Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Richard Backhaus – rbcommunications

Richard Backhaus rbcommunicationsWer ist Richard Backhaus? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Geboren bin ich 1970 in Köln. Seit der frühesten Kindheit wusste ich, dass ich später etwas mit Technik machen will. Nach meinem Maschinenbaustudium war mir dann klar: Die grobe Richtung stimmt, aber irgendwie musst du das für dich etwas anders angehen – über Technik zu schreiben, macht dir doch mehr Spaß, als sie zu konstruieren! Also habe ich mir ein Volontariat gesucht und den Technikjournalismus von der Pike auf gelernt. Danach kamen Stationen im Journalismus und bei Presseabteilungen, zum Beispiel bei Bosch und Siemens. Seit 2007 habe ich meine eigene PR-Agentur
(www.rb-communications.de) und bin zudem freier Journalist für Automobil- und Motortechnik.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich würze meine Speisen grundsätzlich nach, egal wo ich bin. Meine Bekannten verdrehen immer schon die Augen, wenn ich zur Pfeffermühle greife…

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Ich biete mit meinem Unternehmen die gesamte Bandbreite der Unternehmenskommunikation aus einer Hand, vor allem für den Business-to-Business-, aber natürlich auch für den Business-to-Consumer-Bereich. Das können Komplettlösungen sein, die von der Consultingleistung inklusive Bedarfsanalyse und Konzepterstellung bis zur operativen Umsetzung gehen, oder einzelne Bausteine wie Pressemeldungen oder Artikel für die Kunden- oder Mitarbeiterzeitschrift. Wichtig ist mir dabei eine Spezialisierung statt „me too“: Meine Firma fokussiert sich auf PR- und Pressearbeit im Automobil- und Motorbereich inklusive des Wachstumsfelds alternative Antriebe, dort habe ich das Know-how, das Netzwerk und die entscheidenden Kontakte, um zusätzlichen Mehrwert für die Kunden zu generieren.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung hat unserer Branche entscheidende Vorteile gebracht: Informationen und Bildmaterial sind weltweit rund um die Uhr abrufbar, die Weiterleitung von Dateien auf Server oder direkt ins Redaktionssystem beim Kunden läuft schnell und „in-time“, und man behält die aktuelle Informationslage immer im Blick und kann darauf reagieren. Den heutigen Workflow könnte man ohne Digitalisierung gar nicht mehr managen. Das Ergebnis dieser Arbeit, also Zeitschriften und Artikel oder Pressetexte und -mappen, wird derzeit jedoch in der Regel noch als Print erstellt, die digitale Version ist dann oftmals nur ein 1:1-Ableger. Rein digitale Zeitschriften- oder PR-Projekte sind jedoch stark im Kommen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Für mich ist das eine Frage, die mit dem Internet als Ganzem zusammenhängt. Es ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden zu Themen wie dem Umgang mit sozialen Netzwerken. Da muss sicherlich noch Aufklärungsarbeit geleistet werden. Allerdings wird der Staat seinen Bürgern das Denken auch in Zukunft nicht abnehmen können.

Herausforderung für unseren Markt:

Wie sieht die Medienlandschaft in zehn Jahren aus? Wie gestaltet sich künftig die Vernetzung zwischen Online und Print? Gibt es dann überhaupt noch Printzeitschriften? Wie lassen sich die Möglichkeiten der Internationalisierung durch die Digitalisierung optimal nutzen? Und wie kann man im Internet Geld verdienen? Auf diese Fragen müssen Verlage und Unternehmen sehr bald passende Antworten haben, um künftig erfolgreich zu sein. Aktuell erlebt die Medienbranche ihre vielleicht größte Veränderung, und meine Beobachtung ist, dass sich insbesondere kleinere Fachverlage schwertun, darauf zu reagieren.

Hinzu kommt eine generell veränderte Konkurrenzsituation für Verlage durch das Internet: Heute kann jeder eine Internetseite erstellen und beispielsweise als Blogger Meinungsbildung betreiben. Diese Demokratisierung des Publizierens ist zwar auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite kann ich als Internetnutzer die Informationsflut nicht mehr bewältigen und kaum noch erkennen, aus welcher Quelle die Veröffentlichung stammt, wie fundiert und unabhängig sie ist. Hier richtig anzuknüpfen, ist die Chance für die Verlage.

Im Hinblick auf PR-Arbeit müssen sich Industrieunternehmen beispielsweise fragen, wie sie mit Meinungsbildnern wie Bloggern umgehen, die mit sehr viel Elan und aus privatem Antrieb bei der Sache sind, oftmals aber keine fundierte journalistische Ausbildung haben.

Herausforderung für unsere Firma:

Die gesamte Medienlandschaft ist im Umbruch, und auch jeder Dienstleister dieser Branche muss mit intelligenten Lösungen schritthalten. Wichtig ist mir dabei die konkrete Umsetzung der mitunter recht abstrakten Überlegungen. Dabei geht es beispielsweise darum, wie der Erlebnisfaktor für den Zuschauer am Bildschirm geschaffen werden kann, wenn eine PR-Aktion ins Internet verlagert wird, oder wie ein e-Magazine aufgebaut sein muss, damit der Mehrwert gegenüber dem Print optimal genutzt wird.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Faszinierend sind die enormen Möglichkeiten des weltweiten Informationsaustauschs. Ärgerlich ist ein gedankenloser Umgang damit.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Im Automobilbereich ist für mich die österreichische „autorevue“ lesenswert. Technisch kratzt sie zwar nur an der Oberfläche, ihr Wiener Schmäh und ihre originelle Themenauswahl bieten aber einen willkommenen Farbtupfer.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Wenn ich an einem Thema Interesse habe, lese ich einige Artikel dazu, um mir ein umfassendes Bild zu machen. Da fällt es schwer, einen einzelnen Artikel herauszustellen.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Bücher führen in neue Gedankenwelten und sind damit immer Inspirationsquelle, auch wenn sie mit der Arbeit eigentlich nichts zu tun haben. Wer Krimiliebhaber ist und sich in das Berlin der 1920er-Jahre entführen lassen will, sollte vielleicht einmal die Gereon-Rath-Bücher von Volker Kutscher zur Hand nehmen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Die Welt der Experten für Automobil- und Motortechnik ist kleiner als man denkt, ohne Netzwerk läuft kaum etwas. Die Entscheider treffen sich beispielsweise alljährlich beim Wiener Motorensymposium oder beim Aachener Kolloquium Automobil- und Motorentechnik.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

Das klingt jetzt langweilig, es ist aber in der Tat mein Rechner mit Mailprogramm und Internetanschluss.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich hätte gerne einmal Albert Einstein über die Schulter geschaut, einfach um zu sehen, wie er Problemlösungen angegangen ist.

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