Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Stefan Köhler -DASDING / SWR

Stefan Köhler DASDING SWRWer ist Stefan Köhler? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

DASDING, dem jungen Programm des Südwestrundfunks (SWR) in Baden-Baden an der crossmedialen Schnittstelle zwischen Regionalität im Internet, sozialen Medien, Hörfunk und TV.

Als Trainer für journalistische Standards, Radioarbeit, Onlinejournalismus, crossmediales Arbeiten entwickele ich die Redaktion weiter und sichere die Qualität der redaktionellen Arbeit.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin Instagram-süchtig. Ich liebe die Plattform mit ihrer kreativen und offenen Community und bin ständig damit beschäftigt, neue Fotos zu schießen, die ich dort verbreiten kann. (Bitte folgt @stefankoehler!) Ein toller Nebeneffekt: Das treibt mich oft raus in die Natur. Ich verbringe Stunden alleine im Schwarzwald auf der Suche nach Motiven.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

DASDING ist als junges Programm auch Innovations-Labor des SWR. Wir probieren ständig neue Wege aus, unsere Inhalte zu den Usern zu bringen. Neben dem klassischen Radio-Vollprogramm haben wir Visual Radio entwickelt, ein Videostream mit interaktiven Elementen und zusätzlichen Informationen zu unserem Tagesprogramm. Wir arbeiten ständig daran, es zu einem interaktiven HUB aller Inhalte von DASDING zu machen. Wir betreiben verschiedene Youtube-Kanäle wie „Alina – die Liebe und der Sex“ oder den „DASDING Gamechecker“. Wir experimentieren mit Snapchat und Facebook-Livestreams und betreiben sehr professionelle Marken-Arbeit bei Facebook und Instagram.

Darüber hinaus gibt es seit 2012 „DASDING vor Ort“. Ein Projekt, das eine Kernkompetenz des SWR, die regionale Berichterstattung, aufs Internet und soziale Medien übersetzt. Das ist meine hauptsächliche Baustelle. Als CvD bespreche ich mit den Reporterinnen und Reportern in den Regionalstudios des SWR die Inhalte und, wie wir sie für welche Plattformen umsetzen. Ich arbeite ständig an der inhaltlichen Weiterentwicklung.

Zusammengefasst: Die Superpower von DASDING ist es, immer wieder neue Umsetzungsformen für unsere Inhalte zu finden, die zu den Plattformen passen, die unsere User benutzen und diese zu professionalisieren.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Der gesamte Online- und Social-Media-Auftritt von DASDING, angefangen bei der Plattform DASDING.de, über die Facebook- und Youtube-Kanäle, Instagram und Snapchat, bis hin zum Visual Radio, ist gelebte digitale Realität. Für uns ist es selbstverständlich unsere Inhalte auf die Plattformen anzupassen, auf denen unsere User zuhause sind. Unser Team denkt jeden Inhalt von Anfang an crossmedial: Welche Art der Umsetzung passt zu welcher Plattform? Auf welcher Plattform ist welcher Inhalt in welcher Form am besten aufgehoben?

Die Arbeit über Mediengrenzen (traditionelle und digitale) hinweg ist bei DASDING gelebter und selbstverständlicher Alltag. Nur so kann journalistisches Arbeiten meiner Meinung nach in Zukunft funktionieren. Wer als Journalist nicht in der Lage ist, seine Inhalte an alle verfügbaren Plattformen anzupassen, wird es bald schwer haben. Das heißt nicht, dass ich jede Plattform gleich gut beherrschen muss. Aber, ich muss wissen, welche Inhalte in welcher Form auf welcher Plattform gefragt sind. Und ich muss bereit sein, mich mit den Plattformen weiterzuentwickeln.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Für uns als öffentlich-rechtlicher Sender hängt vieles an Rahmenbedingungen und Verträgen, die noch nicht an die digitale Realität angepasst sind: Online-Nutzung von Musiktiteln, Verwendung von Bildmaterial in sozialen Netzwerken, die Frage, wie lange unsere Inhalte im Netz bleiben dürfen… Da gibt es immer wieder Dinge, die uns in der Entwicklung ausbremsen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

In Bezug auf den Online-Journalismus geht es da für mich nach wie vor um die Frage, wie er sich finanzieren kann. Wie lässt sich mit gutem Journalismus im Netz Geld verdienen?

