Interview
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Interview mit Hubertus Väth – NewMark Finanzkommunikation

Hubertus Väth NewMark FinanzkommunikationWer ist Hubertus Väth? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer der NewMark Gruppe um den Kern der PR- und Marketingagentur NewMark Finanzkommunikation. Nach meiner Zeit als Chefvolkswirt und Kommunikationsleiter der Deutschen Bank Singapur wurde ich Marketingleiter eines Geschäftsbereichs in Frankfurt. Ende 1996 folgte dann mit NewMark der Schritt in die Selbstständigkeit.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Effizienz! Ich suche immer nach dem kürzesten Weg. Ich hasse Zeitverschwendung. Das gilt auch ganz praktisch und in jedem Bereich meines Lebens: Während meiner Zeit in Singapur fuhr die U-Bahn fast direkt von meiner Wohnung in den Keller meines Bürogebäudes. Und heute liegt meine Wohnung nur fünf Gehminuten von der Agentur entfernt. Auch der Draht zu meinen Mitarbeitern ist Dank Digitalisierung mit der Zeit immer kürzer geworden. Lesehinweise gibt es bei mir nur noch per Smartphone. Wo ich mehr Effizienz in mein Leben holen kann, bin ich Early Adopter – ich liebe technische Neuerungen, die mir den Alltag erleichtern. „The Biggest Room in the World is the Room for Improvement“ – dieser Satz wird dem Ex-US-Außenminister Henry Kissinger zugeschrieben. Und für mich ist er zu einer Art Lebenscredo geworden.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: Was macht Ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wenn immer es um Geld geht, kommunizieren wir wirkungsvoller. Seien es Unternehmen, die Investoren suchen, Banken, Asset Managern oder Staaten. Wir wissen wie der Markt, die Kunden und die Regulatoren ticken und beraten dabei wie man zum Ziel – in der Regel dem Investment – kommt, unabhängig vom Medium.  Corporate Communication, Public Affairs und Marketing Services sind unsere Kerndisziplinen. Wir sind Berater und Redakteure, waren Konzernsprecher, Journalist, Marketingleiter oder Art Director. Unsere Superpower liegt in der kreativen Verzahnung von Kunden-, Markt- und Kommunikations-Know-how.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Sogar zwei: NewMark betreibt seit 2008 die Geschäftsstelle von Frankfurt Main Finance e.V., das ist die Standortinitiative des Finanzplatzes Frankfurt. Zu den gut 40 Mitgliedern zählen neben dem Land Hessen sowie den Städten Frankfurt und Eschborn zahlreiche namhafte Unternehmen, die dem Finanzplatz eng verbunden sind. 2014 gelang es uns, die Bundesbank und das Hessische Wirtschaftsministerium beim Pitch um den Clearing Hub für die chinesische Währung erfolgreich zu unterstützen. Zeitlich hat Frankfurt London, Paris und Luxemburg den Rang abgelaufen. Im gleichen Jahr haben wir erstmals zusammen mit der Eintracht Frankfurt den „Frankfurt Main Finance Cup“ veranstaltet, ein Pokal, bei dem die führende Fußballmannschaft eines anderen internationalen Finanzplatzes zu Gast ist. Vergangenes Jahr war das Inter Mailand, in diesem Jahr kam der F.C. Tokyo nach Frankfurt. Beide Spiele fanden im ausverkauften Stadion vor rund 50.000 Besuchern statt. Nie hatten wir mehr Reichweite für unsere Botschaften. Alleine mehrere Millionen in Japan. In diesem Jahr haben wir das Konzept noch um eine Konferenz „Anstoß am Finanzplatz – Fußball und Finance“ mit dem FAZ Forum erweitert, mit sensationellen Gästen aus Fußball, Finance und Medien und einem Klasse Medienecho. Alle Beteiligten wollen unbedingt weiter machen. Es hat viel Engagement erfordert, die einstige Idee zu einem solchen Erfolg zu führen. Fußball ist der perfekte Träger, innovative Formate und Top Inhalte ergaben den Supermix. Und die Fähigkeit vernetzt und groß zu denken und zu handeln.

