dafür nutzen wir alle Mittel, die Buzz Marketing zu bieten hat: wir unterstützen Unternehmen bei der strategischen Planung zum Aufbau ihrer Communities, erstellen Inhalte, übernehmen das Community Management und unterstützen bei der Kreation und Umsetzung großer Kampagnen, die viele Millionen Menschen im Netz erreichen. Immer mit dem Ziel, Daten intelligent zu aggregieren, um im nächsten Kundenkontakt schon relevanter zu sein. Auch in Krisensituationen greifen wir den Kommunikationsteams unserer Kunden schon mal unter die Arme.

Das größte Hindernis am Wege zu dieser Aktionsfähigkeit in Echtzeit, sind die heute üblichen Silo-Strukturen. Um die volle Kraft von Social Media zu nutzen, sind neue Strukturen notwendig, Netzwerke die sich durch das ganze Unternehmen ziehen. Dabei entfaltet Social Media transformatorische Wirkung, weil es plötzlich um die Sache geht, um gemeinsam etwas zu lösen – und nicht länger um Hierarchie und Politik.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Die Anrainerkommunikation rund um einen Shutdown einer großen Raffinerie ist ein tolles Beispiel, wie Social Media die Wahrnehmung einer ganzen Region verändern kann.

Ein internationales Öl- und Gasunternehmen betreibt in Burghausen eine große Raffinerie, die alle 5 bis 7 Jahre gewartet werden muss und dafür für mehrere Wochen heruntergefahren wird. Für die Region ist das eine Zeit der Unsicherheit.

Als Teil eines Teams an Spezialisten haben wir es möglich gemacht, sich den Menschen zu öffnen und so dafür gesorgt, dass sich die Stimmung von Skepsis in Wohlwollen und Zuversicht verwandelt hat. In rund 15 Info-Veranstaltungen für die Anwohner sowie mit 55 Blogartikeln, 28 Videos und einer Vielzahl an Bildergalerien, Infografiken haben wir den Projekt-Newsroom zum zentralen, interaktiven Kommunikationskanal gemacht. Das ist für ein Raffinerie-Unternehmen eine 180-Grad-Wendung, da Außenstehende normalerweise keinen Zutritt haben. Gerade deshalb dürfte das Projekt auch so gut angekommen sein.

Darüber hinaus war das Projekt auch für uns intern spannend, da wir uns dazu entschlossen haben, die gesamte Kommunikation für das Projekt ohne E-Mails abzuwickeln. Das hat in unserem kleinen Projektteam hervorragend funktioniert und die Kommunikation nicht nur beschleunigt, sondern auch deutlich schlanker werden lassen.

Was uns ganz besonders freut, ist die Auszeichnung unserer Arbeit mit dem Econ Award.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Eine Herausforderung, die uns noch in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen wird, ist die schon erwähnte digitale Transformation. Sowohl die Gesellschaft, die Wirtschaft als auch der Staat sind gefordert, den Wandel von analog zu digital zu meistern. Wie wir wieder und wieder beobachten können, werden ganze Wirtschaftszweige durch die Digitalisierung umgekrempelt. Technologien, die in einzelnen demographischen Gruppen genutzt werden, haben dabei noch längst nicht alle Altersgruppen erreicht und sorgen für eine deutliche Fragmentierung.

Umso wichtiger ist es, das alle gesellschaftliche Gruppen lernen, an diesen neuen Wegen und Möglichkeiten teilzunehmen und dazu geschult werden. Denn obwohl uns das Internet schon längst als selbstverständlich erscheint, stehen wir noch immer am Anfang dieses Prozesses.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Definitiv eine Herausforderung ist das Thema Ausbildung. Durch die Digitalisierung sind viele neue Berufe entstanden, die es nun zu professionalisieren gilt. Gutes Beispiel: Social Media Management.

Vor rund 10 Jahren existierte dieser Beruf noch nicht. Auch das Thema Mobile war damals noch nicht denkbar. Deshalb ist es umso wichtiger, dass bei der Ausbildung Standards gesetzt werden, die kontinuierlich angepasst werden und mitwachsen. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen sind eine Herausforderung. Hier gibt es nach wie vor viel Aufklärungs- und Anpassungspotential.

Und dann ist da natürlich noch der eigene Kulturanspruch, der mehr oder weniger auch auf die Ausbildungsstandards abzielt: Wollen wir uns professionalisieren oder befinden wir uns nach wie vor in der Findungs-, in der Betaphase?

Herausforderung für unseren Markt:

Die Herausforderung für das digitale Marketing ist vor allem die wachsende Bedeutung von Social Media nicht nur als Kommunikationsinstrument – was noch immer nicht in allen Bereichen selbstverständlich ist –, sondern eben als Transformator. Social Media hat das Potenzial, unzählige Unternehmensbereiche zu verändern. Aber dafür müssen wir es schaffen, dass die Möglichkeiten von Social Media direkt mit den verantwortlichen Menschen im Unternehmen ernsthaft in Berührung kommt.