Wer nicht wie ich das Glück hat, im öffentlich-rechtlichen System zu landen, hat es als Online-Journalist leider nach wie vor schwer, einen vernünftig bezahlten Job unter guten Bedingungen zu bekommen.

Herausforderung für unseren Markt und unsere Firma:

Wir Öffentlich-Rechtlichen müssen Wege finden, im Netz neben Millionen potenziellen Konkurrenten – Facebookseiten, Youtube-Channels, Blogger, Online-Magazine… – relevant zu bleiben. Womit verdienen wir den Rundfunkbeitrag? Was sind unsere Alleinstellungsmerkmale? Wie verkaufen wir unsere Stärken wie fundierte Recherche, Ausgewogenheit, Transparenz den Usern so, dass sie sie zu schätzen wissen?

Das ist in Zeiten eines pauschalisierten „Lügenpresse“-Vorwurfs in Teilen der Gesellschaft nicht einfach aber extrem wichtig. Ich bin überzeugt, dass wir genug vorzuweisen haben. Wir müssen unsere Stärken im Netz nur konsequenter auszuspielen und verkaufen.

Ein Beispiel: Google beantwortet in der englischen Version die Suchanfrage „Wie alt werden Katzen?“ pauschal ganz oben über den Suchergebnissen mit „15 Jahre“. Die Antwort wird als Wahrheit ohne Spielraum präsentiert, ohne Angabe, aus welchen Quellen sich dieses Ergebnis errechnet. Bei einem so banalen Beispiel natürlich nicht relevant. Aber wie ist es bei Menschen, die ihre Krankheitssymptome googeln? Kriegen die bald die Antwort „Du hast Krebs!“? Wir können ein Gegengewicht darstellen, in denen wir transparent machen, auf welche Quellen wir uns stützen und wo wir welchen Inhalt recherchiert haben. Und wir sind dabei objektiv und unabhängig von Geldgebern, Sponsoren oder der Politik.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

zumal es vermutlich nicht mal stimmte).

auf Facebook offensiv kommuniziert und darauf sehr positive Resonanz bekommen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich informiere mich nicht gezielt über ein bestimmtes Fachmedium. Für mich funktioniert der Mix aus folgenden Facebook-Abos:

Allfacebook.de

Thomas Hutter

t3n Magazin

Futurebiz

Wired Germany

Mashable – Social Media

socialBench

Ich habe das Gefühl, damit nicht allzu viel zu verpassen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://www.konradlischka.info/2015/09/blog/woher-weiss-google-wann-meine-katze-stirbt/

„Woher weiß Google, wann meine Katze stirbt“ von Konrad Lischka
Ich habe das Thema eben schon angesprochen. Er legt den Finger gezielt in eine große Wunde der digitalen Informationsverbreitung. Ich habe das gelesen und gedacht: Genau das ist unsere Chance, im Internet relevant zu sein. Davon müssen wir uns abheben!

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich lese gerade „Breaking News“ von Frank Schätzing. Ein Roman, der viel über das Berufsbild des modernen Reporters verrät und mich einige der Probleme wie islamistischen Terrorismus oder religiösen Extremismus , mit denen die Welt gerade zu kämpfen hat, besser verstehen lässt.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Redakteur im Verhör von der Hörfunkschule Frankfurt. Als Berufseinsteiger eine tolle Gelegenheit, um erfolgreichen Journalisten Fragen zu stellen, ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Im Gedächtnis geblieben sind mir Steffen Seibert (damals noch beim ZDF) und Claus Kleber (immer noch beim ZDF). Man kann sich alle Interviews auch online anhören.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

Hmm…. der Bauch und das Herz? Und der Facebook Debugger.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gerne einen Tag mit Marc Zuckerberg verbringen, um einen Einblick in seine Vision von unserer Welt zu bekommen. Ich glaube, dass er unsere Leben mit Facebook und allem was drum herum dazugehört, in Zukunft noch mehr beeinflussen wird, als das heute schon der Fall ist. Positiv oder negativ.

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