Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Kristian Kerkhoff – Demodern

Wer ist Kristian Kerkhoff? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Gerne! Ich heisse Kristian, 43 Jahre alt, bin einer der Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der Digitalagentur Demodern. Die Agentur haben wir 2008 gegründet – weil wir damals überzeugt waren, dass die Zeit reif war für neue Agentur Modelle. Zu der Erkenntnis bin ich u.a. gekommen, nachdem ich zuvor schon 10 Jahre in unterschiedlichen Agenturen – angefangen als Prakti, dann Designer, dann Art- und Kreativ Direktor – gearbeitet habe. Ursprünglich komme ich aus dem Ruhrpott, genauer gesagt aus Oberhausen. Ich lebe aber mit ein paar Ausnahmen schon seit ca.17 Jahren im Rheinland

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Wenn das ein Spleen ist, ich bleibe gerne mal spät Abends noch auf irgendwelchen 80er/90er B-movies auf Kabel1 oder so hängen und ertappe mich dann dabei, dass ich wegen eines Steven Seagal Films erst um halb drei in Bett gehe. Wo das her kommt, weiss ich nicht, vermutlich weil ich mit Karate Kid groß geworden bin. In dem Zusammenhang kann ich übrigens nur jedem die Arbeiten von James White aka Signalnoise ans Herz legen. Wer sein Showreel gesehen hat, weiss was ich meine.

Elevator Pitch! Was macht Demodern? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir bezeichnen uns selber gerne als echte Digital Agentur. Das heisst wir designen, konzipieren und programmieren unsere interaktiven Anwendungen alle selber von Hand – damit erreichen wir einfach die beste Qualität. Im Vergleich mit anderen Digitalagenturen sind wir also eher der Custom Shop. Daher wagen wir uns gerne auch an neue Technologien, neue UX Ideen oder Trends.

Unsere Superpower liegt meiner Ansicht nach in der Zusammenarbeit zwischen unseren Designern und Programmierern. Ich würde sogar fast soweit gehen und behaupten, dass bei uns die Grenzen zwischen den Bereichen verschwimmen.
Wir arbeiten täglich an einer Kultur, bei der das Endprodukt und nicht der Prozess im Mittelpunkt steht.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

.Die Digital Retail Experience, die wir für Nike und den 11Teamsports Store in Berlin gemacht haben, ist sicher ein ganz wichtiger Meilenstein für uns gewesen.

Das Projekt zeigt das, was wir als Firma zu leisten im Stande sind, auf ganz vielen Ebenen. Und da spreche ich jetzt nicht nur über die Experience an sich, sondern auch darüber, dass dieses Projekt auch beispielhaft für unseren eigenen Wandel als Agentur steht. Haben wir z.B. 2014 noch ca. 90% unseres Umsatzes mit klassischen Web-Anwendungen gemacht, so sind es 2016 nur noch fast die Hälfte. Die übrigen Projekte stammen mittlerweile aus den Bereichen, digitaler Retail, VR/AR, Installationen und Mobile.

Unser Motto heisst ja „Let’s push things forward“. Und bei der Retail Experience haben wir somit nicht nur einen der ersten relevanten Benchmarks zum Thema Omnichannel für Nike geschaffen, sondern auch unsere eigene Transformation als Digital Dienstleister weiter vorangetrieben.

