Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Stephan Ahlf – COMMON WORKS

Stephan Ahlf COMMON WORKSWer ist Stephan Ahlf? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin seit 2000 Geschäftsführer, seit 2005 Alleingesellschafter der COMMON WORKS GmbH in Frankfurt/Main. Mein inhaltlicher Fokus liegt auf dem Thema Gesundheit, speziell auf den Gebieten Betriebliches Gesundheitsmanagement, Ernährung, Bewegung sowie Patientenaufklärung und Adherence.

Neben meiner Berater-Tätigkeit fühle ich mich auch in der Bewegtbild-Kommunikation zuhause. Meine ersten Erfahrungen habe ich in einer Zeit gemacht, in der die digitalen Systeme gerade marktfähig wurden. In den 90er Jahren habe ich als „Producer“, später als Redakteur beim SWR in Mainz sowie bei der atkon AG gearbeitet, deren Frankfurter Standort ich als Managing Director geleitet habe.

Seit 2011 habe ich einen Lehrauftrag für Healthcare-Kommunikation und Beratung an der Hochschule Fresenius.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

„Sagen wir es mal vorsichtig: Ich bin ordnungsliebend …“

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

„COMMON WORKS ist eine Kommunikationsberatung mit den Themenschwerpunkten Prävention und Mobilität. Aus gegebenem Anlass betone ich es immer wieder: Wir sind KEINE Werbeagentur.
Zu unseren Kunden zählen Unternehmen, aber auch Ministerien oder Verbände, für die wir Strategien entwickeln und diese in den Disziplinen Public Relations, Internet sowie klassischer Print-Kommunikation umsetzen.

Gut sind wir in der Analyse und Bewertung relevanter Kommunikationsinhalte. Durch die Erfahrung von mehr als 35 Jahren im Markt sowie unser breitgefächertes Expertennetzwerk sind wir in der Lage, punktgenaue Strategien zu entwickeln. Gutes Handwerk für die anschließende Umsetzung ist dann eine Selbstverständlichkeit, denn ohne einen hohen Qualitätsanspruch bleibt auch die beste Strategie wirkungslos.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

„Ein sehr gutes Beispiel für gelungene Krisenkommunikation findet man nach meiner Meinung bei Lufthansa, die mit dem schwersten Unfall in der Firmengeschichte, dem Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März 2015, hochprofessionell umgegangen sind. Schon eine Stunde nach dem Unglück waren die Darksites (Websites in Trauerfarben) inkl. Twitter hochgeladen, eine halbe Stunde später waren bereits die ersten Notfall-Hotlines freigeschaltet. Das zeigt, wie gut man sich bei Lufthansa auf den Ernstfall vorbereitet hat.

Es gab keine Spekulationen bei LH, nach außen wurde nur kommuniziert, was vor Ort bestätigt wurde. Auch CEO Carsten Spohr sowie Germanwings-Chef Thomas Winkelmann konnten sich gegenüber den Medien mit den richtigen Botschaften beweisen. In der Folge waren im Netz auch nur wenige Anfeindungen in Bezug auf Lufthansa oder Germanwings zu beobachten.

Proaktives Krisenmanagement funktioniert nur, wenn jeder Mitarbeiter wirklich genau weiß, was er im Fall X zu tun hat.

Faszinierend bleiben aber natürlich auch all die nicht realisierten Projekte, die wir uns ausgedacht haben …“

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

„Unsere Agentur hat sich seit 2013 nahezu vollständig virtualisiert. Wir bieten jedem Mitarbeiter einen vollausgestatteten Heimarbeitsplatz mit VoIP-Telefonie und Private Cloud-Zugang. Untereinander kommunizieren wir überwiegend per Telefon, Mail oder Skype, Treffen gibts nur bei besonderen Anlässen. Durch den Verzicht eines Präsenzbüros sowie dem damit verbundenen Wegfall zahlreicher interner Verwaltungsaufwände konnten wir eine Effizienzsteigerung erzielen, die die Mitarbeiter entlastet und nicht zuletzt unseren Projekten zugute kommt.“

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft:

„Wir leben und arbeiten in einer zunehmend digitaler werdenden Gesellschaft. Mit der digitalen Transformation sind eine Vielzahl nie geahnter Möglichkeiten verbunden, die das Leben insgesamt verbessern bzw. den Alltag von Menschen erleichtern. Dennoch, und das belegen nicht nur Studien, sondern auch die eigene Beobachtung, fühlen sich zahlreiche Menschen mit den Herausforderungen der Digitalisierung allein gelassen. Zumindest jeder Arbeitgeber muss sich den neuen Herausforderungen einer digitalen Arbeitskultur stellen, weil das Thema unmittelbar anschließt an die Aspekte Arbeitszufriedenheit, Mitarbeitergesundheit, Fehlzeiten und nicht zuletzt Produktivitätssteigerung.“

