Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Thomas Praus – PANORAMA3000

Wer ist Thomas Praus? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

PANORAMA3000. Wir kümmern uns um den digitalen Wandel und helfen Unternehmen und Organisationen, ihn positiv zu gestalten. Das vor allem im Bereich Kommunikation und Marketing, mit viel Beratung, Strategie und Konzept, aber auch mit konkreten Ideen, Content und Kampagnen.

Stylewalker.net gestartet, Online-Wahlkampf gemacht, das Startup „Trabayo“ gegründet und Bücher zu Organisationsidentität, Social Media und Public Relations geschrieben.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Schallplatten. Ich habe sehr viele im Regal und die behalte ich auch trotz Streaming. Ich finde sie schön und sie erinnern mich an die Zeit, als ich noch als DJ die Clubs der Welt erobern wollte. Sie kommen jetzt nur noch selten zum Einsatz, dafür ist der Kräutergarten auf dem Balkon wichtiger geworden. Das ist wahrscheinlich eine ganz normale Entwicklung, wenn man älter wird.

Elevator Pitch! Was macht PANORAMA3000? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die Superpower ist unsere Gelassenheit. Wir lassen uns nicht verrückt machen, und das raten wir auch unseren Kunden. „Weitblick für das Wesentliche“ ist unser Motto. Das heißt, die Zukunft im Blick haben, aber nicht jedem Hype hinterherlaufen. Die Entwicklungen im Digitalen scheinen rasant, die Unternehmen kommen nicht hinterher und brauchen Berater wie uns, die das Ganze einordnen. Sie sind dann sehr dankbar, wenn jemand mal den Alarm ausstellt.

Im aufgedrehten Agenturmarkt ist es auch für uns als Team wichtig, gelassen und furchtlos zu bleiben. Ausprobieren, Fehler machen, daraus lernen, weitermachen. Nur durch Gelassenheit kann man eine Fehlerkultur im Unternehmen etablieren, die man braucht, um sich ständig weiter zu entwickeln.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben die Traditionsfirma STIHL, bekannt für seine Motorsägen, ins Social Web gebracht und begleiten sie seit mehreren Jahren auf ihrem Weg durch den digitalen Wandel. Das ist sicher unser umfassendster Case. Wir haben das sehr gut vorbereitet, Interviews geführt, viele Dokumente erstellt, bevor irgendetwas zu sehen war und dabei immer global gedacht. Inzwischen haben wir an die 40 Länder in Social Media begleitet und integriert, interne Netzwerke angeschoben, tolle Filme gedreht, Digitalstrategien entwickelt, zahllose Kampagnen begleitet und Vorschläge für neue Strukturen gemacht.

https://www.youtube.com/watch?v=GaP5ua8h4KQ) und den hohen Anspruch an Beratung und Servicequalität auch in den sozialen Medien umzusetzen. Dafür gab es dann auch viele Preise und das macht uns natürlich sehr stolz.

Und es geht immer weiter, das Digitale wächst auch immer weiter in das Unternehmen hinein, von Produkten, zu Marketing zu E-Commerce bis zum Service und das auf allen Ebenen und auf in allen Märkten. Es ist eine Menge los und zu tun!

Zum Journal „Dax Digital“.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Das Verrückte ist ja, dass alle denken, Digitalisierung und Automatisierung würden Jobs kosten. Aber für die Kommunikation gilt das überhaupt nicht. Mehr Kanäle, mehr Möglichkeiten, das hohe Innovationstempo, da braucht eigentlich jede Marketingabteilung mehr Mitarbeiter. Und auch die Automatisierung in der Mediaplanung schafft wieder eine neue Komplexität, die gesteuert werden muss. Die Herausforderung ist also, das den Unternehmen verständlich zu machen und dann natürlich auch die entsprechenden Talente dafür zu finden. Und für die dann eine Arbeitswelt zu schaffen, die attraktiv ist. Das finde ich höchst relevant, denn was flexible Arbeit, Familienfreundlichkeit, Abwechslung, Entwicklungschancen, Mitbestimmung, Teilhabe tatsächlich bedeuten, haben die wenigsten Unternehmen verstanden.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet hat einmal Utopien genährt und für Zuversicht gesorgt, wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich. Bildung für alle, eine gleichberechtigte Stimme im politischen Diskurs, Transparenz und Informationsfreiheit haben wir uns erträumt. Was dann in den letzten Jahren passierte, ist dann doch eher deprimierend. Desinformation, staatliche Überwachung und ungehemmten Hass hat das Internet eben auch ermöglicht und groß gemacht.

Das ist schade und man muss aufpassen, dass man sich die Freude an den Möglichkeiten nicht nehmen lässt. Diese Freude spüre ich aber immer noch in aufregenden Momenten, in denen neue Ideen spürbar werden, wie z.B. vor Jahren der erste Livestream mit Lieblings-DJs von Boilerroom, gemeinsam online Musik machen, das erste Mal eine VR-Brille ausprobieren oder einen interessanten Text von jemandem lesen, der mir eine ganz neue Sicht auf die Welt öffnet. Und das kommt immer noch vor.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Am Flughafen nehme ich mir immer „Der Mittelstand“ oder „Der Einkäufer“ mit. Da lernt man dann zum Beispiel, dass man zu Verhandlungen gerne in einen unterkühlten Raum gesetzt wird, damit man schnell wieder raus will. Krass! Die ganzen News über Kampagnen, Startups, Technologie und so weiter bekomme ich ja sowieso über Twitter, Facebook und Newsletter mit, unter anderem die Netzwirtschaft, also freue ich mich manchmal über eher schräge Themen und Nischen.

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

The Dark Secret at the Heart of AI”

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„The Tipping Point“ von Malcom Gladwell finde ich nach wie vor großartig.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Trello. Das Interessante ist, dass sich die beiden auch sehr organisch bei uns durchgesetzt haben. Wir haben das in einzelnen Teams eingeführt und getestet und jetzt wollen es alle haben.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Scott Galloway, Professor an der NYU. Ich hätte da gerne studiert, habe es dann aber doch nie probiert, ein Stipendium zu bekommen. Das wäre eine kleine Art der Wiedergutmachung. Außerdem ist er ein sehr unterhaltsamer Sprecher und Experte für Marketing und Digitalisierung. Ich denke, wir würden uns gut verstehen.