Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Sandra Gärtner – mediaresearch42

Wer ist Sandra Gärtner? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Zahlenschrauber, Numbercruncher, Erbsenzähler und Menschenversteher – kurz ich mache Marktforschung mit Leidenschaft und grüner Seele. Klingt unsexy, ist es aber gar nicht. In unserer daten- und technologiegetriebenen Welt braucht es ein paar Leute, die Spaß daran haben, Daten effektiv einzusetzen und in Verständnis für die Verbraucher da draussen zu übersetzen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Da gibt es einige ;o)
Ein kleiner ist: Die besten Ideen kommen mir unter der Dusche…das muss was mit den Kacheln zu tun haben, denn auch anderen analytischen Menschen in meinem engen Bekanntenkreis geht es ähnlich.

Elevator Pitch! Was macht mediaresearch42? Und vor allem: was macht Ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Unter dem Label „mediaresearch42“ bin ich seit fast zehn Jahren als Freelancerin Dr. Sandra Gärtner Forschung und Beratung für große und mittlere Unternehmen der Medien- und Digitalbranche tätig. Die 42 sagt eigentlich alles.
Darüber hinaus habe ich mit meinem Mann John vor zwei Jahren GreenAdz gegründet – ein Marktforschungsunternehmen, das einen nachhaltigen Incentivierungsansatz für Online-Befragungen verfolgt. Wir haben die Vision, mehr Freude an Marktforschung zu verbreiten, indem wir Teilnehmer von Online-Umfragen mit einer Baumspende belohnen und unsere Einladungen unaufdringlich am unteren Bildschirmrand platzieren. Mir gehen diese „Ihre Meinung ist uns wichtig!“-PopUps und „Bitte bewerten Sie Ihren letzten Einkauf“-Mails gehörig auf die Nerven – wie den meisten Usern übrigens auch.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo Ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Das Umdenken in Richtung Usercentricity – also stelle den User in den Fokus und nicht Dein Produkt – kommt langsam aber sicher auch bei den Mittelständlern und in der Marktforschungsbranche an. Weil es sich langfristig auszahlt. Unser bestes Beispiel ist die durchschnittliche Verdopplung der Response bei unseren unaufdringlichen Befragungseinladungen auf Websites im Vergleich zu den störenden Befragungs-PopUps. Durch die Baumspende fühlen sich die User ernstgenommen, bleiben länger dabei und haben ein gutes Gefühl – das wirkt sich auch massiv auf die Ergebnisqualität aus, weil sich ein breiteres Publikum angesprochen fühlt und bis zum Ende dabeibleibt. In konkreten Zahlen bedeutet das, dass man für das Einführen einer Baum-Incentivierung je User für 1,-€ im Durchschnitt eine doppelt so hohe Response bekommt und 42 Prozent derjenigen, die sonst nie an Befragungen teilnehmen, doch überzeugt werden. Mein Lieblingszitat eines unserer Befragungsteilnehmer auf unser Baumspende-Konzept ist „Ihr seid das Viva con Aqua für Marktforschung!“ – besser könnte ich es nicht formulieren.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Entwicklung der Marktforschungsmethoden einmal im zeitlichen Verlauf seit den 90er Jahren zu visualisieren. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick irritierend – es sieht aus, als steckten die Online-Befragungen massiv in einer Krise, da die absoluten Zahlen massiv zurückgegangen sind. Gleichzeitig macht sich aber bei mir als User das Gefühl breit, dass alle was von mir wollen, die Informationsmassen kaum zu bewältigen sind und alle was von meiner kostbaren Zeit und Aufmerksamkeit abhaben wollen. Lösungen zu bieten, den Usern und Kunden das gute Gefühl zu vermitteln, dass sie nur die Informationen erhalten, die für sie relevant sind und sie die Kontrolle darüber haben, ihre Aufmerksamkeit effizient auf die für sie wichtigen Dinge zu verteilen, ist die Haupt-Herausforderung unserer Zeit. Nicht nur im Marketing.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgern Aufmerksamkeitsfresser, die mit falschen Versprechungen locken und Mühe machen, sie wieder loszuwerden. Und als Marktforscherin ärgern mich schlechte Fragebögen – die fallen in die gleiche Kategorie. Nicht umsonst läuft unsere Blog-Rubrik „Mafo-Fundstück des Monats“ so gut, in der wir immer wieder auf solche Kandidaten aufmerksam machen. Aus schlechten Beispielen lernt man eben am besten – und unterhaltsam ist es offenbar auch.
Ich freue mich nach wie vor über die kleinen Dinge, mit denen „das Internet“ das Leben einfacher macht: Dienstleistungen bestellen, Reiseplanung und Vorfreude schüren, sich über alles informieren können und für jedes Lebensproblem ein Video zu finden, das einem erklärt, wie es geht. Und ich freue mich regelmäßig, wenn ich Menschen wiederfinde, die meinem Leben sonst verloren gegangen werden.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

… einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Content Marketing Institutes.

… einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

GEDANKENtanken Videos auf Youtube – eine Art deutsches TED-Format mit 20 Minuten Vorträgen, die mich häufig inspirieren.

… ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Der große Betrug: Die hartnäckigsten Lügen und Irrtümer über Werbung“ von Wolfgang J. Koschnick. Ein provokanter Gedankenanstoß für so manche Marketing-Blase.

… das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Der Flugzeug-Modus meines Fairphones – mein Kopf kann nicht arbeiten, wenn ich ständig online bin.

Mit welchem Experten (aus Deiner Branche) würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Mit Herrn Prof. Dr. Thomas Dobbelstein – er hat nicht nur wie ich die 42 im Unternehmensnamen und erforscht das Konsumentenverhalten, sondern fliegt auch einen Doppeldecker. Dort nimmt er sozial engagierte Menschen ab und zu mit. Die einen pflanzen Bäume, die anderen fliegen – das ist mir sehr sympathisch.