Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Thomas Jajeh – twago

Wer ist Thomas Jajeh? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich glaube die wichtigsten Fakten wären: 36 Jahre, Wirtschaftsinformatiker, Ex-Unternehmensberater, twago Gründer und CEO, glücklich verheiratet, 1 Sohn, 2 Katzen. Außerdem liebe ich was ich tue und bin kein Freund der Rocketschen „Am besten bleiben alle bis Mitternacht im Büro“-Philosophie. Ich arbeite mit meinem Team daran, besser und effizienter zu werden – nicht zwanghaft länger zu arbeiten.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Jetzt wird es aber persönlich! Na gut, in meiner Freizeit baue ich relativ viel mit Holz rum. Eine Treppe in unserem Haus, das Bett für unseren Kleinen, Einbauschränke, etc. Wenn das mit dem Startupen irgendwann kein Spaß mehr macht, werde ich vielleicht Tischler.

Elevator Pitch! Was macht twago? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

twago ist eine Vermittlungsplattform für Freelancer. Auf twago finden Kunden Freelancer indem Sie einfach ein Projekt ausschreiben und sich zurücklehnen. Binnen Minuten treten die ersten Freelancer dann auf der Plattform mit den Kunden in Kontakt. twago ist vor allem auf Europäische Kunden spezialisiert. Im Gegensatz zu unserer US-Konkurrenz respektieren wir die kulturellen und sprachlichen Unterschiede in Europa. Wahrscheinlich deswegen liegen wir hier klar vorne. Ich glaube ein weiteres Unterscheidungskriterium ist unser Team (hört sich abgedroschen an, ist aber so). Wir haben eine enge Gemeinschaft. twago ist vor dem Verkauf wie viele Startups durch Höhen und Tiefen gegangen. Der Unterschied zu vielen anderen Companies ist, dass wir immer einmal mehr aufgestanden sind, als wir hingefallen sind. Das habe ich vor allem meinem loyalen Team zu verdanken!

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ich glaube ein Key Learning aus den vergangenen 8 Jahren ist: Your opinion doesn’t matter! Ich war auch so ein Typ wie es in Berlin viele gibt: gute Ausbildung, Berater, Anfang 30 aber schon allwissend (naja, nicht ganz so schlimm). Man entwickelt ein Produkt aber nicht für sich selbst, sondern für die Nutzer und muss ein Bedürfnis damit befriedigen. Und das am besten besser als die Konkurrenz. Egal ob man es nun gut findet oder nicht, das Bedürfnis definiert der Kunde – selbst wenn er gar nicht weiß, dass er es hat. Auch den Grad der Bedürfnisbefriedigung definiert der Kunde. Man muss also weg kommen von Diskussionen in denen Sätze fallen wie: „Ich finde“, „Meiner Meinung nach“, „Mir gefällt aber“. Das ist vollkommen irrelevant. Vielmehr müssen wir messen, messen, messen und testen, testen, testen. Bei uns kommt kein Feature mehr in die Produktpipeline, das nicht einen klaren nachgewiesenen Business Case hat. Viele Sachen werden erst ganz einfach und pragmatisch getestet. Man muss sich immer fragen: Wie kann ich meine Hypothese möglichst einfach testen?

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Wir haben in den letzten 8 Jahren erfolgreich Freelancer mit SMEs in Europa zusammengebracht. Nicht so erfolgreich waren wir bei wirklich großen Unternehmen. Deshalb arbeiten wir seit letztem Jahr enger mit Randstad an einer Lösung. Erste Deals sind unterzeichnet und wir planen bis Ende des Jahres die Freelancer-Verwaltung von 10 Fortune500 Companies zu übernehmen. Uns wird nicht langweilig.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Was mich an der Szene am meisten stört, sind von mir liebevoll genannte „Yaobi’s“ (young ambitious overmotivated bullshit individuals). Unsere Szene krankt an zu vielen Leuten, die meinen, Sie hätten das nächste Google gegründet oder wüssten alles besser. Außerdem ist „Sharing“ nicht so Hip in unserer Szene. Wenn ich im Valley bin, ist das ganz anders. Selbst die erfolgreichsten Entrepreneure sind meist bodenständig, treffen sich gern mit mir und tauschen sich aus. Selbst zu unserer direkten Konkurrenz haben wir ein tolles Verhältnis.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich konsumiere nicht so viele Online-Medien. Für mich funktioniert das ziemlich ineffizient. Ich suche mir meist passende Kontakte und treffe mich einfach auf ein Mittagessen oder ähnliches. Wenn ich mal Blogs lese, dann geht das so in die Richtung medium.com

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

https://www.youtube.com/watch?v=Mtjatz9r-Vc&t=945s

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Leadership & the one minute Manager, the lean startup

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Mein wichtigstes Tool ist mein To-do Management Tool in Kooperation mit meinem Kalender. Ich nutze als traditioneller Windows User (no blaming) Outlook und Microsoft To-do.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Ich habe ein gutes Team und ein großes Netzwerk. Zu vielen Leuten, die vor ein paar Jahren noch auf dieser Liste gestanden hätten, habe ich heute Zugang. Ich mag es mich mit neuen Startups im Valley auszutauschen. Hier kommen immer neue kreative Leute mit guten Ideen hinzu. Manchmal sind die Startups so erfrischend pragmatisch. Während hier manche Wochenlang über Machbarkeit oder rechtliche Konsequenzen diskutieren, Gutachten beauftragen oder teure Rechtsanwälte bezahlen, machen die Jungs da drüben es einfach mal (mir ist klar, dass das nicht mit allem geht). Also langer Rede kurzer Sinn: Ich habe grade keinen speziellen Menschen im Kopf, lerne aber während meiner Arbeit regelmäßig Leute kennen, die ich rückwirkend auf die Liste packen würde