Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Heidi Hentschke – hh-text

Heidi Hentschke hh-textWer ist Heidi Hentschke? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Gute Frage. In jedem Fall eine wissbegierige Generalistin, die multiple Berufs-Persönlichkeiten in sich trägt. Da wäre die Texterin, deren Herz morgens schon beim ersten Gedanken ans Schreiben vor Freude hüpft. Die Projektmanagerin, die darauf hofft, möglichst komplexe Aufgaben erledigen zu dürfen. Der Word- und PowerPoint-Profi, der ein Formular erst dann abliefert, wenn es nahezu perfekt ist. Die „Lehrerin“, die passgenaue PowerPoint-Schulungen für Führungskräfte durchführt. Und noch jede Menge andere, die immer mal wieder zum Vorschein kommen. Manchmal bin ich da selbst überrascht.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich liebe Montage. Und ich lese immer noch echte Bücher (= keine E-Books). Obwohl ich ausgemachter Science-Fiction-Fan bin und es mich begeistert, wenn ein fiktives Produkt Realität wird. Sei es Captain Kirks Communicator oder auch „nur“ eine Schiebetür. Ich bin schon ganz gespannt, wann wir mit Warp-Antrieb durch die Galaxien cruisen. Oder mit einem anderen überlichtschnellen Antrieb.

Schon als Jugendliche habe ich zu meinen Freundinnen gesagt: „Alles, was wir uns (aus-)denken, wird es irgendwann wirklich geben.“ Die Quantenphysik scheint das heute zu bestätigen. Faszinierend, nicht wahr?

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: Was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

www.hh-text.de) am besten mache? Ordentlich kommunizieren. Und mitdenken. Ich weiß, wenn das jemand aus der Kommunikationsbranche sagt, hört sich das erst einmal sehr merkwürdig an. Schließlich sollte das gerade für uns selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Alle haben heute viel zu viel zu tun und sind permanent im Stress. Jeder denkt sich seinen Teil und geht davon aus, dass „der Andere“ – egal, ob Kunde oder Auftragnehmer – genau weiß, was man will. Kaum jemand überprüft noch, ob das Gesagte dem Verstandenen entspricht.

Es ist nicht so, dass ich das immer besser kann. Ich achte jedoch darauf, auch aus der Metaebene zu schauen, zu reflektieren und Fragen zu stellen. Mir geht es darum, für meine Kunden textlich einen Maßanzug zu nähen. Und zwar einen, mit dem sich der Träger rundum wohlfühlt. Dazu gehört auch eine wertschätzende Betreuung. Deshalb gibt es bei mir keine unbeantworteten E-Mails und niemand muss nachfragen, ob und wenn ja, wann ich einen Text oder einen PowerPoint-Master liefere.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Nun ja, eigentlich ist bei mir ja alles digital. Ich sitze viel am PC und schreibe alle meine Texte in Word. Das Erschreckende daran: Ich mag nicht mehr per Hand schreiben. Schon eine Postkarte ist mir zu anstrengend.

Neu in diesem Jahr dazugekommen ist bei mir der Bereich „Individuelle Word- und PowerPoint-Schulungen für Führungskräfte“. Dafür nutze ich Online-Meeting- und -Schulungsprogramme. Die Möglichkeiten, die sich für mich da aufgetan haben, sind fantastisch. Neulich saß ein Kunde von mir am Flughafen und musste 2 Stunden auf seinen Check-in warten. Da haben wir dann einfach spontan eine Schulung gemacht und ich habe ihn dabei unterstützt, seinen PowerPoint-Vortrag zu optimieren. Einen Laptop hat heute ja fast jeder dabei, der geschäftlich unterwegs ist.

