Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Ulrich Bunsmann – Radioscreen

Ulrich Bunsmann RadioscreenWer ist Ulrich Bunsmann? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Radioscreen, einem Start-up, das Radio zu einem relevanten Player im Mobil-Marketing machen soll.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ob das Spleens sind? Zum einen stehe ich auch bei Wind und Wetter bei meinem kleinen Kreisliga-Fußballverein als Vorstandsmitglied und Zuschauer auf dem Platz, andererseits habe ich im Sommer noch mal ein Fernstudium aufgenommen, um auch jenseits des Business was für den Kopf zu tun.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Sozusagen als Basis programmieren wir Smartphone-Apps für Radio-Sender. Das klingt zunächst mal unspektakulär. Der Clou an der Sache ist, dass wir dabei eine völlig neue audio-visuelle Ebene in die Radio-Werbung bringen, indem wir den klassischen Audio-Werbespot zeitsynchron mit einer Bild-Werbung in der App des Senders verbinden und damit verbunden die Werbung auf dem App-Bildschirm auch noch interaktiv machen. Wenn man denn von Superpower sprechen will, dann liegt die darin, dass die hier angewendete Technologie fast unbegrenzte Möglichkeiten der Weiterentwicklung bietet, wo immer Audio ins Spiel kommt: im Kino, im Store, bei einem Event oder Konzert oder z.B. auch bei Video on Demand.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Bei so einer Frage kann man ja schon fast philosophisch werden, nach dem Motto: Die Netzwirtschaft als Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil so Vieles, auch Bewährtes verschwindet, Segen, weil sich eben auch viele neue Möglichkeiten auftun. Das kann man vielleicht am besten an der Arbeitswelt zeigen: Der Verlust von Arbeitsplätzen durch effektivere Verfahren, die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, die drohende Absenkung sozialer Standards durch die wachsende internationale Konkurrenz – dieser Fluch kann nur zum Segen werden, wenn es der Gesellschaft gelingt, die frei werdenden Ressourcen wirklich zur Entwicklung neuer Lebens- und Arbeitsmodelle zu nutzen statt zur weiteren Akkumulation privaten Reichtums bei wenigen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Im Wesentlichen 2 Punkte: Eine vernünftige Regulierung, die Auswüchse beschneidet, ohne die Entwicklung in unheilvoll bekannter deutsch-europäischer Bürokratie zu ersticken, und: Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung!

Herausforderung für unseren Markt:

Privates Radio in Deutschland ist bisher durch die Digitalisierung weitestgehend unbeschadet geblieben und ein nach wie vor recht erfolgreiches Geschäftsmodell. Deswegen dient es seinen Gesellschaftern, sehr häufig regionalen Zeitungsverlagen, oft mehr als Cashcow denn als strategisch zu entwickelnder Zweig der Medien-Industrie. Entsprechend stehen dann das Controlling und der Kostendruck mehr im Fokus als die Produktentwicklung. Es spricht wenig dafür, dass ein so konservativer Angang auf Dauer funktionieren wird. Vice versa besteht die Herausforderung darin, den privaten Radio-Markt innovationsfreudiger zu machen und das Investitions- und Innovationstempo zu erhöhen.

Herausforderung für unsere Firma:

Ganz einfach: So schnell wie möglich viele Partner zu finden, mit denen wir Use Cases und Erfolgsgeschichten für unsere neue Technologie entwickeln können. Mit unseren eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten das Entwicklungstempo halten und möglichst steigern. Strategische Partner für eine internationale Weiterentwicklung finden.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Die Unzahl neuer Dinge und Möglichkeiten freut mich jeden Tag genauso, wie ich an der unglaublichen Dummheit vieler Äußerungen in den sozialen Medien täglich immer wieder verzweifele.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.radioforen.de : Da muss man die nützlichen Informationen oft aus einem Wust von Vorurteilen und Besserwissereien herausfiltern.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Neue Spielregeln für mobile Werbung. 221 x am Tag schaut ein Nutzer auf sein Smartphone – ein Traum für App-Entwickler

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Steve Krug, Don’t make me think. Und sei es nur der Titel als ewiger Reminder.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Sorry, die meisten Veranstaltungen, Kongresse usw., die ich besuche, bringen nicht wirklich etwas Neues. Ganz inspirierend ist z.B. immer wieder die Social Media Week (die nächste in meiner Nähe ist vom 22. – 26. Feburar 2016 in Hamburg).

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ist das schon traditionell? Textvearbeitung, E-Mail, Suchmaschine, Kalkulationsprogramm – für die direkte Technologie-Entwicklung bin ich einfach nicht zuständig.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Am meisten gelernt habe ich von 2 Radio-Profis: Ad Roland aus den Niederlanden und Bill Clemens aus Australien. Vom einen, wie man ein besseres Radio-Programm macht, vom anderen, wie man Hörer-Märkte analysiert. Und dazu noch ein Buch, auch wenn es schon etwas älter ist: Al Ries & Jack Trout, Positioning – wie erreicht man media-skeptische Menschen.

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