Interview
Das Forschungszentrum

Katja von der Burg – Projecter GmbH

Katja von der Burg Projecter GmbH

Wer ist Katja von der Burg? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Nach dem Studium wollte ich Journalistin werden und habe deswegen Journalistik und Politikwissenschaften in Leipzig studiert. Bei einem Praktikum bei der UNO in Genf packte mich aber das Interesse für Wirtschaftsthemen, ich absolvierte mein Volontariat bei der FAZ und studierte nebenbei ein paar Semester BWL. Dabei wuchs immer mehr der Wunsch, doch selber mitanzupacken, als nur darüber zu schreiben und so landete ich nach dem Studium im Online Marketing bei Spreadshirt, wo ich zwei Jahre lang eine sehr steile Lernkurve hatte, die schließlich in der Gründung von Projecter vor über 7 Jahren mündete. Online war ich 1997 das erste Mal beim Schüleraustausch in den USA in der Schulbibliothek und seit diesem Moment war es um mich geschehen. Es folgten dann noch ein paar Jahre des qualvollen Wartens auf die ersten Internet-Flatrates und schließlich nach dem Studium die Erkenntnis, dass man mit diesem Internet-Kram sogar seine Brötchen verdienen kann: Perfekt!

Mein Geheimnis? Das ist wirklich nicht geheim, sondern eher meine Leidenschaft: Ich mache sehr sehr gerne Sport und bin viel auf Achse, das brauche ich als Ausgleich zum Bürojob und zum Familienleben mit 2 Söhnen. Meistens bin ich laufend unterwegs und das durchaus leistungsorientiert und mit Trainingsplan. Dieses Jahr habe ich mich vor allem den Langdistanzen gewidmet und bin bereits 8 Marathons gelaufen, davon 2 Ultradistanzen. Ende Juni habe ich meinen ersten 100km Gebirgslauf erfolgreich gefinished. Wenn es die Zeit erlaubt, bin ich in den Alpen zum Bergsteigen, Skifahren, Klettern oder Ski- und Hochtouren gehen unterwegs. In Leipzig ist es dafür ein bisschen zu flach :).

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma, wo liegt Eure Superpower?

Unsere Superpower ist unsere Begeisterung für alles was online und bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mittlerweile 28 Mitarbeiter betreuen in 4 Teams unsere Kunden im Online Marketing. Die 4 Abteilungen sind dabei Suchmaschinenmarketing, Suchmaschinenoptimierung bzw. Content Marketing, Affiliate Marketing und Social Media Marketing & Advertising. Wir arbeiten jeden Tag daran, bei all diesen Themen ganz vorne mit dabei zu sein, probieren viel aus und haben damit seit über 7 Jahren unsere Lernkurve ziemlich steil gehalten. Unsere Philosophie ist es dabei, sehr offen und transparent zu arbeiten – wir sagen unseren Kunden auch, wenn wir von etwas nicht überzeugt sind und raten von Themen ab, auch wenn wir erst mal Geld damit verdienen könnten. Unsere Herausforderung sehen wir eher darin, aus den quasi monatlich größer werdenden Möglichkeiten im Online Marketing für unsere Kunden genau die auszusuchen, die für die Ziele und das zur Verfügung stehende Budget die besten Ergebnisse liefern. Das klappt meistens ziemlich gut und deswegen können wir uns nicht über Langeweile beschweren. 🙂

Wer ist Euer typischer Kunde?

Den gibt es gar nicht. Im SEA und Affiliate Bereich arbeiten wir viel mit Online Shops zusammen, während die Kundenbandbreite im SEO und Social Media sehr groß ist. Wir haben Kunden vom Startup bis zu großen Brands wie Sportscheck oder mydays, aus dem B2B Bereich, Tourismus, öffentliche Auftraggeber etc. pp. Was unsere Kunden aber tatsächlich gemeinsam haben, ist ihre Wertschätzung unserer Arbeitsweise, bei der Unternehmen und Agentur als Partner gemeinsam am geschäftlichen Erfolg arbeiten. Viele unserer Kunden betreuen wir schon seit Jahren und konnten da schon einige sehr schöne Erfolgsgeschichten begleiten.

Welche Eurer Social Media Kampagnen (oder Postings) war besonders erfolgreich? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren? 

Instagram Account der KoRo Drogerie, die sich auf den Verkauf von sogenannten Superfoods und Trockenfrüchten spezialisiert hat. Der Instagram Account soll sich klar von der Facebook Seite abheben – anderer Content, andere Bilder und vor allem Multiplikatoren stehen im Fokus der Strategie. Instagram-Nutzer sind offenbar besonders empfänglich für Themen wie gesunde Ernährung, denn nach nur einem Monat hatte der Account bereits 3.056 Follower und nach weiteren 2 Monaten 7.036. Heute sind es mehr als 9.500 Follower. Laut einer Studie des Social Analytics Anbieters Quintly erzielt ein Instagram Account mit einer Größe zwischen 1.000 und 10.000 Followern im Durchschnitt 148 Interaktionen – bei KoRo liegt diese Zahl bei 500 Interaktionen.

Was sind Eurer Meinung nach die Top 3 „Do´s and Don´ts“ fürs Facebook Marketing?  

