Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Marcus Morba – Show it 360

Marcus Morba Show it 360Wer ist Marcus Morba? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Als „Lead of Innovation & Creative Department“ liegt mein aktueller Schwerpunkt im Auf- und Ausbau des Gemeinschaftsprojektes
Show it 360“ – dessen Ziel es ist Unternehmen – im speziellen aus der Bau- und Immobilienbranche – den Einstieg in die effiziente Nutzung von aktuellen Virtual Reality-Techniken zu erleichtern. Darüberhinaus berate und unterstütze ich seit vielen Jahren als Freiberufler Unternehmen bei der Umsetzung und Gestaltung Ihrer Internetauftritte und Anwendungen, im speziellen mit dem Opensource-CMS Drupal.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Als ehemaliger DJ und VJ bin ich schon immer ein Liebhaber von Digitaler Kunst, Bewegtbild und (elektronischer) Musik und unterstütze deshalb immer wieder gerne neue und alte Talente, sowie diverse Projekte – u.a. die Drupal-Community und das Berliner Projekt „Mörchenpark“.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Aktuell sind wir eine der wenigen Firmen im Raum DACH, die in der Lage ist bestehende Räumlichkeiten in 3D und HDR sehr effizient zu erfassen und virtuell abzubilden. Durch unsere langjährige Erfahrung und branchenübergreifenden Tätigkeiten können wir die Wünsche und Anforderungen unserer Kunden sehr effektiv analysieren und Ihnen zur technischen Dienstleistung auch die richtige Einsatzstrategie konzipieren und umsetzen um deren Unternehmensziele zu erreichen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Da viele unserer Projekte sehr vertraulich sind und ich ein Anhänger von „kreativem Content“ bin, möchte ich hier gerne ein kurzes Beispiel anführen wie schon der minimale Einsatz unserer Virtual Reality-Rundgänge die Besucherzahlen sehr positiv beeinflusst. Für unseren Kunden Sportwagen Teiber haben wir einen virtuellen Autohaus 3D-Rundgang erstellt und das dazugehörige Facebookposting mit wenig Werbeeinsatz zusätzlich promotet.

Allein dadurch konnten wir die Besucherzahlen in folgenden Wochen um nahezu 200% steigern, der Spitzenwert im Tagesvergleich lag sogar bei fast 500%. 85% der Besucher waren dabei neue Interessenten. Dies zeigt, dass schon durch den einfachen Einsatz eine durchwegs positive Resonanz zu verzeichnen ist.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Grenzen und Barrieren abbauen – auch die im Kopf – um eine generelle Zusammenarbeit bei globalen Problemen zu fördern und um effektiver zusammen zuarbeiten. Auch die zunehmende Aufspaltung der Gesellschaft in in vielerlei Hinsicht halte ich für eine sehr bedenkliche Entwicklung und eine Große Herausforderung dem entgegenzuwirken. Weniger Diskutieren – mehr machen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Europa muss für innovative Firmen und Gründer noch attraktiver werden. Es gibt zwar viele Innovations- und Förderprogramme, doch gerade für kleinere Unternehmer und deren Projekte ist es extremst schwierig sich durch die Bürokratiehürden zu arbeiten oder überhaupt das richtige Förderprogramm zu finden. Von Inkubatoren würde ich mir etwas mehr Mut zur Förderung von unkonventionellen und wirklich neuen Ideen wünschen. Zu viele der neuen Startups orientieren sich meiner Meinung nach an Vorbildern aus den USA oder kopieren bereits vorhandene Ideen und Konzepte nach bewährter Methodik.

Herausforderung für unseren Markt:

Auch wenn „Virtual Reality“ aktuell in der Branche das Hypethema schlechthin ist, besteht speziell in Deutschland und Europa noch sehr viel Bedarf an Aufklärungsarbeit, speziell im erfolgreichen Einsatz jenseits der Spiele- und Automobilbranche.

Seitens der Kunden gibt es hier noch sehr viel Bedenken bezüglich des Einsatz von virtuellen Rundgängen – viele Interessenten befürchten z.B. dass dadurch die Besucherzahlen vor Ort geringer werden. Tatsächlich ist es aber so, dass die allgemeine Aufmerksamkeit und somit auch die Besucherzahlen eher zunehmen.
Länder wie China und die USA haben hier in der Anwendung wie so oft 2-3 Jahre Vorsprung.

Deshalb wäre es sehr wünschenswert, wenn der Staat innovative Projekte in dieser Art durch Förderungen für die Unternehmen welche diese Technologien einsetzen wollen unterstützen würde, damit auch kleinere und mittlere Unternehmen sich diese globalen Marketinginstrumente leisten können. Zudem könnte der Staat selbst als Vorreiter ein Vorbildbeispiel sein, in dem er z.B. im Tourismusmarketing erfolgreiche Innovationsprojekte umsetzt.

Da aktuell viele Medienunternehmen, auch diese die den Trend „Virtual Reality“ bisher verschlafen haben, auf den Zug aufspringen, gilt es vor allem, die jetzt schon einsetzbaren Technologien erfolgreich bei einer breiteren Masse am Markt mit positiven Beispielen zu etablieren und hinsichtlich der erfolgreichen Anwendung Aufklärungsarbeit zu leisten, um Negativerlebnisse auf der Kundenseite zu vermeiden welche für eine erfolgreiche Markteinführung sehr hinderlich wären.

Herausforderung für unsere Firma:

Als junges Unternehmen wollen wir uns natürlich zunächst einmal am Markt entsprechend platzieren und etablieren. Speziell als „Early Adapter“ müssen wir erfolgreich die Anlaufphase meistern. Das beinhaltet zum einem Aufklärung zu betreiben um generell mehr Aufmerksamkeit und Interesse zu generieren und zum anderen unsere Lösungen zu etablieren und weiter zu entwickeln, denn nichts ist beständiger als der Wandel.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Als Webdesigner und Frontenddeveloper freut einem natürlich der Fortschritt und neue Technologien. Zugleich ist dies aber oft auch ein Ärgernis, ich denke da an den guten alten Internet Explorer 6 der mir einige schlaflose Nächte bereitet hat und mittlerweile durch unzählige Browserversionen und mobile Devices mehr als nur einen Nachfolger gefunden hat.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.media.mit.edu – definitiv eine der besten Quellen für Inspiration, neue Ideen und zukunftsweisende Entwicklungen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://www.creativeapplications.net/featured/10-most-memorable-projects-of-2015/ – ebenfalls eine sehr guter Blog und in diesem Falle ein Nachschlagewerk für oft unentdeckte und aussergewöhnliche Projekte.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Robert Rodriguez – Rebel without a Crew. Der Titel spricht hoffentlich für sich.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

www.offf.ws). Wo sonst kann man sich direkt mit Joshua Davis, Aaron Koblin oder Erik Spiekermann in entspannter Atmosphäre über Ideen und Projekte unterhalten.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ist da ich „Designing in the Browser“ bevorzuge und dank Drupal viele Tätigkeiten direkt im CMS-Backend ohne Programmierung realisieren kann tatsächlich mittlerweile mein favorisierter Webbrowser Chrome.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Im Bezug auf ein Projekt welches ich bisher noch nicht verwirklichen konnte, sollte hier eigentlich der Name David Bowie stehen, denn in in Punkto Musik, Kunst und Entertainment war er ein Visionär der seinesgleichen sucht. Eine andere Person dessen Werke mich immer wieder beeindrucken, weil er die verschiedenen Medien und Technologien gekonnt und mit Hintergedanken in Einklang bringt ist Aaron Koblin von VRSE.

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