Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Daniel Putsche – Candylabs

Wer ist Daniel Putsche? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Candylabs GmbH. Candylabs ist inzwischen etwas mehr als vier Jahre alt und wir haben uns in dieser Zeit von der reinen Softwareentwicklung zu einer Digitalisierungsberatung entwickelt.

Nachdem ich ursprünglich als Werbekaufmann in mein Berufsleben gestartet bin, habe ich direkt ein Abendstudium angeschlossen und mich währenddessen von meiner Position als Projektleiter zum Berater bei Publicis Worldwide weiterentwickelt. In einer Stabstellenfunktion zum damaligen CEO hatte ich die Möglichkeit länger in San Francisco zu arbeiten und kam hier erstmalig mit der Startup-Welt in Kontakt. Ich traf auf einer Veranstaltung Peter Thiel und Dick Costolo (damals COO Twitter) – ohne, dass ich damals wusste, wer die beiden wirklich waren. Was heute undenkbar wäre, war damals mein erster Berührungspunkt mit dem Themenfeld Startup und zurückblickend betrachtet auch der Startpunkt für meine Karriere als Unternehmer. Kurz nachdem ich zurück in Deutschland war, habe ich meine erste Firma im Bereich Software Offshoring gegründet. Das hat mich etwas mehr als zwei Jahre beschäftigt. Aus der damaligen Struktur bin ich dann letztendlich doch ausgestiegen und habe mich entscheiden, zusammen mit meinem heutigen Geschäftsführerkollegen Candylabs zu gründen.

Mit Candylabs gingen weitere Gründungen, Beteiligungen, spannende Projekte und inzwischen auch viele Engagements als Keynote-Speaker einher. All unser Wissen über Technologie, Ventures, Digitalisierung, Unternehmertum und Startup-Methoden stellen wir unseren Kunden aus Konzern und Mittelstand heute strukturiert über zwei Marken und in einem super Team zur Verfügung: Venturelabs im Bereich Geschäftsmodellinnovation und Candylabs im Bereich Produktinnovation.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Vor einigen Jahren hat ein Bekannter mal zu mir gesagt: „Dein Leben ist wie ein Kochfeld mit vier Platten. Die eine Platte ist dein Job, die zweite ist die Familie, die dritte sind die Freunde und die vierte ist Sport. Energie und Zeit wirst du leider immer nur für drei davon haben.“ Bei mir ist die ausgeschaltete Platte leider viel zu häufig der Sport. Wenn ich aber dazu komme, dann stehe ich mit ziemlich viel Ehrgeiz auf vielerlei Brettern, zu Wasser und zu Schnee, spiele Tennis und Squash und gehe laufen.

Elevator Pitch! Was macht Candylabs? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir unterstützen Unternehmen bei der Digitalisierung nach Lean-Startup Methoden. Die Aufgabenstellungen sind hierbei denkbar vielseitig und betreffen häufig sämtliche unternehmerischen Bereiche. Unsere Antworten fokussieren sich dann auf den Prozess hin zu Geschäftsmodell- und Produktinnovation. Das Besondere bei unserer Arbeit ist die agile und datengetriebene Herangehensweise an die oft sehr individuellen Anforderungen. Unser Gesamtleistungsportfolio deckt sämtliche Projektphasen von Ideation, über Validation, Prototyping, Product/Process Definition bis zum Roll-Out ab. Während wir Kunden wie beispielsweise die Manpower Group in der gesamten Wertschöpfung betreuen und komplett neue Geschäftsmodelle inkl. des digitalen Produkts entwickeln, so arbeiten wir z.B. für die Deutsche Bahn in ausgewählten Bereichen an einzelnen Produktinnovation und Prototypen. Chemie, Pharma, Banking, Publishing und Travel sind einige weitere Branchen, in denen wir mit unseren Kunden an der Digitalisierung arbeiten.

Zum Journal „Dax Digital“.

Corporate Innovation Kit.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Grundsätzlich sei gesagt, es gibt nicht das eine Best Practice. Was wir aber wirklich gut können und woraus oftmals sehr interessante Zahlen resultieren, ist das Thema Validierung von Geschäftsmodell- oder Produktideen. Wir validieren Ideen für unsere Kunden stellenweise über eigene Absender, welche üblicherweise in keiner Relation zu unserem Kunden stehen. Das ermöglicht enorme Geschwindigkeit im Erfahrungsaufbau im Zuge einer Idee. Häufig entstehen die wirklich wertvollen Ideen erst in einem solchen Umfeld. Auf üblichen Wegen innerhalb von Konzernstrukturen hätten diese wenig Chancen und würden in allererster Instanz zermahlen. Nicht selten stoßen wir auf auch für uns überraschende Ergebnisse. Wichtige Kennzahlen wie z.B. Lead Akquisition Cost und damit einhergehende mögliche Margen pro Einheit gestalten sich nach einem erfolgreichen Validierungsprozess schon mal ganz anders, als initial angenommen.