Genauso toll finde ich es, über Online-Tools mit meinen Kunden ganz spontan auf eine Homepage oder ein Layout schauen zu können und das weitere Vorgehen zu besprechen. Obwohl mein Gesprächspartner hunderte von Kilometern entfernt ist. Das ist so komfortabel und zeitsparend wie nur was.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Mich erschreckt es immer wieder, dass Menschen Informationen aus dem Netz unreflektiert als Tatsachen ansehen und ohne Gedanken an die Konsequenzen einen Shitstorm auslösen oder andere Menschen auf sonstige Art und Weise diffamieren. Unter Jugendlichen scheint das besonders beliebt zu sein und kann üble Folgen haben. Der 12-jährige Sohn einer Freundin wurde einmal von Klassenkameraden fast nackt aus seinem Haus gelockt und fotografiert. Die Fotos machten im Netz sofort die Runde. Er ist seitdem sehr gehemmt und schämt sich immer noch. Das ist für seine Entwicklung nicht gerade förderlich.

Ich empfinde das als Werteverfall und würde mir wünschen, dass wir alle mehr darauf achten und die Verantwortung nicht an Eltern, Schulen und die plattformgebenden Unternehmen wie Facebook, YouTube und Co. abgeben.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland/Europa:

Hier bin ich ein wenig überfragt, weil ich nicht so tief in der Materie stecke. Was ich allerdings in den letzten Jahren beobachtet habe, ist die aufgehende Schere bei der Honorierung bestimmter Leistungen rund um das Internet und die Digitalisierung. Während Fachinformatiker, Systemadministratoren, SEO-Spezialisten und Experten für Online-Marketing gut bezahlte Berufe sind, verdienen Online-Texter beispielsweise in der Regel viel weniger als klassische Texter. Weil es im Internet häufig um Masse statt um Klasse geht. Mir erscheint das nicht logisch. Informationen im Netz werden doch von sehr viel mehr Menschen gelesen als etwa eine Broschüre. Es sei denn, es ist der IKEA-Katalog.

Herausforderung für unseren Markt:

Meiner Erfahrung nach wissen viele Unternehmer nicht, wie viel Arbeit zum Beispiel ein guter Internetauftritt macht und welche Bandbreiten hier möglich sind. Woher auch. Hier gilt es, gezielt zu informieren und wieder Wertschätzung in die Kunde-Agentur-Beziehung zu bringen.

Mein Kooperationspartner, die Werbeagentur Elbfeuer, und ich arbeiten deshalb gern mit leicht verständlichen Analogien, vor allem, wenn wir die Frage aller Fragen erhalten: „Was kostet ein Internetauftritt?“

Wir vergleichen uns dann häufig mit einem Autohändler, der die Frage „Was kostet ein Auto?“ gestellt bekommt. Darauf direkt antworten kann der nämlich genauso wenig wie wir. Erst durch gezieltes Nachfragen ist die Angabe einer Hausmarke möglich. Wofür brauchen Sie das Auto (den Internetauftritt) denn? Welche und wie viele Personen fahren damit in der Regel (Wie sieht ihre Zielgruppe aus)? Welche Sonderausstattung hätten Sie gern – Klimaanlage, Sitzheizung, Rückfahrkamera (Shop, Blog und Co.)? Und so weiter.

Doch damit ist es noch nicht getan, weil die Kostenvoranschläge – auch von Textern und Werbeagenturen – selbst bei detaillierten Vorgaben sehr differieren. Warum? Bei der Berechnung spielen auch Erfahrung, Marken-Qualität und diverse weitere Faktoren eine Rolle. Ob der Unterschied bei Internetseiten wirklich so groß sein muss wie der zwischen einem Porsche Cayenne Turbo und einem Nissan X-Trail, kann ich nicht beurteilen. Von Dumping-Angeboten rate ich persönlich jedoch ab. Da hätte ich zu viel Angst, dass sich schon bald die ersten Schrauben lockern und die Funktionalität zu wünschen übrig lässt.

Herausforderung für unsere Firma:

Ich glaube, die Herausforderung für „meinen“ Markt ist auch die Herausforderung in meiner Selbstständigkeit. Gott sei Dank bin ich in der glücklichen Situation, von meinen Kunden gut gebucht und wirklich wertgeschätzt zu werden.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Oh, das ist gar nicht so leicht. Am meisten geärgert hat mich bisher, glaube ich, dass so viele veraltete Daten durchs Netz geistern. Auch von mir. Ich bin zum Beispiel schon vor sieben Jahren umgezogen, aber immer noch finde ich Firmendaten mit meiner alten Adresse. Eine Zeit lang habe ich versucht, die Absender zu identifizieren und die Daten ändern zu lassen. Irgendwann war es mir dann egal.

