Interview
Die Forschungsassistenten

Interview mit Stephan Czysch – Trust Agents

Wer ist Stephan Czysch? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Wer über meinen Nachnamen gestolpert ist: Ausgesprochen wird er Zisch. Wie beim Öffnen einer Sprudelwasserflasche 🙂
Ausgestattet mit theoretischen wie praktischen Erfahrungen im Online-Marketing bin ich 2009 zu Rocket Internet gestoßen und seitdem Wahlberliner. Nach und nach kam eins zum anderen: über Anstellungen bei Rocket-Beteiligungen gründete ich Anfang 2012 mit zwei damaligen Kollegen die Online-Marketing Agentur Trust Agents. Mittlerweile sind wir auf knapp 70 internationale Mitarbeiter angewachsen und seit Anfang des Jahres Teil von DEPT.

Privat verbinde ich Fotografie mit regelmäßigen Reisen, von Kurztrips über mehrwöchige Touren durch Asien. Dazu vermittle ich gerne mein Wissen und von Zeit zu Zeit an meinem ehemaligen Fachbereich als Lehrbeauftragter aktiv und bilde die Online-Marketeer von morgen mit aus.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Meine Sitzpositionen dürften für den ein oder anderen Schmunzler sorgen: Mal auf den Knie, mal im Schneidersitz und selten ganz normal. Oder ich stehe und wechsle regelmäßig mein Standbein.

Dazu kommt, dass beim Nachdenken immer etwas in der Nähe meiner Finger sein muss. Entweder trinke ich dabei zum wiederholten Male meine Wasserflasche leer, oder spiele mit meinem Fidget Cube oder Stiften.

Elevator Pitch! Was macht Trust Agents? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Gestartet sind wir als SEO-Spezialisten mit dem Fokus auf Webshops. Mit und an der Nachfrage sind wir gewachsen: heute decken wir zusätzlich die bezahlte Websuche, Marketing Intelligence und alles rund um das Thema Content ab, von der Konzeption über die Erstellung hin zur Distribution.

Ein partnerschaftliches Verhältnis zu unseren Kunden ist uns wichtig und ist zugleich der entscheidende Erfolgsfaktor. Viele Kunden bleiben uns lange treu und empfehlen uns weiter. Dazu hilft uns, dass wir ein sehr gutes technisches Verständnis mitbringen. Das erleichtert an vielen Stellen die Problemlösung und vereinfacht die Absprache mit IT-Abteilungen des Kunden.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Besonders in der Anfangszeit haben wir viel Zeit und Energie darin investiert, unsere Marke durch Fachartikel & Vorträge aufzubauen. Publiziert haben wir nicht nur auf unseren eigenen Kanälen, sondern nutzten zusätzlich die Reichweite bestehender Angebote. Wir haben viel direkt anwendbares Wissen geteilt und sind auch dadurch zu zwei Buchverträgen gekommen. Das hat uns geholfen, unsere fachliche Positionierung zu stärken.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderungen für die Netzwirtschaft:
Die Nachfrage nach Spezialisten liegt deutlich über dem vorhandenen Angebot. Sowohl auf technischer Seite, als auch im (Online-)Marketing. Das macht es besonders für kleine Unternehmen immer schwieriger, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen und diese langfristig für das Unternehmen zu begeistern. Der zunehmende Grad an Professionalisierung und Spezialisierung macht es den mit entsprechendem Know-How ausgestatteten Unternehmen leichter, vorhandene Traffic-Kanäle effizienter zu bedienen und dadurch Größenvorteile zu erzielen.

