Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Matthias Steinforth – kernpunkt

Matthias Steinforth kernpunktWer ist Matthias Steinforth? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

kernpunkt, einer Internetagentur mit Büros in Köln und Stuttgart. Ich bin seit fast 20 Jahren online, seit über zehn Jahren Mitglied beim 1. FC Köln und begeistere mich für die digitale Transformation in allen Lebensbereichen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Meinen ersten Marathon bin ich 2010 in Paris gelaufen (Punktlandung bei 3:59 h) und ich koche leidenschaftlich gerne. Allerdings fehlt mir für beides aktuell die Zeit, da ich mich – neben den beruflichen Herausforderungen – seit bald fünf Jahren auch dem Projekt „Familienunternehmen“ widme und möglichst viel Zeit mit meiner Frau und meinen Töchtern verbringe.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

kernpunkt ist eine Agentur für Digitales Marketing und E-Commerce. Wir sind eine Agentur, die von Digital Natives gegründet wurde (mein Kompagnon und ich sind beide Jahrgang 80). Daher sind die digitalen Kanäle und das Internet für uns selbstverständlich. Dieses Selbstverständnis ist unsere Superpower und hilft uns und unseren Superhelden (unseren Mitarbeitern), Kunden mit neuen Ideen und Konzepten zu begeistern und die Herausforderung „Digitale Transformation“ zu meistern.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir leben und arbeiten digital. Papierlos ist unser Alltag noch nicht-aber wir haben es geschafft, fast alle Prozesse in Vertrieb, Projektmanagement, Personal, IT und Controlling auf eine digitale Plattform zu bringen und zu vereinen. Das hat es uns bereits vor einigen Jahren erlaubt, wirtschaftliche sehr gut zu planen, unseren unternehmerischen Erfolg zu überwachen und eine solide Basis für ein gesundes Wachstum zu schaffen.

Hierfür haben wir die Lösung Projektron BCS in 2009 eingeführt. Das System ist noch heute im Einsatz und bildet – trotz gelegentlicher Schmerzen – die Grundlage für alle Prozesse in unserer Agentur.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Wir müssen einen neuen Umgang mit dem Thema Datenschutz hinbekommen. Und hierbei kann eigentlich nur eine Selbstverpflichtung der digitalen Unternehmen die Grundlage sein: Personenbezogene Daten ermöglichen komplett neue Geschäftsmodelle und sind die Grundlage vieler Innovationen – nicht nur im Digitalen Marketing oder E-Commerce. Die Menschen gehen derzeit noch sehr leichtfertig mit ihren Daten um. Dies darf nicht ausgenutzt werden, sondern muss zum Vorteil der Nutzer – und nicht nur der Unternehmen oder geheimdienstlichen Institutionen – eingesetzt werden.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

In Deutschland sehe ich zwei große Herausforderungen: Wir brauchen gute Fachkräfte, um das Thema Digitalisierung in den Unternehmen voranzutreiben. Und wir brauchen mehr Mut, Fehler zu machen. Innovative Geschäftsmodelle, neue Technologien – all das ist Try and Error. Und daher müssen die Unternehmen bereit sein, Erfahrungen zu sammeln. Aus meiner Sicht wird zu viel auf die Leuchtturmprojekte geschaut, die dann von anderen kopiert werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Wenn ich mir unseren Markt betrachte, dann glaube ich, dass dieser – für uns als mittlere Agentur mit derzeit 70 Mitarbeitern – immer groß genug sein wird. Die Herausforderung ist es daher, die passenden Kunden zu finden, die langfristig mit uns zusammenarbeiten wollen. Kunden mit denen wir auf Augenhöhe kommunizieren, eine Sprache sprechen und gegenseitiges Verständnis für unsere jeweiligen Arbeitsweisen, Prozesse und Geschäftsmodelle haben.

Herausforderung für unsere Firma:

kernpunkt.de/karriere). Dieses Jahr war ich erstmals in der Situation, dass ich nicht mehr alle Mitarbeiter mit Namen kenne. Für uns war ein nachhaltiges Wachstum stets sehr wichtig und hier sehe ich für uns die größte Herausforderung: Zu wachsen und gleichzeitig die Grundideen, die Philosophie und den Charakter des Unternehmens beizubehalten.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert: Der Internet Explorer. Aber die Zeiten sind ja vorbei. Ich ärgere mich häufig über schlecht gemachte Web-Angebote: Online-Shops mit fehlerhaften Checkout-Prozessen bei denen ich mich frage, ob die mein Geld nicht wollen. Oder Webseiten, die nicht durchdacht sind, bei denen ich nicht die Informationen finde, die ich benötige.

Ich freue mich richtig, wenn mich ein Online-Angebot begeistert. Wenn ich denke: Wow, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Es sind häufig Details, Kleinigkeiten, die aus Standard etwas Besonderes machen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich hätte gerne ein Klamotten-Abo für Basics mit einer pauschalen monatlichen Gebühr. Jemand, der mir regelmäßig neue Socken, T-Shirts, alle paar Monate eine neue Jeans oder Shorts liefert. Ich habe selbst schon daran gedacht, etwas in diese Richtung zu machen.

Seit einem Jahr bin ich von Hellofresh ziemlich angetan: Diese Art von Geschäftsmodellen sollte es noch mehr geben. Startups, die mir Service und nicht Produkte verkaufen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich schaue regelmäßig bei excitingcommerce.de vorbei. Das Thema E-Commerce ist faszinierend und hoch dynamisch. Um dort am Ball zu bleiben, braucht es wirklich viel Zeit.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

http://www.content-driven-ecommerce.de/koennte-e-commerce-innovation-aussehen/ – Interessantes Gedankenspiel zum Thema Content und E-Commerce. Aus meiner Sicht liegt hier die Zukunft: Online-Shops müssen Produkte emotionaler und ansprechender präsentieren. Udo Butschinek stellt das in seinem Blog recht interessant dar.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Sorry, hier muss ich passen. Ich habe lange kein Business-Buch mehr gelesen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Onlinethinketing von Karl Kratz: Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal teilgenommen und Karl live erlebt. Mein Schädel brummte nach dem Tag, aber die Impulse waren schon echt sehr cool und wertvoll.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Outlook: Ich kämpfe täglich den Zero-Inbox-Kampf. Auch, wenn ich mich der Null eigentlich nur vor Urlauben nähere, schaffe ich es schon die Zahl der Mail einstellig zu halten und letztendlich damit eine Taskliste zu erzeugen.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich hätte mal Bock einen Tag mit Jeff Bezos oder Larry Page zu verbringen. Ich würde einfach nur nebenher laufen. Ich bin fasziniert von Unternehmern, die innerhalb weniger Jahre zu Weltmarktführern geworden sind. Unternehmen, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind.