Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Sören Frost – Gründernest

Sören Frost GründernestWer ist Sören Frost? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Gründernest und unterstütze Gründer bei der Geschäftsmodellentwicklung. Ich habe mehrfach selbst gegründet und bis heute mehr als 200 Gründungsprojekte begleitet. Man sagt mir nach, dass ich dabei oft die richtigen Fragen stelle, auch mal den Finger in die Wunde lege. Und es fällt mir dabei leicht, mehrere Rollen einzunehmen – je nachdem, was der Gründer gerade braucht, bin ich Berater, Marketingmensch, Kreativer oder Gründer.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ein Spleen, den ich selber schon nicht mehr als Spleen sehe, sondern zu einer Einnahmequelle umfunktioniert habe ist: Ideen einfach umsetzen – auch mit dem Risiko zu scheitern. Die Frage „Schaffst Du das?“ ist dabei die Haupttriebfeder. Die Devise „einfach machen“ wurde so zu meinem Lebensmotto und die Herangehensweise immer professioneller. Ich bin daher ein ziemlich unruhiger Geist, immer auf der Suche nach Herausforderungen und gebe mich nie mit irgendetwas Bestehendem zufrieden. Denn ich finde, man kann immer etwas besser machen. Für mich ist es eine Qual, wenn ich nichts zu tun oder zu denken habe, ich brauche einfach dieses ständige Optimieren – und das spiegelt sich ja auch in dem, was ich tue, wider. Als Gegenpol dazu brauche ich meine Familie um mich und ein Zuhause, wo die Menschen sind, die ich liebe

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Gründernest hat mit der Geschäftsmodell-Entwicklung einen ganz klaren Fokus, denn das ist einfach meine Stärke. Oft kommen die Gründer in einer sehr frühen Phase zu mir, haben nur eine vage Idee von dem, was sie machen wollen. Wir lassen diese Ideen in unserer Zusammenarbeit gemeinsam reifen, entwickeln daraus ein Angebot und ein funktionierendes Geschäftsmodell. Ich will, dass meine Gründer erfolgreich werden und ihre Risiken überschaubar bleiben. Deswegen reite ich – zum Leidwesen einiger meiner Gründer – auch sehr stark auf Prototyping und Zielgruppentests herum.

Hinzu kommt: alle Berater, mit denen ich bei Gründernest zusammenarbeite, haben selber gegründet, das ist für mich Grundvoraussetzung. Denn es gibt nun mal während einer Gründung Dinge, die man sich nicht anlesen kann, die man nur fassen kann, wenn man sie selber durchgemacht hat. Jeder Gründer kommt an einen Punkt, an dem ihm ein „normaler“ Berater nicht weiterhelfen kann. Dann sind andere Gründer gefragt und deren Erfahrungen aus dieser Phase.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Von 1997 bis 2008 habe ich zusammen mit meiner damaligen Kommunikationsagentur visuReal begleitet – von der ersten Idee über die internationale Markteinführung bis zur Marktführerschaft. Es ging dabei um eine echte Innovation im Bereich der Augenoptik. Denn bis dahin wurden bei einer Brille die Bereiche, die geschliffen werden sollten, per Hand vom Optiker aufs Glas aufgezeichnet. In 60% der Fälle ist das aber nicht der optimale Bereich. Also hat sich ein Ingenieur überlegt, wie man diese Vermessung durch sog. Videozentrierung genauer machen kann – und zwar auf den Zehntelmillimeter genau. Er hat ein solches Gerät in seiner Garage entwickelt, jahrelang getestet und schließlich von Deutschland bis Australien an den Markt gebracht. Als das Unternehmen 2009 30 Mitarbeiter hatte, ist der weltweit größte Brillenglashersteller HOYA eingestiegen. Mittlerweile sind solche Videozentriergeräte bei den meisten Optikern Standard.

Das Beispiel zeigt, wie man aus dem starken Antrieb heraus, etwas besser zu machen, sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was ist, eine echte Innovation schaffen kann, die heute Millionen Menschen dabei hilft, besser zu sehen.