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland:

„Ein dringliches Infrastrukturthema in Deutschland ist und bleibt die flächendeckende Verfügbarkeit von Breitband-Internetzugängen von mindestens 50 Mbit/Sekunde. Mittelfristig müssen auch die Gewerbegebiete in den Landkreisen Glasfaser-Anschlüsse erhalten.“

Herausforderung für unseren Markt:

„Nach meiner Beobachtung ist das Kundenwissen um Qualitätskriterien in Kommunikationsfragen mit strategischer Relevanz nicht verbreitet genug. Das führt oft dazu, dass auch fragwürdige Anbieter zu häufig zum Zug kommen. Sie hinterlassen nicht selten verbrannte Erde, was wiederum den Kunden in seiner Zögerlichkeit, künftig von strategischer Beratung Gebrauch zu machen, bestärkt. Insgesamt steigt dadurch der Aufwand für Akquise in einem sensiblen Feld. An öffentlichen Ausschreibungen nehmen wir aus diesem Grund schon lange nicht mehr teil.“

Herausforderung für unsere Firma:

„Herausforderung für uns ist und bleibt es, unsere „virtuelle Kultur“ ständig den aktuellen Gegebenheiten anpassen, damit aus der mühsam errungenen Flexibilität Fokussierung, und nicht Laxheit bzw. ein Übermaß an Ablenkung entsteht. Ein bisschen Ablenkung hingegen stärkt ja bekanntlich die Kreativität …“

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

„Freuen wie ein Kind kann ich mich nach wie vor über die schiere Existenz des Internets: Darüber, dass es mir die Welt erschließt und mir ermöglicht, mich notfalls vom heimischen Sofa aus umfassend über jedes nur erdenkliche Thema zu informieren.

Ein Anlass zu fortwährendem Ärger sind mir Web-Trolle, die sich in der Anonymität des Netzes eingerichtet haben, um enthemmt zu pöbeln und zu mobben. Die Verewigungen auf Kneipen-Klowänden (mit denen Jean-Remy von Matt 2006 damals die Blogs verglich), lesen sich im Vergleich mit dem Unrat, der heute im Netz sowie auf fast allen sozialen Netzwerken zu finden ist, wie Poesie. Ich nenne hier mal das Stichwort „Flüchtlinge“.
Wir müssen aufpassen, dass sich das Internet nicht von den Klowänden zur digitalen Deponie entwickelt. Die Halbwertszeit von strahlend blöden Netzinhalten ist bekanntlich noch größer als die von Atommüll.“

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

„Es sieht so aus, als sei einer meiner Wünsche kürzlich von einem Start-up gelöst worden: Mit dem Digitalkiosk Blendle (https://blendle.com/de/) kann ich mir bald an einem Ort von jeder Zeitung für kleines Geld und ohne Abo genau den Artikel kaufen, der mich interessiert.“

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

„Da ich nur sehr selten Blogs, News oder Magazine zu sog. Fachthemen lese, kann ich leider auch nichts empfehlen, sorry …“

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://www.brandeins.de/archiv/2015/faulheit/„

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„>Was wir sind und was wir sein können< von Gerald Hüther. Warum? Weil es das ist, was sein Untertitel beschreibt: Ein neuro-biologischer Mutmacher …“

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

„Ich besuche relativ viele Veranstaltungen. Dabei habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Veranstaltung, bei der ich wirklich etwas mitnehme, noch kommen wird …“

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

„Nach wie vor: der Web-Browser …“

Von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

„Ich hatte vor knapp zehn Jahren das Vergnügen, eine Zeitlang für und mit Werner Kieser zu arbeiten. Dabei ging es um Fragen der Positionierung, aber auch um die Implementierung eines redaktionellen Qualitätsprozesses für Kieser-Publikationen.

Dass Werner Kieser nicht nur als Trainingsanbieter, sondern auch als Kommunikationsexperte mehr zu sagen hat, als manch einer aus der Zunft, steht seitdem für mich außer Frage. Besonders beeindruckt hat mich seine konsequente Orientierung am Nutzen – sowohl seines Produktes KIESER TRAINING, als auch bei dessen kommunikativer Vermittlung. Ich bin seitdem niemandem mehr begegnet, der so kompromisslos im Sinne seiner Überzeugungen argumentiert hat.“