Inhaltlich besonders war an der Retail Experience war, dass wir so viele verschiedene Konzepte miteinander kombinieren konnten. Wir nutzten große Touchdisplays, hatten Interaktionen über Gestensteuerung, Kameratracking, RFID, direkte eCommerce Schnittstellen, Social Media Integration, ein Selfie-Hub, Mobile Anbindung, unterschiedliche Check-out Optionen und noch vieles mehr, teils basierend auf Web-Technologie, teils in Unity – kurz um ein ganzheitliches Projekt, was schon beim Briefing echte Digital Herzen höher schlugen lies.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Unsere Haupt-Aufgabe in den nächsten Jahren wird es sicher weiterhin bleiben, die guten Designer und Entwickler zu Demodern zu holen um mit Ihnen gemeinsam an den kommenden und teils wegweisend neuen Interaktions-Konzepten zu arbeiten. Gerade im VR/AR Bereich gibt es nicht annähernd so viele Experten, wie wir sie in Zukunft brauchen werden. Es werden neuen Technologien kommen oder neue Programmiersprachen gefragt sein, die manche noch gar nicht auf dem Schirm haben. Da möchten wir natürlich gerne wieder vorne dabei sein und uns als gutes Team präsentieren.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Für mich liest sich das als fragte man mich, „Was hat dich am Fortschritt am meisten geärgert oder gefreut?“ Kann man darauf was sagen? Das Internet ist ja kein Kinofilm, den man gesehen haben muss und dann toll oder doof findet. Das Internet ist wie Sprache, es ist das, was wir sind. Das Hier und Jetzt. An den Stellen wo Menschen innovativ sind, ist das Internet auch fortschrittlich, dort wo Menschen sich am Rande der Legalität bewegen, kann das Netz auch unschöne Seiten haben. Es ist einfach ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Unter dem Aspekt gesehen ärgert mich also nicht das Netz, sondern wie wir damit umgehen. Zum Beispiel wurmt mich schon sehr, dass es derzeit in Deutschland einen konservativen Konsens zu geben scheint, der das Internet, Mobile Devices, Always on, etc.. als eine schlimme Entwicklung ansieht. Ich halte das für eine grobe Fehlinterpretation.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Big Spaceship versendet wird. Von Fachthemen bis unnützes Wissen, kurz und knackig bringt er alles auf den Punkt, was man wissen muss um mitreden zu können.

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

https://www.engadget.com/2017/03/01/epic-games-project-raven-augmented-reality

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Bei Business Büchern habe ich bisher nicht so tolle Erfahrungen gemacht. Es gibt halt oft eine Kern Botschaft, die der Autor loswerden will und das ist mir manchmal zu wenig. Was ich aber wirklich sehr, sehr gerne lese sind Interviews. Daher kaufe ich mir oft am Flughafen die Zeitschrift Galore. In der letzten Ausgabe, die ich gelesen habe gab es da ein Interview mit Brian Eno, das mich wirklich tief beeindruckt hat. Es hatte das Thema „Langeweile ist unterbewertet“ und natürlich geht es da um den Standpunkt, dass bei Eno die Kreativität erst durch Langeweile entsteht. Aber eine ganz andere Sache hat mich viel mehr beschäftigt. Er meinte in dem Interview, dass man sich Sisyphos als einen glücklichen Mann vorstellen muss. Und seit dem lässt mich dieser Satz ganz anders über das Leben, die Arbeit und natürlich auch die immensen Mühen, die man auf sich nimmt, um immer wieder Neues zu erschaffen, denken.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Timetastic – ohne diese Tools wäre mein Tag zwei Stunden länger.

Mit welchem Experten (aus Deiner Branche) würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Ich würde sehr gerne mal ein Projekt mit GMUNK (Bradley Munkowitz) machen. Seine Installationen und Projekte sind für jeden Digital Designer eine Inspiration. Was mich an seiner Arbeit am meisten interessieren würde ist, wie er mit seinem Team zusammenarbeitet und wann er welche Entscheidungen trifft. Falls er überhaupt Entscheidungen trifft. Oft gibt es ja die Meinung, dass hinter guter Arbeit immer nur das einsame Genie steckt (wie bei Steve Jobs). Ich glaube aber das ist überholt. Ich kann mir gut vorstellen, dass gute Kreative heute eher die Basis dafür schaffen, dass alle Team-Mitglieder ihr Stärken einbringen können. Das würde ich jedenfalls gerne mal an ihm beobachten oder bestenfalls direkt mal diskutieren. Aber vielleicht irre ich mich auch und er ist einfach das einsame Genie.