Herausforderung für unsere Firma:

Unsere persönliche Herausforderung ist es, das Thema Social Media in den Unternehmen zur Chefsache zu machen. Wir wollen Verständnis für die wahnsinnig vielseitigen Einsatzmöglichkeiten schaffen. Ich bin überzeugt, dass nur so Unternehmen von der Entwicklung profitieren können. Es geht darum, wieder den Mut zum Experimentieren zu wecken und an großen Ideen zu arbeiten, parallel zum Alltagsgeschäft.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Was mich freut? Dass dank des Internets jeder die Möglichkeit hat, sich mit Menschen auf der ganzen Welt auszutauschen und die Grenzen zwischen Menschen und Unternehmen verschwimmen, da immer stärker der einzelne Mensch über Social Media in den Vordergrund rückt. Für unsere Arbeit bedeutet das, dass wir noch viele neue Wege gehen können, um einen weltweiten Dialog zu fördern. Auch in diesem Fall glaube ich, stehen wir erst am Anfang zu begreifen, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.

Was mich stört? Die Macht der vernetzten Vielen schlägt oftmals emotional und unüberlegt zu. Social Media Communities können so zu einem Meinungskorrektiv werden und haben eine diffuse Macht Themen zu setzen und zu besetzen. Wir haben nach wie vor gesellschaftlich noch nicht ausgehandelt, wie wir damit umgehen. Das sieht man auch anhand der derzeitigen Diskussionen um Hasskommentare auf Facebook.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich würde mich gerne beamen können: Heute Berlin, morgen Wien, übermorgen San Francisco. Das wäre grandios!

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

mashable.com. Dort finde ich vieles, was ich täglich an Infos rundum die Themen Business, Social Media und Tech brauche.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

https://medium.com/deutsch/ein-kurzes-intermezzo-social-media-manager-sterben-ab-2016-wieder-aus-549f15afa22b#.dy0z1fu0a

ein spannendes Buch, da s Dich für Dein Business inspiriert hat

Das Buch „Thank God it’s Monday“ von Dark Horse Innovation hat es mir angetan, denn es zeigt, was es braucht, um am Montag motiviert und mit Freude zur Arbeit zu gehen. Eine klare Leseempfehlung für alle, die die Arbeitswelt von heute verändern wollen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

#DLD16: Ein klarer Aufruf an uns alle, die Digitale Revolution mitzugestalten

Die DLD (Digital Life Design) in München gilt zurecht als das Digitalevent des Jahres im deutschsprachigen Raum. Es ist im Vorfeld des World Economic Forum in Davos eine Plattform für hochkarätige internationale Speakers aus Politik und Wirtschaft. Im Mittelpunkt stand auch dieses Jahr die Digitale Revolution und die vielen Möglichkeiten, sie als Chance zu nutzen.

Mein persönliches Highlight war Jeremy Rifkin, der US-amerikanische Soziologe, Ökonom, Publizist sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends. In seiner Keynote zeigte er, warum nach der Einführung der Dampfmaschine und dem Erdöl-Zeitalter, das Internet die 3. Revolution für die Menschheit bedeutet. Die Kraft dieser Revolution liegt in der Interkonnektivität von Kommunikation, Energie und Transport, die wir oft als Internet of Things bezeichnen. Diese Verbundenheit bedeutet das komplette Ausschalten von Aggregatoren und macht es jedem einzelnen möglich, die Welt mitzugestalten. Was sich auch bereits in den Werten der Generation der Millenials ausdrückt: So bedeutete Freiheit für alle vor 1980 Geborenen (GenX) Unabhängigkeit und Exklusivität, für Millenials (GenNOW) ist es der Zugang zu Netzwerken, also Inklusion. Wenn sich Macht für GenX nach wie vor als Pyramide definiert, so versteht GenNOW darunter möglichst offene und transparente Systeme. Und schließlich sieht sich GenNOW in Sachen Community als Teil der Biosphäre, verbunden mit voller Verantwortung des Einzelnen für das Ganze, währendes für GenX darum geht, wer das meiste besitzt. Ein kompletter Paradigmenwechsel also, von dem sich Rifkin erhofft, dass wir ihn als Chance nützen, um unseren Planeten neu aufblühen zu lassen.

„The Third Industrial Revolution and a Zero Marginal Cost Society“

https://www.youtube.com/watch?v=5mQj574Cv_k

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ein von uns viel eingesetztes und sehr nützliches Tool ist JIRA. Damit organisieren wir alle unsere Kundenprojekte und haben alle Aufgaben übersichtlich auf einer Plattform, auf die das gesamte Team zugreifen kann. Generell arbeiten wir bei all unseren Projekten nach der Scrum-Methode.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gerne einmal mit SAP-Mitgründer Hasso Plattner am Institute of Design der Universität Stanford zusammenarbeiten, um aus Konsumentensicht die Geschäftsmodelle unserer Kunden neu zu erfinden. Das steht aber so oder so auf der Agenda 😉

Ich bin ein großer Fan von ausgewählten kleinen Events, wo wenige Teilnehmer intensiv miteinander diskutieren. Deshalb baue ich gerade mit anderen digitalen Vordenkern den „Executive Digital Future Circle“ auf. Damit wollen wir andere Executives in Österreich für die nächste Etappe der digitalen Revolution fit machen, und klären mit ihnen alle relevanten Fragen zur digitalen Transformation und wie sie die Möglichkeiten, die sich aus der Digitalisierung ergeben, im eigenen Unternehmen integrieren können.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.