Am meisten gefreut habe ich mich von Anfang an darüber, dass ich (fast) überall auf der Welt ins Netz gehen und mich über (fast) alle Themen dieser Welt informieren kann. Das erleichtert mir meine Arbeit als Texterin ungemein.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog/eine Newsseite/ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Fachbezogen habe ich so spontan keine Eingebung. Was ich jedoch seit vielen Jahren regelmäßig lese, ist das P.M. Magazin. Jeder Artikel darin ist Storytelling, so wie ich es mir vorstelle. Kurzweilig, spannend und immer relevant. Das fasziniert und begeistert mich.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

Da fällt mir keiner ein.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„Professionelle Konfliktlösung: Führen mit Mediationskompetenz“. Das Thema Mediation interessiert mich schon länger. Doch erst, nachdem ich das Buch gelesen hatte, wurde mir wirklich bewusst, wie hervorragend sich Mediationskompetenz dazu eignet, Konflikte jedweder Art konstruktiv aufzulösen und in Win-win-Situationen umzuwandeln. Sei es im Beruf oder im Privatleben. Der Autorin Anita von Hertel gelingt es, das Verfahren so einfach, klar, praxisnah, großartig strukturiert und mit einer Prise Humor gewürzt vorzustellen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ich bleibe beim Thema Mediationskompetenz. Erst letztes Wochenende habe ich einen „Praxiskurs Mediation“ absolviert. Drei Tage lang durfte ich hier einerseits lernen, wie wichtig jede einzelne Phase (ALPHA-Struktur) der Mediation ist und was Allparteilichkeit und tiefe Wertschätzung für andere Menschen wirklich bedeuten. Andererseits konnte ich hautnah erfahren, wie schwer es ist, das in die Praxis umzusetzen. Da liegt noch ein ganz schön weiter Weg vor mir. Doch der erste Schritt ist getan.

das hilfreichste Tool/die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Die Spracherkennung meines Smartphones. Während ich früher, wie man sich das bei einer Kreativen vorstellt, überall Zettel und Stifte liegen hatte, um spontane Einfälle und besondere Formulierungen sofort aufschreiben zu können, zücke ich heute mein Handy, spreche die Idee mit Punkt und Komma auf und schicke mir alles per E-Mail. Das hilft mir ungemein, hat jedoch auch dazu geführt, dass ich keine ordentlichen Nachrichten mehr auf Anrufbeantwortern hinterlassen kann. Ich spreche auch dort die Satzzeichen mit. Die Macht der Gewohnheit. Neulich habe ich sogar beim Besprechen meines eigenen Anrufbeantworters sage und schreibe fünf Versuche gebraucht, bis ich den Text vollständig ohne gesprochene Satzzeichen aufgenommen hatte.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Bastian Sick, Journalist und Autor der Spiegel-Online-Kolumne Zwiebelfisch sowie der daraus entstandenen Buchreihen „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und „Happy Aua“.

Schon vom ersten Tag meines Texter-Daseins an habe ich versucht, die Menschen in meinem Umfeld – ob Freunde, Kollegen oder Kunden – von den Vorzügen korrekter Schreibweisen und grammatikalisch einwandfreier Sätze zu überzeugen. Doch es wollte mir nicht gelingen. Don Quijote gleich kämpfte ich gegen Windmühlen bei „Herzlich Willkommen“ (korrekt ist „Herzlich willkommen“), der richtigen Verwendung von als und wie, ß und ss, dem ordnungsgemäßen Gebrauch des Apostrophs und vielem mehr. Und dann kam Bastian Sick. Und erklärte uns die deutsche Sprache so leicht, intelligent und humorvoll, dass ich bis heute nicht genug davon kriegen kann. Deshalb würde ich sehr gern einmal einen Tag mit ihm zusammenarbeiten.

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