Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Dr. Christiane Strasse – Chem2Market

Dr. Christiane Strasse Chem2MarketWer ist Christiane Strasse? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

www.chem2market.com)

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich fürchte, da bin ich eher langweilig. .. ausser Yoga und kochen zur Entspannung vom Gründer Dasein… Würde ich gern mal mit dem Motorrad um die Ostsee fahren. … weiss nicht ob das bei Euch als Spleen durchgeht?

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir sind ein Online Marktplatz für Rohstoffe in der Chemie, mit dem Fokus auf Restmengen. So helfen wir dabei, die Entsorgung von wertvollen Rohstoffen zu vermeiden. Unsere Kunden und Lieferanten können so nachhaltiger und ökonomischer wirtschaften. Wir sind mit dem Marktplatz seit April diesen Jahres online und haben schon mehr als 5.200 Rohstoffe online sowie direkten Zugang zu mehr als 30.000 weiteren.

Unser Superpower? In dieser Form sind wir einzigartig auf dem Markt 🙂

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir sind in einer noch sehr analogen Branche eigentlich komplett digital aufgestellt  – von Anfang an. Schon aus Budget gründen.  Wir haben kein Lager, kein festes Büro, unsere wenigen Mitarbeiter arbeiten vom Home Office aus. Der Austausch erfolgt über Plattformen wir upwork (sehr zu empfehlen, wenn man die Aufgabe ganz genau definieren kann). Zum Arbeiten brauchen wir einen Laptop, ein Telefon und WLAN. Wir nutzen google for work unlimited und Pipedrive als CRM, haben auch keine Server mehr im ursprünglichen Sinne.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen. Leuchtet jedem unmittelbar ein, aber wenn man mal einen Einblick in die Chemie- und Kosmetikbranche bekommt… Wir haben Stichproben unter unseren Kunden gemacht, die haben im Schnitt Rohstoffe im Wert von ca 500.000€ pro Jahr als Restmengen, die zumeist teuer entsorgt werden. Teure Öle, Vitamine, Peptide, alles Mögliche. Ich war entsetzt. Das ist alles überhaupt nicht bekannt in der Öffentlichkeit, die meisten machen sich vermutlich keine Gedanken. Und ich befürchte, dass es nicht nur in unserer Branche so ist, sondern in vielen anderen auch. Man denke nur an die Textilindustrie und die Studie von Greenpeace, die kürzlich veröffentlicht wurde.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Tja, mein Eindruck ist, dass Deutschland immer noch vergleichsweise träge ist – es wird viel über Innovationen und Förderung geredet, aber der Blickwinkel ist m.E. sehr eng. Das entmutigt Menschen, die zwar tolle Ansätze und Ideen entwickeln, aber nicht die Hartnäckigkeit, sich gegen viele Widerstände zu behaupten.

Unternehmerische Menschen könnten es insgesamt ruhig etwas leichter haben, finde ich – das bezieht sich aber nicht nur auf die Netzwirtschaft, sondern zieht sich durch unsere Gesellschaft.

Hexrausforderung für unseren Markt:

Die Chemie ist im Vergleich zu anderen Branchen noch recht analog unterwegs – hier gibt es viel Potenzial. Wir wollen dazu beitragen, die Chemie etwas digitaler zu machen. Hierzu haben wir auch noch eine weitere Produktidee, die leider noch zu unreif ist, um sie hier zu skizzieren

Herausforderung für unsere Firma:

Wachstum mit geringen Ressourcen intelligent managen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Ich ärgere mich nur über schlechte Usability oder Funktionaliätt von Websites. Ich freue mich am meisten darüber, wie einfach es heute ist, sehr viele Unternehmensprozesse mit simplen tools abzubilden. Meine erste Firma habe ich 1999 gegründet, da war Vieles sehr mühsam..

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.cosmeticanalysis.com/de/ . Ich nutze das fachlich, es ist aber auch sinnvoll, wenn man einen bewußten Umgang mit Kosmetik  anstrebt, und natürlich http://www.chemie.de/.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

ein Artikel über das Leben von Diane von Fürstenberg, ich weiss aber nicht mehr wo. Nicht nur, dass ich ihre Kleider liebe – ich finde es sehr beeindruckend, wie ihr Leben dort beschrieben wurde.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Matthias Schranner „Verhandeln im Grenzbereich“. Ich habe auch mal einen Vortrag von ihm gehört und viel gelernt. Nicht nur für Verhandlungen im Berufsleben

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

EO Ted Event im November in Hamburg. Gelernt habe ich etwas über mich selbst, denn ich habe einen Vortrag gehalten und war sehr überrascht über die Reaktion des Publikums

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Pipedrive – tolles Tool, ich glaube ohne wäre unser Sales Prozess deutlich langsamer und komplizierter

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit einem erfahrenen Chemiker, der neue Produkte entwickelt. Oder mit einem ausgebufften Einkäufer ;-).

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