Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Philipp Dudek – FVW Medien

Philipp Dudek FVW MedienWer ist Philipp Dudek? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Als Chefredakteur Digital bin ich bei der FVW Medien GmbH mit meinem Team zuständig für die Online-Auftritte und digitale Entwicklung der Marken FVW, Traveltalk und Biztravel. Davor war ich lange Zeit Chef vom Dienst bei der „Hamburger Morgenpost“ und bei der „taz“.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Gitarren! Elektrisch! Laut! Viele!

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die FVW ist das führende Fachmagazin für die Tourismuswirtschaft im deutschsprachigen Raum. Wir machen die spannensten Wirtschaftsnachrichten und die wichtigsten Events für die Branche.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

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Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein

Herausforderung für die Gesellschaft, den Staat und  die Netzwirtschaft:

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sorglos sich viele Menschen im Internet bewegen und wie viel sie von sich preisgeben. Auch zweieinhalb Jahre nach Edward Snowden macht sich ein Großteil keinerlei Gedanken darüber, welche Datenspuren sie tagtäglich hinterlassen. In den kommenden Jahren werden sich Staat, Gesellschaft und Netzwirtschaft deshalb derselben Herausforderung stellen müssen: Wie gehen wir in einer digitalisierten Welt mit privaten Daten um?

Die Nutzer müssen lernen, dass sie sich selbst belügen, wenn sie sagen „ich habe doch nichts zu verbergen“. Der Staat muss seine Bürger vor Missbrauch und Repression schützen und ihnen uneingeschränkten Zugang zum Internet gewähren. Die Wirtschaft wird sich in Zukunft noch genauer überlegen müssen, welche Daten sie erhebt, wie sie sie sinnvoll auswertet – und schützt.

In den persönlichen Daten der Nutzer liegen aber natürlich auch die großen Chancen der Netzwirtschaft. Was Personalisierung und Individualisierung leisten können, können wir ja jetzt schon erahnen. Zum Beispiel wenn wir von Spotify aufgrund unserer gehörten Songs eine bislang unbekannte aber sensationelle Band vorgeschlagen bekommen. Auch die Nicht-Liniearität von Netflix und Youtube ist letztendlich ein personalisierter Service. Ich kann mir wann und wo ich will, ansehen was ich will. Um maßgeschneiderte Angebote für seine Nutzer wird auf Dauer niemand herumkommen, der im Internet Geld verdienen will.

Herausforderung für unseren Markt:

Dem Journalismus steht eine große Zukunft bevor. Ich bin mir sicher, dass wir erst anfangen zu verstehen, welche Chancen und Möglichkeiten das Internet unserer Branche bietet. Journalistisch und wirtschaftlich. Vor großen Herausforderungen stehen deshalb meiner Meinung nach nicht die Journalisten, sondern ihre Brötchengeber, die Verlage. Die bisherigen Marktführer im Nachrichten-Business müssen ihr Digital-Geschäft viel schneller vorantreiben. Investitionen, langer Atem, Visionen und Schnelligkeit werden entscheidend sein. Von alldem ist bei vielen Verlagshäusern leider zu wenig zu sehen und zu spüren. Derweil entsteht neue Konkurrenz durch Google, Xing und Apple, die ins Nachrichtengeschäft vorstoßen. Wenn die Verlage nicht aufpassen, werden ihnen die Neuen Ideen Mitarbeiter und das Anzeigengeschäft abnehmen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Bis heute freue ich mich am meisten über Youtube. Da tobt das pralle Leben. Ärgern tue ich mich seit der Einführung der Kommentarfunktion über Leser-Kommentare auf den großen deutschen Nachrichtenseiten.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

FVW (zur Tourismuswirtschaft).

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Begeistert ist zu viel. Aber zuletzt fand ich den Text „Das Ende der Arroganz“ von Bernd Ulrich in der „Zeit“ recht anregend.

http://www.zeit.de/2015/47/muslime-islam-westen-umgang

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Inspiriert hat mich mit sieben „Die Kinder aus Bullerbü“. Richtig gut fand ich in letzter Zeit „Über das Meer“ von Wolfgang Bauer und Stanislav Krupar. Die beiden Journalisten begleiten eine Gruppe Syrer auf ihrer Flucht nach Europa. Eine großartige Reportage, die echtes journalistisches Handwerk pflegt und ein brandaktuelles Thema behandelt.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Dieses Jahr hat mich ein Vortrag auf dem Scoopcamp in Hamburg begeistert. Thomas Wallner, Gründer und Inhaber von Deep Inc., hat einen aufwendig produzierten 360-Grad-Dokumentarfilm vorgestellt. Mein Aha-Erlebnis zum Thema Virtual Reality.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Firefox und dieses Erinnerungs-Tool auf meinem Mac. Ohne das Teil wäre ich aufgeschmissen.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Marten Blankesteijn, dem Gründer von Blendle. Um herauszufinden ob seine Idee des Online-Kiosks für Printtexte genial oder kacke ist. Ich bin mir da nämlich immer noch nicht so sicher.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.