Interview
Das Forschungszentrum

Tobias Eismann – metacrew group

Tobias Eismann metacrew groupWer ist Tobias Eismann? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Tobias Eismann, 38 Jahre, verheiratet und glücklicher Vater einer zweijährigen Tochter. Mitte der 90er Jahre habe ich mein erstes „Internet-Startup“ gegründet, später verkauft und war dann für rund drei Jahre bei arvato/ Bertelsmann, ehe mich wieder die Selbständigkeit packte. Heute darf ich die metacrew group an den Standorten Osnabrück und Berlin leiten und jeden Tag ein bisschen besser machen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Spleen oder eher ein geprägtes Kind des Internetzeitalters? Okay. Ich bin ein Informationsjunky. Ohne Handy fehlt mir was, vor allem die Sozialen Netzwerke. Man findet mich auf allen relevanten Plattformen, also finde ich dort auch so einiges! 😉

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die metacrew group ist ein moderner Marketing-Service-Dienstleister mit angeschlossenen Beteiligungen. Rund 50 engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter machen Monat für Monat mehr als 30.000 Endkunden glücklich. Wir generieren für unsere Agenturkunden und uns selbst bis zu 10.000 Neukunden pro Monat. Wir versprechen nicht nur Marketingerfolg, sondern gehen mit dem Kunden soweit, Geschäftsmodelle gemeinsam umzusetzen und uns so ganz stark verantwortlich zu machen. Am liebsten in Märkten, in denen wir disruptiv wirken können. Wir nennen das Spielveränderung, weil wir mit neuen Technologien die Regeln auf den Kopf stellen und den Erfolg neu schreiben.

Wir sind aktuell auf den Weg, aus metacrew ein Unternehmen mit mehr als 10 Mio. Euro Umsatz zu machen. Das Vorgängerunternehmen, die heaven7media GmbH, lag lediglich bei 500.000 Euro Jahresumsatz. 2015 werden wir bereits rund 6-7 Mio. Euro erreichen, 2016 peilen wir den erstgenannten Wert an. Dieses Wachstum ist nur möglich, wenn ganz viel passt. Leidenschaft bei allen Mitstreitern, von den Kunden, über Mitarbeiter, über Geschäftspartner und das Erkennen wie Erschließen von Chancen. Wichtig ist mir hierbei, dass die Unternehmenskultur mitwächst und die partnerschaftliche Zusammenarbeit erhalten bleibt. Darum, und dies ist kein Witz, kommen ehemalige Mitarbeiter auch wieder zu uns zurück.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Ohne die Digitalisierung würde es metacrew in dieser Form nicht geben. Unsere Endkundengeschäfte wie die Pink Box oder die Gourmetbox wären vermutlich ohne Facebook schlichtweg nicht möglich gewesen. Und unsere Agenturkunden wollen wir durch eine zielgerichtete Digitalisierungsstrategie unterstützen, die wir nicht nur gemeinsam erarbeiten sondern auch erfolgreich, also verantwortlich machend, umsetzen. Wir leben E-Commerce jeden Tag, selber bei unseren mehr als 30.000 Endkunden, ebenso bei unseren Agenturkunden, die wir durch unsere Services selber zu „Spielveränderern“ in ihrer Branche machen wollen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Es kommt eine neue Generation von Konsumenten auf uns zu, für die ein digitales Leben selbstverständlich ist. Die Abgabe von personenbezogenen Daten ist für diese Generation weniger eine juristische oder gar politische Frage sondern eher eine Frage „nach einem guten Deal“. Auf diese Generation, welchen Buchstaben sie auch immer hat, muss sich jede Branche und natürlich auch die Politik einstellen. Das fällt natürlich schwer: Digitalisierung bedeutet, dass sich Mütter und Väter an ihren Kindern orientieren müssen. Wahnsinn!

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wir haben einige E-Commerce-Kunden, die umsatzseitig heute praktisch ausschließlich von Google, Amazon, ebay und wenigen anderen abhängig sind. Das ist katastrophal, wenn die Zuleitung dann nur noch über derlei, in der Regel amerikanische, Kuratoren im Netz funktioniert. Wir plädieren daher für starke Marken und empfehlen unseren Kunden eine möglichst differenzierende Vertriebsstrategie mit Schaffung einer eigenen (Kunden-)Community. Nur wer dies versteht, wird langfristig überleben. Der Verlagsbranche und hier insbesondere der Tagespresse, hier sind wir als Dienstleister sehr aktiv, droht gerade eben diese Abhängigkeit – Apple News winkt schon aus Übersee. Es gilt also heute die Weichen zu stellen, um morgen und übermorgen erfolgreich zu sein.