Do´s:

Authentisch sein: Die Inhalte bei Facebook können nur so gut sein wie das Unternehmen, das dahintersteckt. Und das muss dann aber auch rüberkommen.

Konkrete Ziele verfolgen: Wer einfach nur ins Blaue hinein Inhalte postet, ist austauschbar und beliebig.

Sich etwas trauen: Social Media lebt von der Kreativität der Inhalte.

Don´ts:

Die Fans nicht ernst nehmen: Wer Community Management nur als lästige Pflicht betrachtet, hat das Medium nicht verstanden.

Unsouverän auftreten: Wer keinen Plan hat, wird panisch, wenn mal etwas schiefläuft – das endet schnell im Kommunikationsdesaster oder Shitstorm.

Langweilen: Es muss kein Cat Content sein, aber die Inhalte müssen Bedürfnisse der Zielgruppen befriedigen oder Probleme lösen.

Stell Dir vor, Du hättest 3 Wünsche frei, die Dir Mark Zuckerberg bzgl. Facebook erfüllen würde. Was wären die?

Eigentlich hab ich vor allem einen: Eine funktionierende Suche, die verhindert, dass Facebook ein alles verschlingendes schwarzes Loch für Content bleibt. Eine stabilere Performance wäre aber auch nicht verkehrt, vor allem mobil. Und die Möglichkeit, eigene Parameter für den Newsfeed-Algorithmus zur Sortierung der Inhalte anzugeben.

Social Media hat Kommunikation in den letzten Jahren stark verändert. Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Vieles hinkt der technologischen Entwicklung stark hinterher: Die Internet-Gesetzgebung, der Umgang der Menschen damit (Stichwort: Etikette bei der Smartphone-Nutzung) und somit auch der gesellschaftliche Rahmen inklusive der Erziehung der Kinder, die häufig viel intensivere Nutzer als ihre Eltern sind und dabei größtenteils auf sich selbst gestellt. Viele Regeln werden sich von selbst bilden, an einigen Stellen würde ich mir da aber mal eine deutliche Beschleunigung wünschen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Hier schlummern nach wie vor riesige Wachstumspotentiale, wobei Europa und speziell Deutschland an vielen Stellen noch sehr verschlafen daherkommt und amerikanische Geschäftsmodelle, Websites, Tools und Ideen den Markt dominieren. Ich wünsche mir, dass Europa da an Fahrt aufnimmt und für mehr Konkurrenz sorgt, denn die belebt ja bekanntermaßen das Geschäft.

Herausforderung für unseren Markt:

Die Online Marketing Branche ist gerade dabei, erwachsen zu werden und wird sich in den nächsten Jahren stark professionalisieren. Die Goldgräberei ist (glücklicherweise) vorbei, jetzt geht es darum, die Kunden souverän und seriös zu beraten und echten Mehrwert zu liefern. Ich wünsche mir noch viel mehr Transparenz und gut informierte Kunden, die wissen, worauf es ankommt, sodass unseriöse Anbieter einfach keine Chance mehr haben.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir arbeiten permanent an neuen Themen und testen, was für uns und unsere Kunden sinnvoll sein könnte. Dabei müssen wir immer den Spagat zwischen Innovation und Verzetteln hinkriegen, Rückschläge gehören dabei dazu. Ich sehe als größte Herausforderung, aber gleichzeitig auch Chance, dass wir immer in Bewegung bleiben müssen und uns auf nichts ausruhen können.

Meine persönliche Herausforderung:

In Bewegung bleiben kann ich sehr gut aber je größer das Team wird, desto komplexer auch die Aufgabe, dabei alle mitzunehmen und dennoch sehr gute Arbeit für unsere Kunden abzuliefern. Aber man wächst ja mit seinen Herausforderungen. 🙂

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst 

www.farnamstreetblog.com. Der einzige Nachteil: Die eigene Bücherliste wird dort bei der Lektüre immer länger.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat 

„Rework“ von 37signals Gründer Jason Fried hat mich sehr inspiriert. Darin stehen viele kleine Erkenntnisse, die auf den ersten Blick häufig banal wirken, aber bei näherer Betrachtung im Alltag sehr oft vernachlässigt oder ignoriert werden. Da muss man sich regelmäßig den Spiegel vorhalten, um auf Kurs zu bleiben. Das kurze knackige Format hilft dabei. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Management-Büchern hat dieses auch keinen Anspruch, den Leser zu belehren oder zu bekehren, sondern berichtet „nur“ von den Erkenntnissen aus dem eigenen Unternehmen. Awesome!

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Immer wieder richtig gut ist die SEO Campixx, vor allem aufgrund des wirklich guten Austausches der Teilnehmer untereinander. Meine beste Session dieses Jahr war eine zum Thema Trello, bei der der Referent nicht auftauchte und die Teilnehmer das ganze kurzerhand selbst übernommen haben.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Trello geworden, das ich sowohl für meine eigene Organisation nutze als auch für immer mehr Prozesse in der Agentur.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich würde wirklich sehr gerne mal mit Mark Zuckerberg einen Kaffee trinken und mir seine Welteroberungspläne anhören. Ich glaube, da liegt noch so einiges in der Schublade…