Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Ole Olsen – Digital Collections Verlagsgesellschaft

Ole Olsen Digital Collections VerlagsgesellschaftWer ist Ole Olsen? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Eigentlich wollte ich Popstar werden. Sicherheitshalber habe ich aber parallel BWL studiert und durch einen Studentenjob bei der MOPO und beim NDR bin ich zum Journalismus geraten. Heute habe ich selber einen Verlag, der aber mehr zu einem Softwareunternehmen mutiert ist. Ich habe 3 Kinder, lebe getrennt und arbeite immer noch an meinem ersten Evergreen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen , verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich repariere gerne alles Mögliche, dabei führe ich intensive Selbstgespräche und freue mich, wenn man das Ergebnis sehen, hören und fühlen kann.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir hatten Anfang der 90er die simple Idee, Informationen digital zu verbreiten. Über Telefonleitungen und in Lichtgeschwindigkeit.

Dafür braucht man digitalen Content und muss auch wissen, welchen Content man benutzen darf – und finden muss man ihn auch.

Also haben wir eine Art Suchmaschine gebaut und den besonderen Anforderungen der Journalisten angepasst. Das hat weltweit eingeschlagen und hätten wir nicht den Filialeiter der Commerzbank Hamburg-Grindelhof als Finanzpartner gehabt – wer weiß, wo unsere Reise hingegangen wäre. Google wurde übrigens 7 Jahre danach gegründet.

Damals hat kaum jemand verstanden, wofür das gut sein soll und man hielt uns für durchgeknallt. Momentan finden es alle ganz toll und logisch.

Unsere Superpower liegt in der Kreativität und dem Mut, weiter zu denken. Es macht uns Spaß zu träumen, zu basteln und neue Dinge anzutesten. Häufig sind wir viel zu früh dran mit unseren Ideen. Das zahlt sich nicht immer aus aber Ruhm und Ehre kommt vor Reichtum.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir hängen direkt an der Kraft und Entschlossenheit unserer Kunden. Manche Kunden haben eine sehr klare Strategie und messbare Ziele – bei denen ist es leicht „Best Practises“ aufzuzeigen.

Eine US-Zeitung hat z.B. den ROI für unser System kalkuliert und errechnet, dass die Anschaffungs- und Projektkosten nach 13 Monaten amortisiert waren. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Zeitung nur noch einen Bruchteil der vorherigen Kosten zu tragen. Für diesen Verlag war es von existentieller Bedeutung, die Kosten zu minimieren und die Produktivität gleichzeitig zu steigern.

Momentan läuft es für uns antizyklisch und wir haben die besten Jahre seit Gründung. Jeder will heute eine große Content-Drehscheibe haben, die allen Content aufnimmt, vorhält, beobachtet, semantisch clustert, bewertet und in Echtzeit in alle Kanäle liefert. Früher waren wir oft das langweilige Archivsystem heute sind wir das führende System bei vielen Verlagen, das tut gut.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Zeitungen haben ihr Nachrichtenmonopol und gleichzeitig den Großteil ihrer Anzeigen an das Internet verloren. Paarship, Ebay, Immonet, Mobile, Monster, Facebook, Google usw. sind die neuen Anzeigenmarkt-Inhaber.

Von den Anzeigen-Erlösen und der Verbreitung wurden die Zeitungen früher und auch heute noch finanziert. Das Geld ist noch nicht ganz weg aber viel ist verloren. Im Klartext bedeutet dies, dass immer weniger Geld für Qualitätsjournalismus vorhanden ist.

Und da, das hat sogar Angela Merkel schon einmal auf einer BDZV-Tagung gesagt, beißt sich die Katze dann in den Schwanz. Weniger Geld, weniger Qualität; weniger Qualität weniger attraktiver Journalismus, weniger Leser, weniger Reichweite usw.

Es wird wohl wie in vielen anderen Branchen zu einer Polarisierung kommen. Journalistische Feinkostläden auf der einen Seite, auf der anderen Discounter und dazwischen wenig oder auch gar nichts.

Herausforderung für unseren Markt

Es stellt sich die Frage, wie man mit dem Content nicht nur die von Hubert Burda kolportierten Lousy Pennies, sondern ausreichend Geld verdienen kann, um lesenswerten Journalismus zu finanzieren. Musiker, wenn sie gut sind, können sich über Live-Auftritte finanzieren, auch wenn der alte Absatzkanal nicht mehr so funktioniert wie früher. Eine Flatrate àla Spotify wird vermutlich auch in unserer Branche kommen. Aber da endet dann auch die Analogie von Musik- und Verlagsindustrie.

Herausforderung für unsere Firma:

Für unsere Firma läuft es momentan hervorragend. Wir haben Tools mit denen unsere Kunden ihre Kosten senken und Perspektiven aufbauen können. Das Potential in Sachen Produktivität und Contentvermarktung wird von vielen noch nicht ausgeschöpft. Wir können in dieser Hinsicht noch viele Schätze mit unseren Kunden heben, werden so aber noch nicht wahrgenommen und sind konzeptionell vielleicht auch noch nicht klar genug.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet erzeugt Kartons, alles wird verschickt und Autisten, niemand muss mehr vor die Tür. Das ist traurig, aber gleichsam kann man es auch umdrehen und im Internet Leute finden, kennen lernen und sich Gehör verschaffen. Theoretisch können wir durch das Internet und insbesondere durch die mobilen Geräte Bedürfnisse zeitlich und örtlich erkennen und kommunizieren. RBNB, Car-Sharing, Uber und Ähnliches finde ich genauso banal wie total logisch und faszinierend. Weiter gedacht werden so alle Ressourcen immer optimal genutzt.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Nichts nervt und ist unproduktiver als etwas suchen zu müssen. Ich möchte gerne schneller finden. Ob es eine E-Mail, mein Schlüsselbund, mein Auto, ein passender Flug, ein Partner oder eine schöne Formulierung ist. Da ist noch Luft nach oben. Eine Firma allein wird das nicht wuppen können. Wir arbeiten auch dran.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

Ich liebe den Regenradar und Bluetooth Radios. Ich kann und konnte damit meine Mutter und meine Frau extrem beeindrucken.

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Turi2, Google Alerts, TechCrunch

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Don’t Listen to Your Users. And other lessons from building a consumer-facing app

https://medium.com/what-i-learned-building/the-user-is-always-right-eab73c620e7d

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

The Innovator’s Dilemma von Clayton Christensen – ein Buch über disruptive Veränderungen, die sich durch das Internet ergeben.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ich bin Mitglied bei EO (entrepreneur organisation), einer weltweiten Organisation, in der sich Selbstständige austauschen. Dort habe ich sehr viel gelernt und lerne ständig weiter.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ich liebe Keynote und schreibe ungerne Mails, sondern telefoniere lieber. Salesforce, obwohl wir da noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt haben. Und natürlich DC-X!

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Marc Zuckerberg. Ich glaube der ist schlau.