Herausforderung für unseren Markt:

Wenn wir den Fokus dieser Frage auf den Agentur- oder Werbemarkt konzentrieren, bin ich der festen Überzeugung, dass metacrew einem Agenturmodell der Zukunft entspricht. Wir betreiben eigenständig Geschäftsmodelle für unsere Kunden, insbesondere für Marken-Hersteller, um diesen einen wirklich direkten Draht zum Konsumenten zu ermöglichen und damit ein echtes Feedback zu Produkten zu erhalten. Wir versprechen also nicht nur vermeintliche Aufmerksamkeit, sondern moderieren den Dialog. Agenturen, die diesen Move nicht realisieren, werden früher oder später gegen Spezialdienstleister verlieren (müssen).

Herausforderung für unsere Firma:

Ganz klar: Wir brauchen junge Talente, die in dieser neuen digitalen Welt Geschäftsmodelle und Ziele unserer Kunden, vom Konsumenten bis zum Hersteller, denken und leben können. Wir setzen daher ganz klar darauf, selber auszubilden und junge Talente für uns zu finden, schnell Verantwortung zu geben und ebenso zu ermöglichen, selber Unternehmer zu werden. metacrew ist daher auch Inkubator für neue Geschäftsmodelle.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Wenn man die Nachteile des Internets, oder besser der Digitalisierung, listen möchte, fällt natürlich als erstes die „neue Schnelligkeit“ auf. Früher musste man buchstäblich „ins Internet gehen“, was oft mit einem Platzwechsel an den einen im Haus aufgestellten Desktop-PC verbunden war. Heute geht der deutsche Online-User 150-200 mal pro Tag „online“, oft mit einem second oder sogar third screen. Das bringt schon so einiges an Tempo mit sich, auch für den Arbeitsalltag von jedem von uns. Dieses Tempo mitsamt der Möglichkeiten ist Ärgernis und Freude zugleich. Denn zu vielen Bekannten würde ich heute ohne Facebook, Xing & Co. wohl kaum den Kontakt halten können.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Nach wie vor bin ich immer noch auf der Suche nach einem echten Kurator, der mir mehr Lebenszeit bringt. Klingt wie digitales Yoga, meint aber mehr. Suchen wir am Ende den digitalen Gral? Es bleibt also spannend. Wer hier einen Tipp für mich hat, darf sich gern melden. Wir haben auch eine Beteiligungsgesellschaft in der metacrew group…

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ganz klar: Das Handelsblatt! Zum einen dürfen wir die herausragenden Kolleginnen und Kollegen in Düsseldorf bei ihrer Digitalisierungsstrategie als metacrew unterstützen. Zum anderen hat sich meines Erachtens aber auch kaum eine deutsche Publikation in den vergangenen zwei Jahren so stark entwickelt und geht, auch mit einer guten Portion Humor und Selbstironie, aktiv auf ihre Leserschaft zu.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Schwierig, schwierig. Da muss ich glaube ich passen. Bei 10-20 Artikeln am Tag, die ich lese, wäre es vermutlich auch nicht angemessen, einfach einen davon herauszugreifen.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Ich bin ein totaler Fan von Fredmund Malik. Sein Buch „Führen Leisten Leben“ habe ich einmal an einem langen Wochenende an einem See in Mecklenburg-Vorpommern verschlungen. Malik inspiriert ungemein und trägt Werte weiter, die für jeden Gründer, Manager und jede Führungskraft extrem wertvoll sind, praktisch inhaliert werden sollten.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Kein Witz: Die Kieler Woche. Ich denke oft an inspirierende Gespräche auf einen Zweimaster unter magenta-farbener Beflaggung zurück, vor rund 8-10 Jahren. Memories, die man kaum wiederholen kann. Aber Moment… so war die Frage nicht gemeint, oder?

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ohne mein mobiles Office via Smartphone geht wohl wenig. Und Powerpoint ist nach wie vor eine Waffe. Keine Frage!

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Naheliegend wären Menschen wie Steve Jobs, Bill Gates oder auch Jack Welch. Recht aufschlussreich wäre allerdings einmal ebenso ein Tag mit Angela Merkel. Es muss extrem herausfordernd sein, Deutschland vor dem Hintergrund des Zerrens am Kahn auf Kurs zu halten. Und genau das scheint die Dame ja anzutreiben. Und wer weiß: Vielleicht kann man ja auch, ohne Vermessen zu sein, voneinander lernen. Zumindest ein bisschen.