Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Martin Wilhelm – Heidenheimer Zeitung

Martin Wilhelm Heidenheimer Zeitung
Foto: Jennifer Räpple

Wer ist Martin Wilhelm? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Auch wenn das andere sicher besser könnten – ich will es mal versuchen. Nach gut 18 Jahren bin ich nach Studium, Volontariat und verschiedenen beruflichen Stationen mit Sack und Pack in meinen beschaulichen Geburtsort zurückgekehrt um dort den elterlichen Verlag in sechster Generation fortzuführen. Seit drei Jahren kämpfe ich jetzt mit den Vor- und Nachteilen eines kleinen Zeitungsverlages. Die neue alte Heimat habe ich dabei sehr schätzen gelernt. So groß der jugendliche Drang aus dieser Stadt zu fliehen damals auch war, man könnte es eine Liebe auf den zweiten Blick nennen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich hasse Unpünktlichkeit.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

heidenheimer-zeitung.de) wollen Tag für Tag unsere Leser mit unseren gut recherchierten Geschichten begeistern. Inhaltlich gut recherchiert und dem Medium entsprechend aufbereitet. Mir ist es dabei egal ob gedruckt oder digital.

Der lokale Handel ist uns wichtig. Wir hängen mit Wohl und Wehe an ihm und müssen daher erfolgreiche Marketingstrategien finden. Auch hier gilt: Egal ob gedruckt oder digital.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Auch wenn es kein wirklich brauchbarer Erfolgsindikator ist – aber bei einer verkauften Auflage von 26.000 (knapp 47.000 Einwohner) 16.083 Follower auf Facebook ist doch ganz ordentlich.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Es geht uns ja darum, dass jeder Mitarbeiter, egal wie alt oder affin er ist, sich mit unseren Produkten auseinandersetzt. Jeder Mitarbeiter ist wie eine Visitenkarte, der da draußen auf uns, unsere Inhalte und Produkte angesprochen wird. Die Digitalisierung fängt im Büro mit ganz banalen Dingen wie Wlan, Schulungen, zahlreichen Flat-Screens auf denen die Webseiten und Reichweiten zu sehen sind, Tablets im Schalter für Kunden, Mitarbeiterangebote für Tablets, Smartphone für alle Mediaberater und auch für eine wachsende Anzahl an Redakteuren, mehr Laptops und Zugang zu unseren Systemen von überall, Großraumbüros mit kleineren Wohlfühlbereichen, Digitalisierung der Ausgaben seit Firmengründung… usw. an und geht dann natürlich bei der Produktentwicklung weiter. Unser Jugendmagazin Noise-online.de ist nur noch digital verfügbar (und dafür von der IFRA prämiert), wir experimentieren sehr viel digital (Freude und Trauerportal, Fupa, Kaufdown, Google Business View, usw) und versuchen mit Misserfolgen umzugehen und daraus zu lernen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Datenschutz. Datenschutz. Datenschutz. Das wird noch lustig für uns, unsere Kinder und alles, was man jemals online gemacht hat oder machen wird, ohne darüber nachzudenken, wer das alles sehen und verarbeiten kann.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich persönlich halte es für schwierig, wie multinationale Konzerne scheinbar ohne moralische Verpflichtung oder rechtliche Bindung an unsere Gesetze agieren dürfen. Auch wenn das jetzt naiv klingen mag.

Herausforderung für unseren Markt:

Ich sehe sehr große Chancen, dass wir auch in Zukunft mit unseren Inhalten viele Menschen erreichen, die dafür auch Geld zu zahlen bereit sind. Beim Anzeigenmarkt bzw. unseren lokalen Händlern würde ich mir den gleichen Optimismus wünschen. Da habe ich aber ein etwas komisches Bauchgefühl.

Herausforderung für unsere Firma:

Die Herausforderung in einem Traditionsunternehmen wie unserem ist es sicher, den beständigen Wandel herbeizuführen. Mitarbeiter in einem Umfeld von nicht enden wollenden Innovationen, Veränderungen in der Verlagswelt und gravierenden personellen Umstrukturierungen zu motivieren und sich z.b. auf Themen wie die Digitalisierung zu fokussieren.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Meine Systeme (alle) zu vernetzen und eine (einzige) Datenbank als Basis dafür zu verwenden.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

die üblichen Verdächtigen … für die mache ich jetzt aber keine Werbung

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Ist schon etwas her, aber es ging um Eric Schmidt und die Regeln für das Beantworten von Mails

http://time.com/3425368/google-email-rules/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Es gibt da so ein Buch von Roger Sterling über Zitate aus Mad Men….

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Gibt es doch gar nicht.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Notizen und Aufgaben auf einem Exchange Server

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Das war Martin Wunnike.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.