Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit David Eicher – TERRITORY webguerillas

Wer ist David Eicher? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Träumer und Pragmatiker, Ewigjunger und Oldie, Stratege und Kreativer, Diplomat und Enfant Terrible, Einzelkämpfer und Teamplayer, Chef und Kumpel. Eben: so ein typischer Hybrider.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich habe ein Faible für afrikanische Masken. Weiß nicht, ob das ein „Spleen“ ist. Jedenfalls hängen bei uns zu Hause doch einige an der Wand. An ihnen mag ich, dass sie extrem reduziert, sehr plakativ und ausdrucksstark sind.

Elevator Pitch! Was macht TERRITORY webguerillas? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir entdecken „Markenterritorien“ und besetzen sie für unsere Auftraggeber.

Unserem Verständnis nach benötigt jede Marke ihr „inhaltliches Territorium“ – zukünftig sogar noch dringender als je zuvor. Also DAS eine Thema, für das eine Marke steht und durch das sie sich im Wettbewerb von anderen unterscheidet – verbunden mit einer Kernbotschaft, die die Haltung der Marke beschreibt und das Publikum in ihren Bann zieht. Wir definieren diese Territorien, beleben sie mit passenden, eigenproduzierten Inhalten und distribuieren die Inhalte entsprechend der jeweiligen Zielgruppeninteressen – eben alles aus einer Hand.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ich mag unsere Kampagne für Sympatex. Das Unternehmen stellt Membranen her, die für die Produktion von Outdoor-Kleidung und -Equipment verwendet werden – also im Prinzip ähnlich wie GoreTex. Genau hier lag auch das Problem: GoreTex kennt jeder und hat quasi eine Monopolstellung im Markt inne. Im Gegensatz zu Sympatex verwendet GoreTex bei der Membran-Produktion aber PFCs – das sind hochgiftige, von der Umwelt nur schwer abbaubare Stoffe, die sogar gesundheitliche Folgen auf den menschlichen Organismus haben können.

Gemeinsam mit Sympatex haben wir es uns deshalb zur Aufgabe gemacht, die Outdoorbranche und ihre Kunden zum Umdenken zu bewegen: Wir starteten eine Initiative unter dem Label „NoPFC“ und provozierten mit markigen Sprüchen wie „Beim Wandern geh ich über Leichen“ oder „Der Tod ist mein Bekleider“. Diese unterstrichen lautstark, dass jeder Umweltfreund, der PFC-haltige Produkte kauft, gleichzeitig ein Umweltkiller ist – eben nur nicht davon weiß.

Begleitet wurde die Digitalkampagne durch Guerilla-Aktivitäten auf der ISPO und eine Kooperation mit Greenpeace. Wasserproben im ganzen Bundesgebiet zeigten zudem, dass PFC überall Fußabdrücke hinterlässt und damit ein Problem ist, das uns alle betrifft.

Der Erfolg innerhalb von nur zwei Wochen war umwerfend:

• Die Kampagne involvierte über 2 Mio. Menschen
• 10.000 Multiplikatoren unterstützten uns bei der Mission
• 91% der Menschen gaben an, PFC-freie Kleidung an Freunde weiterempfehlen zu wollen
• 73% des erreichten Publikums will zukünftig bewusst auf den Kauf PFC-freier Produkte achten
• 97% der Befragten sehen Sympatex als Vorreiter beim Thema “NoPFC“
• und das Beste: Einer der größten PFC-Produzenten verpflichtete sich kurz nach Kampagnenstart bis 2020 PFC-frei zu produzieren

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Komplexität vereinfachen und orchestrieren, Technik verstehen und sinnvoll wie angemessen in etablierte Prozesse einfügen, kompetentes Personal gewinnen. Und – last, but not least: Das Bewusstsein zu vermitteln, dass Qualität auch zukünftig seinen Preis hat.

Zum Journal „Dax Digital“.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Es ärgert mich eigentlich ständig, dass das Internet von vielen Seiten missbraucht wird (was sich zweifelsohne nur bedingt vermeiden lässt): von Pseudo-Experten, die hier eine Bühne für Flachsinn finden; von namhaften Inhaltelieferanten, die uns durch gezielte Content-Darreichung manipulieren; von Nörglern, die im Internet die Chance sehen, sich wichtig zu machen; von Geheimdiensten, die jede Bemerkung und Aktivität unter die Lupe nehmen usw.

Demgegenüber freut mich bis heute, dass mir das Internet außerordentliche Chancen eröffnet: Mir die Möglichkeit gibt, mich schnell zu allen Themen dieser Welt zu informieren, mich direkt mit Menschen zu verbinden (die ich teilweise gar nicht kenne), mir schnell das passende Angebot liefert und mich an spannenden Events live teilhaben lässt. Außerdem ist es für mich eine unversiegbare Inspirationsquelle.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.thisiscolossal.com/ als Inspirationsquelle, aber auch als kurze Ablenkung im „normalen“ Arbeitsalltag.

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

https://www.youtube.com/watch?v=8ZJxe2BOY8g. Der Protagonist in diesem Video, der Porsche-Fan Dr. Brandenburg, ist einfach grandios, die Zitate sind spitze, die Aufnahmen faszinierend und die Musik sorgt bei mir jedes Mal für eine Gänsehaut.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Homo Deus“ von Yuval Noah Harari: weil es eine Welt skizziert, die sehr stark mit meinem Alltag verknüpft ist und mir aufzeigt, dass jede vermeintlich positive Entwicklung auch enorme Schattenseiten besitzt.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Auch wenn es dem oben Gesagten teilweise widerspricht: Ich mag die Google Business Suite. Sie vereinfacht meine Korrespondenz und mein Dokumentenmanagement erheblich und macht Collaboration über Entfernungen wirklich praktikabel.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Ich finde zwei Menschen (aus der Entfernung) sehr spannend: Prof. Miriam Meckel und Prof. Peter Kruse. Beide blicken bei den wirklich großen Themen sehr präzise hinter die Oberfläche, zeigen verdeckte Zusammenhänge auf und geben spannende Denkanstöße. Außerdem sind sie eloquent und sehr charismatisch. Am liebsten würde ich mich rausnehmen und beiden beim Dialog zuhören.