Ich bin gespannt zu sehen, wie sich Unternehmenskulturen verändern. Viele heutige Abteilungsleiter der Online-Marketingkanäle sind in jungen Jahren vor allem aufgrund der fachlichen Eignung in die jeweilige Position gekommen. Das macht einen allerdings nicht automatisch zu einem guten Manager. Hier könnten Konflikte drohen.
Dazu steht noch in den Sternen, wie die regelmäßige Internetnutzung in einigen Jahren aussehen wird. Wie funktioniert Online(-Marketing), wenn es weniger Bildschirmflächen gibt, einfach weil es weniger Devices mit Display gibt? Was bedeutet das für die Trafficströme? Oder verschmelzen online und offline durch Augmented Reality miteinander und es bieten sich neue Kontaktflächen?

Herausforderungen für unseren Markt:
Nachfrage sehe ich weiterhin genug im Markt. Die Herausforderung dürfte für viele Unternehmen vor allem darin liegen, genügend Talente für sich zu begeistern und diese zu halten.
Viele klassische Unternehmen hinken der Digitalisierung weiter hinterher und versuchen verstärkt, selbst die notwendigen Kompetenzen durch Abwerbungen aufzubauen. Die fachliche Einschätzung ist dabei allerdings gar nicht so leicht, denn Titel und Ränge in (jungen) Unternehmen sind so inflationär verteilt worden, dass diese nicht immer als Indikator für eher klassische Hierarchien taugen.

Herausforderung für unser Unternehmen:
Diese dürften sich mit denen des Marktes decken. Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir durch Weiterempfehlungen und eingehende Anfragen kontinuierlich wachsen. Für uns besteht die Herausforderung darin, mit der zusätzlichen Nachfrage schrittzuhalten, unsere Lösungen, Strukturen und Prozesse weiterzuentwickeln und das zu bewahren, wofür wir stehen: Ein verlässlicher, auf Augenhöhe agierender strategischer Partner für unsere Kunden zu sein.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mich hat bereits in jungen Jahren faszinierend, welche unternehmerischen Möglichkeiten das Internet bietet. Quasi aus dem Nichts entstehen neue Unternehmen, teilweise in atemberaubenden Tempo, die bestehende Märkte revolutionieren oder gänzlich neue Märkte schaffen. Für meinen eigenen Werdegang war das Durchstarten des Internets eine glückliche Fügung. Wer weiß, wo ich heute sitzen würde, wenn ich nicht mit dem Internet großgeworden wäre?

Nicht anfreunden kann ich mich mit all dem, was meine Aufmerksamkeit auf nicht gewünschte Dinge lenken möchte. Hier reicht die Bandbreite von wie durch Zauberhand aktivierten Push-Benachrichtigungen über Spam-Mails hin zu aufdringlichen Bannern, die beim Versuch zu schließen (beabsichtigt?) zu einem Klick führen. Vermutlich habe ich besonders in den letzten Monaten unbeabsichtigt auf mehr Banner geklickt, als ich jemals beabsichtigt geöffnet habe.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Das eine Medium habe ich gar nicht. Ich schaue vor allem in meiner Filterblase, welche Themen dort besondere Beachtung finden. Diese Vorselektion hilft mir, bei dem täglichen Nachrichtenhagel (hoffentlich) das herauszupicken, was besonders relevant ist.

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

Online Marketing Rockstars.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Wenn ich Online Marketing als mein Business definiere, dann war es unter all den Büchern und Quellen die ich besonders 2008 verschlungen habe das Buch Website Boosting von Mario Fischer. Das Buch ist definitiv nicht mehr taufrisch, hat mir allerdings damals über meinen „Search“ Tellerrand hinaus die wichtigen ersten Grundlagen vermittelt und mein Interesse am Thema weiter entfacht.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Meine kompetenten Kollegen, da durch den Austausch ganz neue Ideen und Blickwinkel entstehen, auf die ich ohne den Austausch nie gekommen wäre.

Von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Ich höre mir sehr gerne Vorträge und Seminare von Karl Kratz an. Mir gefällt die Art, wie er denkt, wie er Dinge und Themen strukturiert und die Gedankenwelt der Teilnehmer – im positiven Sinne – beeinflusst.