Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Sandra Rexhausen – Einhorn Solutions

Sandra Rexhausen Einhorn SolutionsWer ist Sandra Rexhausen? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Einhorn Solutions – in Doppelspitze mit Anja Horn, der Gründerin und Kreativchefin. Meine Hoheitsgebiet ist die interne und externe Organisation, also Projektleitung, redaktionelle Konzepte sowie Finanzen und Personal.

Der Wandel des Journalismus hat mich so sehr gefesselt, dass ich meine Jura-Bücher seiner Zeit in die Ecke geworfen habe und meinen Lebensunterhalt damit bestreite, dem journalistischen Produkt der Zukunft auf die Spur zu kommen.

Ich habe Verlagskauffrau gelernt, bin dann auf die Redaktionsseite gerutscht und habe seither Relaunches von journalistischen Produkten betreut. Nach dem Relaunch der Berliner Zeitung war ich ab Sommer 1999 im Startup-Team der Financial Times Deutschland und habe dann von 2005 an das Editorial Team bei KircherBurkhardt (jetzt C3) geleitet. Mittlerweile habe ich mehr als 150 Zeitungen und Magazine überdenken dürfen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Mein Beruf ist mein Spleen. Das klingt nach Workaholic, stimmt aber nicht, denn Work-Life-Balance ist mir sehr wichtig. Ich liebe die Natur, die Ostsee und richtig gutes Essen. Ich hatte nur das große Glück, meine Leidenschaft zum Beruf machen zu können – die Kombination aus Journalismus, Design, Forschung, Marketing, Human Resources und BWL. Neben meiner Familie ist Einhorn mein Beruf und Hobby. Ich gehe nicht nach Hause und brauche einen anderen Kick, sondern das Interesse an der Branche, den technischen Entwicklungen und den Möglichkeiten von Einhorn geht weiter. Ob ich jogge, reise oder schwimme, wenn die Inspiration in eines meiner Projekte passt, freue ich mich doppelt und dreifach.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Einhorn Solutions versteht sich als ständige Entwicklungsabteilung für Medienhäuser. Wir schaffen visuelle Konzepte für journalistische Inhalte und setzen diese für alle Devices um. Die Superpower ist unser „Einhorn Excellence“-Gedanke, den wir für unsere Kunden und im Miteinander als Team leben. Wir setzen auf traditionelle Unternehmenskultur in der sich sehr schnell drehenden Medien-Branche. Unsere Stärke liegt in unseren Mitarbeitern, deren Spirit sowie in Nachhaltigkeit und Kontinuität. Wir sind authentisch, gerade heraus, arbeiten offen mit unseren Kunden. Unsere Leistung liegt in der Liebe und Leidenschaft bis ins kleinste Detail.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

http://einhorn-solutions.de/blog/print/sudostschweiz/ ist eines unserer aktuellen Projekte, das gut zeigt, wie weit das Umdenken in den Medienhäusern und Redaktionen gehen sollte: Mut zu Relevanz, Haltung und Konzentration.

Das Medienhaus somedia hat im Rahmen seiner strategischen Neuausrichtung nicht nur den „medienübergreifenden Konvergenz-Ansatz“ geschaffen, bei dem TV, Hörfunk, Digital und Print eng miteinander arbeiten, sondern es wurde auch die Zeitung entsprechend neu konzipiert. Die Titelseiten-Systematik wurde beispielsweise komplett umgewälzt. Die neue Frontseite ist das tägliche Schaufenster mit nur 3-4 optisch starken Teaser-Kacheln und immer einem Meinungsstück am Fuß der Seite.

Dieser Relaunch hat einige Hundert Probe-Abos gebracht, eine Welle an positiven Reaktionen von Lesern und auch in der Branche – und wie üblich eine Handvoll Abbestellungen. Auf lange Sicht ist aber entscheidend, wie sich die Marke medienübergreifend zur „Love Brand“, zum Alltagsbegleiter und Ratgeber der Menschen in der Region auf all Ihren Wegen, entwickelt. Das beobachten wir mit und für unseren Kunden intensiv.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Jira bis hin zu Video-Konferenzen. Anders wäre es gar nicht machbar, wenn der Kunde in Nairobi sitzt, der Dienstleister des Redaktionssystems in Hamburg, der leitende Redakteur mal in Paris und mal in Wien und wir in Berlin.

mittelbayerische.de

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Fachkräftemangel sind die grossen Themen, die es m.E. zu meistern gilt.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Sich in der Schnelligkeit der technischen Entwicklung nicht zu verlieren, den positiven Start-Up Boom auch weiterhin positiv zu halten. Denn wenn es Richtung unrealistische Scheinwelten geht, die nach dem Zusammenbruch mehr Scherben hinterlassen als für die Menschen/Mitarbeiter Perspektiven zu schaffen, kippt m.E. das Modell.

Herausforderung für unseren Markt:

Das journalistische Produkt der Zukunft zu definieren. Das alte Geschäftsmodell der Nachrichtenproduktion, -übermittlung und -rezeption funktioniert seit Jahrzehnten nicht mehr. Einen Weg der Content-Dienstleistung in Form von Einordnung, Analyse, Hintergrund und Konzentration, den es eben noch zu definieren gilt.

Herausforderung für unsere Firma:

Unsere Kunden darin zu unterstützen, den Wandel für sich zu nutzen. Die Kompetenz, den USP der jeweiligen Redaktionen heraus zu arbeiten und deren Inhalte auf den passenden (Kommunikations-)Weg zu schicken. Sowie den entsprechenden Nachwuchs auszubilden.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Gefreut: der Unterhaltungswert und die Ratgeber-Funktion. Die Größe und „Unendlichkeit“ lassen uns als mittelständische Agentur zudem eine super Nische, um die Nähe zum Kunden, die Identifikation für unsere Projekte als unseren USP zu schärfen.

Geärgert: Dass traditionelle Nachrichtenhäuser bis heute noch nicht das Potenzial nutzen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Sinnvolle Wiederverwertung des unglaublich vielen Karton-Mülls, der durch den Versandhandel existiert.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.aec.at/futurelab/de/ Weil in künstlerischer, experimenteller Form Skizzen von möglichen Zukunftsszenarien aufgemacht werden. Dieser Blick über den Tellerrand ist super inspirierend.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Die ARD Berichterstattung über Vice News und deren Form der Ansprache an die junge Zielgruppe.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Wirtschaft braucht Anstand. Der Unternehmer Wolfgang Grupp. Weil wir den Anspruch haben, ein anständiges Unternehmen mit Kultur zu sein.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

http://www.snd.org/dc2015/speakers/  Weil internationale Best Practice Beispiele von Experten aufgezeigt wurden, die ihre Aufgaben mit Leidenschaft und Überzeugung umsetzen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Keynote

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Er hat bereits 1898 verstanden, dass visuelles Storytelling funktioniert.

Und aktuell und branchfern mit Elon Musk von Tesla Motors, der bewiesen hat, dass man Ideen austesten, immer wieder aufstehen und an sich glauben muss.