Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Michael Jäger – Eduversum

Michael Jäger Eduversum

Wer ist Michael Jäger? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Gestartet als Gymnasiallehrer für Politik und Kunst bin ich schon seit über 25 Jahren bei wechselnden Verlagen für die Entwicklung von innovativen Bildungsangeboten zuständig. Seit acht Jahren bin ich als Geschäftsführer der Eduversum GmbH in Wiesbaden unter anderem für Lehrer-Online verantwortlich.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Lehrer-Online über einen der reichweitenstärksten Kommunikationskanäle zu Schulen und Lehrkräften in Deutschland.

 Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Lehrer-Online ist seit 18 Jahren eines der wichtigsten Informations-, Material- und Serviceportale für Lehrkräfte im deutschsprachigen Raum. Als öffentliches Förderprojekt begonnen, wurde das Portal 2008 privatisiert und in eine Betreibergesellschaft, der heutigen Eduversum GmbH, überführt. Seitdem ist es nicht nur gelungen, das Portal ohne öffentliche Gelder weiter zu betreiben, es konnte auch bei gleicher Qualität weiter ausgebaut werden. Heute besuchen über 500.000 Lehrkräfte das Portal und laden mehr als 200.000 Unterrichtsmaterialien herunter – Monat für Monat. Täglich entwickelt die Fachredaktion ein neues Lernmodul mit zahlreichen Unterrichtmaterialien. Finanziert wird diese Entwicklung über zwei funktionierende Geschäftsmodelle: Online-Werbung und die Entwicklung redaktioneller Inhalte für Ministerien, Stiftungen und andere Einrichtungen. Künftig soll ein Freemiumangebot als dritte Säule die Finanzierung dauerhaft absichern. Neben den Content treten dann Mehrwertdienste, die Lehrkräfte in ihrer Unterrichtsvorbereitung effektiv unterstützen. Mit dieser Mischfinanzierung wollen wir ein tragfähiges Geschäftsmodell für einen Bildungsmarkt anbieten, der durch die Forderung nach Open Access einem starken Wandel traditioneller Finanzierungswege unterworfen ist. 

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Medienkompetenz ausreichend fördern, um den digital divide zu schließen und die Fachkräfte von morgen (eigentlich schon von heute) auszubilden.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Innovation und Bildung gehören zwingend zusammen und beides kostet Geld. Das müssen öffentliche und private Akteure akzeptieren und beherzt in notwendige Infrastrukturmaßnahmen und die Bildung und Ausbildung investieren.

Herausforderung für unseren Markt:

Die gängigen Geschäftsmodelle im Bildungsmarkt stehen vor einem grundlegenden Wandel. Die Digitalisierung lässt neue Formen der Contententwicklung und der -verbreitung zu, Verlage drohen ihre beherrschende Stellung als Ort der Aggregation, Ordnung und Distribution von Wissen zu verlieren. Wir werden eine bunte Landschaft von Anbietern und Geschäftsmodellen bekommen. Die Frage ist, wie Orientierung und Qualität gesichert werden können, wie wir bei den Nutzern Akzeptanz für neue Formate wecken und wie wir die Kompetenz schaffen, diese auch sinnvoll einzusetzen.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir sind Verlag und freier Bildungsanbieter gleichzeitig. Wir sehen uns an der Schnittstelle der augenblicklichen Innovationswelle. Wir wollen diese mit cleveren Ideen und qualitätsgesicherten Angeboten aktiv mitgestalten.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Anonyme Shitstorms begraben jegliche Debattenkultur unter sich, ein Dauerärgernis und kein Ende absehbar.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

twitter.com/EskenSaskia bringt mich auf den aktuellen Stand, was man in Berlin und anderswo über digitale Bildung diskutiert.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitales-lernen-der-unterricht-der-zukunft-14006097.html Das Silicon Valley scheint auch auf unserem Themenfeld die Nase vorn zu haben.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„Die digitale Bildungsrevolution“ von Dräger / Müller-Eiselt für alle, die mit digitaler Bildung zu tun haben eigentlich ein Muss.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Das OER Fachforum von Jöran Muuß-Merholz Anfang März in Berlin – inspirierend.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Outlook – leider.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Bei einer gelegentlichen Tasse Kaffee mit Stefan Aufenanger von der Uni Mainz, Claudia Bremer von der Uni Frankfurt oder Richard Heinen vom Learning Lab der Uni Duisburg erfahre ich meist mehr über digitale Bildung als auf tagelangen Fortbildungen.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.