Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Gerrit Grunert – Crispy Content

Gerrit Grunert Crispy ContentWer ist Gerrit Grunert? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Crispy Content, einer Content Marketing Agentur aus Berlin. Ich kümmere mich hier um die Weiterentwicklung unserer Marketing Services, den Vertrieb und die Unternehmenssteuerung.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich spiele gern Gitarre. Ich spiele schon mein ganzes Leben lang, in meinen 20ern etwas ruppiger und elektrisch, mittlerweile akustisch mit einem Faible für Delta Blues, Jazz und Jamaican Ska, eine krude Mischung…

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir entwickeln, produzieren, managen und vermarkten digitale Inhalte, um für unsere Auftraggeber die Sichtbarkeit und die Markenwahrnehmung zu steigern, neue Kunden zu gewinnen, diese weiter zu entwickeln und so den Umsatz zu steigern. Wer uns beauftragt, steigert seinen Umsatz.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Alle Unternehmensbereiche sind bei uns voll digital transformiert, bis auf den Drink an unserer agentureigenen Minibar, der ist traditionell eine höchst physische Angelegenheit.

Wir haben als letztes unseren Vertrieb digitalisiert, Stichwort Inbound Marketing. Früher habe ich Messen besucht und war oft bei potenziellen Kunden, die am Ende noch gar nicht bereit für unsere Services waren. Hinzu kamen saisonale Schwankungen, die das Geschäft nicht stabil erschienen ließen.

Wir haben uns deshalb des Themas Inbound Marketings angenommen. Das heißt bei uns:

Suchmaschinenoptimierten relevanten Content produzieren, veröffentlichen und vermarkten, z.B. in sozialen Netzwerken, per Gastbeitrag oder als Native Advertisement

Nutzer von dort auf die eigene, maßgeschneiderte Seite holen und mittels weiterer Inhalte wie Ebook-Downloads etc. qualifizieren

Den qualifizierten Nutzer im richtigen Moment aktiv kontakten und mit dem passenden Angebot versorgen

Hinter Worten wie „suchmaschinenoptimiert“, „relevant“, „maßgeschneidert“, „qualifiziert“ und „passend“ steckt nichts anderes als die Interpretation von Nutzerdaten und deren Verwendung in Marketing-Automation-Umgebungen. Nun kommen die „richtigen“ Kunden von allein. Wir haben es damit geschafft, unser Geschäft nicht nur zu stabilisieren, sondern innerhalb eines Jahres unseren Umsatz zu verdoppeln.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Der Datenschutz. Ich arbeite in automatisierten Umgebungen und bin immer wieder überrascht, wie Daten, die händisch von mir eingepflegt werden, im nächsten Moment mit weiteren Daten und Bildern, und zwar den richtigen, automatisiert angereichert werden. Ich möchte nicht darauf verzichten, aber wohl fühle ich mich dabei nicht.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich bin aus privaten Gründen immer wieder in Sachsen-Anhalt auf dem flachen Land zu Gast. Dass ich damit automatisch offline bin, passt nicht ins Jahr 2015. Wohin soll sich das Bundesland mit dem geringsten Wirtschaftswachstum Deutschlands (Stand 2014) eigentlich entwickeln? Industriestandort wird es ganz sicher so nicht mehr…

Herausforderung für unseren Markt:

Das Thema Content Marketing wird in Deutschland seit einigen Jahren inflationär gespielt, es wird immer schwieriger, zwischen all dem Spam tatsächliche wertvolle Informationen zu finden. Die Kunden sollten ihren Content-Marketing-Dienstleister ganz gezielt nach harten Performance-Zielen fragen, schließlich wollen die auch mit echtem Geld bezahlt werden.

Herausforderung für unsere Firma:

Personalbeschaffung. Um unser Wachstum sicherzustellen, benötigen wir kontinuierlich qualifiziertes Personal. Da der Bereich Content Marketing sehr unscharf definiert ist und die Universitäten ihr übriges nicht tun, haben die Bewerber sehr unterschiedliche Profile, meist sind sie unvollständig. Unser Wunschmitarbeiter muss Redakteur, Analyst, Marketer und Kleinunternehmer in Personalunion sein. Ich weiß, dass es solche Mitarbeiter gibt, sie arbeiten bereits bei uns. Ich brauche nur mehr davon!

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert: Hasskommentare zur Flüchtlingsdebatte.

Gefreut: die ständige Verfügbarkeit von Inhalten im Allgemeinen, „Teletubbies“ im Speziellen – letzte Nacht, als ich meine Tochter beruhigen musste.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

https://blog.bufferapp.com/), auch wenn ich nicht so häufig zum Lesen komme.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

zum Download gibt.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ich kann immer wieder die Workshops der Gründerszene empfehlen, dort war ich schon oft zu Gast und habe immer etwas dazu gelernt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

HubSpot

Von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Tom Kedor, Geschäftsführer von Motortalk. Ich habe mir viel von seiner Vortragsweise abgeschaut: die Trennung von „Bild-und Tonspur“, Progressive Revealing, die Fokussierung auf die Bedürfnislage des Zuschauers usw.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.