Zu diesem Erfolg haben wir sicher auch mit ungewöhnlichen Marketing- Ideen beigetragen. Wir haben einfach immer alles anders als die anderen gemacht, um aufzufallen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Gestandene Unternehmen werden in den kommenden Jahren noch stärker in Wettbewerb mit Startups stehen, die mit Kreativität echte Innovationen schaffen und die durch disruptive Geschäftsmodelle ganze Branchen umkrempeln. Startups entwickeln einfach ohne Scheren im Kopf ganz neue IT-gestützte Prozesse und Dienstleistungen. Es kommt also darauf an, dass alteingesessene Unternehmen das kreative Potential, das in ihren Mitarbeitern, Kunden und Partnern schlummert, heben. Dazu müssen die meisten aber erst einmal ein vertrauensvolles Klima der Innovation schaffen, bei dem Kreativität möglich und erwünscht ist. Das bedeutet nämlich den Mut zu haben, Bestehendes grundlegend zu hinterfragen, etablierte Prozesse auf den Kopf zu stellen, neue Perspektiven einzunehmen und zuzulassen. Eine solche Kultur ist für die meisten Manager alles andere als selbstverständlich. Aber sie ist essentiell, um auf dem Weg zur Digitalisierung nicht abgehängt zu werden.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich ärgere mich regelmäßig, wenn eine App oder eine Seite abstürzt, kurz bevor ich einen Kauf oder eine Buchung beenden konnte. Aber ich bin auch jeden Tag dankbar für dieses Internet, denn so habe ich meine Frau kennengelernt 😉

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Meine eigene Skalierbarkeit! Ich habe viel zu wenig Zeit für die vielen Dinge, die ich gern tun möchte. Wer sich also mit Klonen oder anderen Techniken beschäftigt, kann auf mich als Versuchsperson zählen 😉

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

brand eins. Weil die Artikel einen echten Mehrwert haben, ich hier wirklich Wissen rausziehen kann und es trotzdessen, dass es ein Fachmagazin ist, Spaß macht, sie zu lesen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Da ich viel lese, aber meist Gedrucktes, muss ich hier passen.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Ich lese etwa 50 Fachbücher im Jahr, davon sind viele inspirierend. Es fällt mir schwer, eines herauszuheben. Aktuell lese ich „Senkrechtstarter“ von Rolf Schmiel. Es geht dabei um Motivationspsychologie und wie man negative Emotionen, Frust und Niederlagen in konstruktive Bahnen lenkt, so dass sie einen beflügeln. Wer wissen möchte, mit welchen Methoden man verdrängte Ressourcen am besten anzapfen kann, dem sei dieses Buch empfohlen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Um mich selbst weiterzubilden, besuche ich Seminare, Veranstaltungen sind für mich eher zum Netzwerken da. Ich selbst versuche aber immer bei den Veranstaltungen, die ich selbst organisiere, Wissen weiterzugeben. Bei meinem Gründerfrühstück lade ich daher immer Gäste zu Themen ein, die ich für relevant für Gründer halte. Abgesehen davon nutze ich Weiterbildungen gern zur Akquise, das kann ich wirklich empfehlen. Einfach mal ein paar schlaue Fragen stellen und die anderen Teilnehmer kommen von ganz allein auf Dich zu.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Remember the milk, das ist mein Ideenspeicher und meine Aufgabenverwaltung in einem. Nicht perfekt, aber bisher das einzige Tool welches kontinuierlich bei mir zum Einsatz kommt.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Zusammenarbeiten ist schwierig, da es einige gibt, die ganz spezielles Wissen bzw. Erfahrungen haben. Inspiriert haben mich jedenfalls Unternehmercoach Stefan Merath mit seinem Ansatz, immer von der Kundenperspektive auszugehen, Extremsportler Dean Karnazes wegen seiner Hingabe und Willensstärke und der Erfinder und Querdenker Thomas Alva Edison.

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