Und genau deshalb muss in Unternehmen ein Umdenken stattfinden: Historisch betrachtet ist die Markteinführung des iPhone ein schönes Beispiel. Damals hat es viele einsame Fehleinschätzungen des Marktes gegeben. Gestandene Manager waren davon überzeugt, kein Nutzer wolle ein Telefon ohne Tastatur. Der Rest ist Geschichte. Validierung und Risikoeinschätzung für ein Vorhaben ist immer nur eine Frage des richtigen Setups für die marktnah zu überprüfende Idee.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Wir sitzen mit Candylabs genau in der Mitte zwischen klassischen Managementberatungen, Technologiefirmen und Agenturen. In dieser – ich nenne sie mal „neuen Mitte“- agieren die Bereiche Beratung, Unternehmertum, Technologie, Experience Design und Startup-Methoden auf Augenhöhe. Während sich die Accentures, BCGs und Deloittes dieser Welt mit Akquisitionen von u.a. Digitalagenturen versuchen in dorthin zu positionieren, sind wir als neues Unternehmen direkt aus dieser neuen Mitte heraus entstanden. Unsere Aufgabe ist nun, der perfekte Sparringspartner für unsere Kunden in sämtlichen Fragestellungen betreffend der Digitalisierung und damit unserer Konkurrenz voraus zu sein. Eine der Haupt-Herausforderungen für uns ist die richtige Balance und den richtigen Fokus im Wachstum zu finden. Wir sind aktuell 12 Leute, veranstalten neben unserem Kerngeschäft auch noch Events wie die FuckUp Nights Frankfurt und die Startup-Safary Frankfurt/Rhein-Main und wir werden auf dem Weg zu unseren Zielen bestimmt noch das ein oder andere Mal hinfallen und wieder aufstehen. Und das ist auch gut so.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Es gab viele Momente, in denen ich mich über das Internet und dessen Schnelllebigkeit geärgert habe und viele Momente, die mich sehr glücklich gemacht haben. Ich finde es jedoch viel spannender die Entwicklung des Internets insgesamt zu betrachten. Denn meiner Meinung nach kommt das Internet – stellvertretend für die Vernetzung von Daten – einer seiner größten Herausforderungen immer näher: Datenschutz und Sicherheit, regulatorisch und technisch. Ich habe diese Thematik früher weniger ernst genommen, als ich es heute tue. Ich bin mit digitalen Medien aufgewachsen und für mich war es lange Zeit vollkommen normal, frei im Internet zu agieren. Heute überlege ich mir sehr genau, welche Fotos in der iCloud liegen, welche Posts ich auf Facebook publishe und welche Passwörter ich in welchem Passwort-Tool speichere.

Die fortschreitende Vernetzung von Daten bietet wesentlich mehr Raum für Aktivitäten mit enormem Impact, Stichwort WannaCry oder der Hack von Cloudflare. Die Brisanz des Themas gilt für Privatpersonen wie für Unternehmen und birgt noch spannende Herausforderungen, die gelöst werden wollen. Ich schaue hoffnungsvoll in die Zukunft.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Das sind einige und ich könnte gar nicht alle aufzählen. Das fängt an bei Gründerszene, geht über Techcrunch, das Handelsblatt, das Manager Magazin bis hin zum Harvard Business Manager.

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

http://bit.ly/2sequBo – das diesjährige Schreiben von Jeff Bezos (Amazon) an die Shareholder. Es ist ein Plädoyer für den Erhalt des Gründungstages und ein Must-Read für jeden Unternehmer oder Innovationsinteressierten.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

http://bit.ly/2rEQ8lx – Innovator’s Dilemma. Nach wie vor eines der besten Bücher in Sachen Scheitern von etablierten Strukturen.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

1) TOP 3 Tools, die ich wirklich gerne nutze und die mir das Leben leichter machen
a. Slack (Team-Kommunikation)
b. MixMax (Sales Automation)
c. Hunter.io (Lead Identification)

2) TOP 3 Tools, die uns als Team effektiver arbeiten lassen, aber niemals meine Sympathie erlangen werden
a. Jira (Workflow Management)
b. Harvest (Timetracking)
c. Mindmeister (Mindmapping)

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Mark Zuckerberg. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir das gleiche Alter haben und es in unserem Vermögen so viele Nullen Differenz gibt.

Davon abgesehen war ich in der glücklichen Position, bislang in jeder meiner Stationen als Angestellter einen sehr guten Mentor gehabt zu haben. Seitdem ich Gründer und Unternehmer bin, musste ich meine Strategie ändern. Der Kreis an möglichen direkten Mentoren ist in diesem Umfeld naturgemäß sehr klein bzw. einfach nicht existent. So gehe ich regelmäßig mit ausgewählten Personen zu einem beidseitigen Austausch Mittagessen. Der Kreis reicht von Gründern, sehr erfolgreichen Unternehmern mit Firmengrößen in unserer Zielregion bis hin zu Einzelkämpfern, die absolute Fachleute ihres Gebietes sind. Ich freue mich also immer über neue, interessante und inspirierende Sparringspartner.