Interview
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Interview mit Vera Semrau -Semrau Kommunikation

Vera Semrau Semrau KommunikationWer ist Vera Semrau? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich gehörte zu den Kindern, die schon früh wussten, was sie werden wollten: Nicht Tierärztin oder Reitlehrerin, sondern Journalistin! Nach einem Schülerpraktikum war ich angefixt und blieb mehrere Jahre freie Journalistin bei einer Tageszeitung, finanzierte damit mein Studium der Germanistik und Medienwissenschaften. Doch während eines Praktikums in der Unternehmenskommunikation eines internationalen Konzerns wurde mir klar: Für Wirtschaftsunternehmen und Unternehmer kommunizieren, selbst das öffentliche Meinungsbild gestalten, anstatt nur darüber zu berichten, das war „mein Ding“. Also lernte ich nach dem Studium in großen Agenturen das PR-Handwerk, wechselte dann ins Unternehmen. Nach Jahren auf beiden „Seiten“ bin ich heute mit meiner eigenen PR-Agentur sehr zufrieden.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Zugegeben, ich bin ein Apple-Victim im Endstadium. Meine neueste Errungenschaft ist das iPad Pro, mit dem ich – natürlich nur streng beruflich – einige Zeit verbringe. Es tröstet mich etwas darüber hinweg, dass ich vor ein paar Wochen mein brandneues iPhone 6S während eines Meetings mit einem verschütteten Glas Wasser unwiderruflich in die ewigen Apple-Jagdgründe geschickt habe. Eine echte Tragödie!

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Semrau Kommunikation ist eine junge Full-Service-PR-Agentur (Gründungsjahr: 2012), mein Team und ich sind dagegen „alte Hasen“ mit langjähriger PR-Erfahrung. Bei uns steht die Einzigartigkeit des Kunden und seiner Kommunikationsaufgabe an erster Stelle.

Als PR-Manufaktur für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing-Kommunikation bieten wir nur maßgeschneiderte Lösungen an. Wir arbeiten nicht mit Baukastensystemen von der Stange, sondern entwickeln für jeden Kunden genau das, was er braucht und was zu ihm passt. Unser Agentur-Kernteam ergänzen wir je nach Aufgabenstellung um kompetente Netzwerkpartner aus unterschiedlichsten Kommunikationsdisziplinen. Das hat viele Vorteile für unsere Kunden und für uns: Effiziente Kostenstrukturen und flache Hierarchien ermöglichen unbürokratisches, flexibles Arbeiten und kurze Entscheidungswege.

Semrau Kommunikation steht aber nicht nur für Branchenwissen und Erfahrung, sondern vor allem für Öffentlichkeitsarbeit aus Leidenschaft. Das ist unsere Basis für erfolgreiche Kommunikation in einer immer komplexeren Unternehmenswelt.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Nach dem Motto „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ wollte der Impfstoffhersteller Novartis Vaccines zusammen mit der Patientenselbsthilfegruppe „Gemeinsam gegen Meningokokken“ anlässlich des Welt-Meningitis-Tages 2013 junge Eltern auf diese schwerwiegende Infektion hinweisen. Die Herausforderung: Eine Krankheit, von der vergleichsweise wenig Menschen betroffen sind, abseits der üblichen Statistiken und Warnungen zu kommunizieren. Man entschied sich für ein starkes Bild als Herzstück der PR-Strategie. Das Bild musste ästhetisch anspruchsvoll und berührend sein, sollte aber keine schockierende Wirkung haben. Dazu wurde zwei Tage vor dem Welt-Meningitis-Tag eine Installation aus 465 Teddybären in weißen Bettchen – symbolisch für die jährliche Anzahl der Krankheitsfälle in Deutschland  – und 50 weiße Hohlkreuze, die die Todesfälle repräsentierten, auf einem zentralen Platz in München errichtet. Passanten konnten die Installation „erlaufen“, die zum Vor-Ort-Termin gebetenen Journalisten sorgten mit ihren eindringlichen Bildern der „kranken“ Teddys für große press coverage und damit bundesweite Aufmerksamkeit.

Diese PR-Kampagne hat mich besonders fasziniert, weil sie zeigt: Gute PR basiert nicht nur auf Worten. Starke Bilder können oft viel besser und passender auf sensible Themen hinweisen. Allerdings funktioniert das nur mit professionellen Bildern von originellen PR-Motiven, die eine entsprechende Bildaussage transportieren. Foto ist eben nicht gleich Foto!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Big Data & Co. ermöglichen heute auf der einen Seite neue innovative Geschäftsmodelle, die früher undenkbar waren. Dem entgegen steht unser überzogenes Datenschutzrecht. Beides in eine vernünftige Balance zu bringen, ist aus meiner Sicht eine zentrale Herausforderung für Staat und Gesellschaft.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Start-ups mit tollen Geschäftsideen sollten selbstverständlich auch in Zukunft eine Chance haben, diese zu verwirklichen. Das kann aber nur klappen, wenn die Netzneutralität erhalten bleibt und nicht zugunsten weniger finanzstarker Player geopfert wird.

Herausforderung für unseren Markt:

In der täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass besonders in mittleren und kleine Unternehmen Social Media-Aktivitäten nicht strategisch geplant und nur unregelmäßig durchgeführt werden. Hier gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten und Kunden gezielt dahingehend zu beraten, wie sie ihre Social Media-PR professionalisieren und damit erfolgreicher machen können.

Herausforderung für unsere Firma:

Aus meiner Sicht hat man als Gründer hier in Deutschland enorm viele administrative Pflichten. Diesen Verwaltungs-Overhead tagtäglich zu bewältigen und trotzdem genug Zeit für die eigentliche Kundenarbeit zu finden, sehe ich für mich und meine Agentur als permanente Herausforderung an.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Wenn Trittbrettfahrer ohne eigene Ideen das Netz verstopfen, zum Beispiel mit Spam-Mails, ärgert mich das. Dagegen gibt es zum Glück immer wieder kreative Start-ups, die mich mit ihren Online-Geschäftsideen begeistern.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.netzoekonom.de.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

https://www.ted.com/ an. Hier kann man einerseits beste Rhetorik „live“ erleben und erhält andererseits spannende, hochinteressante Einblicke in unterschiedlichste Themenbereiche, auch aus dem Bereich Netzwirtschaft.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Der Roman „Blackout“ von Marc Elsberg ist ein fesselndes, realistisches Werk darüber, welche Konsequenzen ein flächendeckender Stromausfall tatsächlich für Menschen und Umwelt hätte.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Die IHKs im Rheinland richten – jedes Jahr in einer anderen Stadt – den „e-MarketingDay“ aus. Hier habe ich in den letzten Jahren schon interessante Stunden und spannende Diskussionen mit unterschiedlichen Experten rund um das Thema „e-Marketing“ verlebt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Natürlich mein Iphone …

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit dem aus meiner Sicht besten weil universal gebildeten Experten, der mich in meiner täglichen PR-Arbeit mit viel Business-Erfahrung inhaltlich und moralisch unterstützt, arbeite ich zum Glück regelmäßig zusammen. Mein Mann Michael, Diplom- Informatiker, hat früher selbst einige Jahre als freier Journalist gearbeitet. Als IT-Manager eines DAX-Konzerns betreibt er täglich Öffentlichkeitsarbeit nach innen und außen, hat das „1×1“ der Unternehmenspolitik mehr als nur verinnerlicht und ist mir der beste Ratgeber, den ich mir wünschen kann.

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