Wie lebt Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir leben Digitalisierung mit „State of the art“ Technologielösungen, arbeiten mobil und stationär, nutzen cloudbasierte Lösungen für flexibles arbeiten und Server vor Ort – alles voll integriert. Open Source ist mir noch zu wenig im Einsatz,  die neuen Medien sollten noch mehr im Fokus stehen. Leistungsfähige Datenbanken für Journalisten und Dialog sind ein ständige Herausforderung. Wir sind komplett weg von eigenen Tools zu Cloudlösungen und Open Source-Anwendungen gegangen; mobile office ist gelebte Praxis. Als Unternehmensältester wundere ich mich schon öfter mal, dass ausgerechnet ich da der Antreiber sein muss. Mit über 2000 LinkedIn Vernetzungen pflege ich das und fordere ständig neue Kreativität zur Kommunikation via Twitter, Youtube oder per Blog und Vodcast ein. Das Besondere: Digitalisierung ist über das reine Arbeitswerkzeug zum Lifestyle geworden. Trotzdem: Wenn bei Vorträgen alle auf das Handheld schauen, höre ich auf zu sprechen und entschuldige mich, gestört zu haben. Digitalisierung ist toll, aber Umgangsformen und Sprachfertigkeit verdienen es, verteidigt zu werden. Wenn wir uns bewusst machen, dass wir hier erst am Anfang stehen, wächst der sprichwörtliche „Room for Improvement“ gefühlt ins Unendliche. Das ist faszinierend und fordernd zugleich. Ich gewinne mitunter den Eindruck, dass gerade unsere Kunden aus dem Finanzbereich hier häufig noch zu abwartend agieren und den jungen aufstrebenden FinTechs das Feld zu überlassen drohen – im Zahlungsverkehr ist das eindrücklich zu beobachten.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Der unreflektierte Aktionismus muss wieder zurück gedrängt werden. Sachliche Analyse statt dogmatischer Meinungsstärke würde helfen. Ich sehe uns ansonsten die Potentiale der Digitalisierung verschwenden oder für Viele gar ins Gegenteil verkehren. Attention Deficit Syndrome ist heute ein gängiger Befund, grausam. Durch die Digitalisierung wird alles beschleunigt möglich. Wir leben im Hier und Jetzt. Gut, aber auch gefährlich. Der Abstand, das Zurücklehnen, das Nachdenken gerät ins Hintertreffen. Klare Gedanken, Abwägen, Analysieren Zuhören und Verstehen sind Tätigkeiten, die Zeit erfordern. Die Hysterie, mit der Medien täglich neue Aktionen fordern, macht dagegen krank; Staat und Gesellschaft. Das verhindert das klare analytische Denken. Vom denkenden und gestaltenden Menschen werden Sie zum getriebenen und reflexhaft handelnden Menschen. Es triumphieren Parolen und neue Glaubenssätze.

Gut dagegen ist: Der Staat wird transparenter in seinem Handeln, unfreiwillig aber zwangsläufig. Statt den gläsernen Bürger sollten wir den gläsernen Staat fordern, schließlich ist es unser Steuergeld. Wissen Sie was der Staat heute schon mit dem freien Zugang zu ihren Bankkonten tut? Sollten Sie! Komisch, dass dies keinen Datenschützer beschäftigt. Sie sollten informiert werden müssen, wer von den Beamten wieder meinte, sich Ihre Finanzen ansehen zu müssen. Es sind viele, viele mehr als Sie denken.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die urdeutsche Angst vor Kontrollverlust und der daraus resultierende Glaube, alles regeln zu müssen, stößt an seine Grenzen. Erlaubt einfach mal Markt und vertraut nicht der Hybris der Verwaltung.

Herausforderung für unseren Markt:

NewMark bewegt sich auf zwei verschiedenen Märkten: dem der Medien und dem Finanzmarkt. Im Medienmarkt wird es darum gehen, der Qualität von Inhalt wieder einen Preis zu geben. Im Finanzmarkt wird es darum gehen, die Sicherheit zu nehmen, hinter regulatorischen Mauern gut überwintern zu können, indem man auch  mal eine App anbietet. Im ersteren Fall geht es darum, den Umgang mit Information in der neuen Welt zu verstehen und im zweiten Fall die Macht der Digitalisierung nicht nur als Effizienzfrage, sondern als Thema der Wertschöpfungstiefe zu verstehen. Man muss erkennen, dass sich die Wertschöpfung analog zur Automobilindustrie in den letzten 30 Jahren neu aufstellen wird.

Herausforderung für unsere Firma:

Relevant zu bleiben. Antworten auf die Fragen der Kunden zu haben, die sie heute noch gar nicht selbst in Worte fassen können.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgert am Internet die Möglichkeit, darin ungestraft Menschen zu diffamieren. Wie dort mit Schmutz auf Menschen geworfen wird, ist menschenverachtend. Das darf so nicht bleiben.

Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen mit großer Mühe, Wissen teilen. Wer mal in Bibliotheken in Karteikästen suchen musste, wird auf ewig dankbar sein.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ein Dashboard, an dem ich durch wenige Häkchen dann klar definierte Arbeitsprozesse in der Agentur anstoße und überwachen kann. Gesteuert durch ein wirklich funktionierendes Spracherkennungsprogramm.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Thomas Mayers volkswirtschaftlicher Blog.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Die Serie in der FT zu den Konsequenzen von Indexinvesting auf die Märkte

http://www.ft.com/intl/indepth/rise-of-the-index

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Breaking Banks: The Innovators, Rogues, and Strategists Rebooting Banking von Brett King

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

http://innotribe.com/

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Das sind zu viele. Vom Outlook-Kalender bis Doodle. Von OwnCloud bis zum Navi und viele weitere nützliche Helfer..

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich würde gerne einmal mit Sergey Brin an der Frage arbeiten, wie man das menschliche Hirn in das Netz ein- und sicher wieder auslocken kann.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.