Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Marlon Litz-Rosenzweig – TALERIO

Marlon Litz-Rosenzweig TALERIOWer ist Marlon Litz-Rosenzweig? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir nicht nur den  Unternehmer kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

TALERIO geführt hat.

Elevator Pitch! Was macht TALERIO? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

Wir sorgen dafür, dass Unternehmen die besten Kandidaten für ihre offenen Stellen bekommen. Unternehmen geben uns beispielsweise ihr genaues Stellenprofil. Wir filtern aus mehr als 75.000 bei uns registrierten Akademikern die besten Kandidaten für diese Position – und zwar mit Hilfe eines Algorithmus‘ nach Kriterien wie Fachwissen, Abstraktionsfähigkeit, Kreativität und noch weiteren Qualifikationen. Dafür haben wir in Zusammenarbeit mit unserem wissenschaftlichen Beirat ein komplexes System entwickelt.

Irrelevante Faktoren wie Geschlecht oder ethnische Herkunft spielen hingegen keine Rolle. Das hat zwei Vorteile für Unternehmen: Sie erhalten eine höherwertige Kandidatenauswahl, und sie vermeiden versehentliche Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

Die Unternehmen können die Kandidaten dann ansprechen und sie zur Bewerbung einladen. Erst wenn ein Kandidat sich konkret für die Stelle interessiert, wird seine Identität dem Kunden ersichtlich.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”?

Wir haben mit unseren Kandidaten bereits zusammengearbeitet: Sie haben bei Mylittlejob schon kleinere Aufträge erledigt. Daher wissen wir Vieles über ihre Stärken und Schwächen, das Personaler aus einem Bewerbungsschreiben und einem anschließenden Interview kaum herauslesen können. Wir wissen, wie sorgfältig die Kandidaten arbeiten, ob sie ungewöhnliche Problemlösungen entwickeln, wie gut ihr Fachwissen ist und mehr.

Das heißt übrigens nicht, dass man in allen Disziplinen top sein muss, um von uns empfohlen zu werden. Das hat mehr mit dem Anforderungsprofil zu tun: Wenn ein Unternehmen einen Buchhalter sucht, braucht man Sorgfalt, aber große Kreativität bei Buchhaltern muss gar nicht das Beste für ein Unternehmen sein. Umgekehrt ist für jemandem, der im Marketing Impulse setzen soll, Kreativität wichtig, das penible Abarbeiten vorgegebener Prozesse ist aber möglicherweise für seinen Aufgabenbereich völlig irrelevant.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”?

Wir beschäftigen mittlerweile mehr als 25 Mitarbeiter, sodass wir aus Start-up-üblichen „Jeder kann und macht alles“ entwachsen sind. Mein Hauptaufgabengebiet liegt in der Produktentwicklung – ich bin gewissermaßen zuständig für die Ideen, welche Angebote sowohl den bei uns registrierten Akademikern als auch unseren Kunden auf Unternehmensseite helfen. Und als Geschäftsführer bin ich natürlich, gemeinsam mit meinem Mitgründer, zuständig für die Geschäftsentwicklung als Ganzes.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten (oder Jahren) sein?

Es wird viel darüber gesprochen, wie weit diese und jene Branche in der Digitalisierung ist. Das geht meines Erachtens an der Realität vorbei: Es geht nicht um Branchen, sondern um Aufgabenbereiche innerhalb von Unternehmen. In einer Werbeagentur wird die eigentliche Kernleistung inzwischen überall digital erbracht. Beim Accounting wäre ich schon nicht mehr so sicher, ob das alles state of the art ist. Und im Personalbereich setzt sich nur ganz langsam die Erkenntnis durch, dass das Verfahren „Human Resources Manager überfliegen hunderte Lebensläufe“ heute nicht mehr notwendig ist, sondern dass man mit Computerunterstützung die besten Kandidaten finden und denen dann viel mehr Zeit bei der Endauswahl widmen kann. Das kann man mit geringem Aufwand wesentlich verbessern. Aber Unternehmen, die insgesamt wenig digital denken, sehen diese Möglichkeit skeptisch. Da gilt es noch dicke Bretter zu bohren.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich (oder würdest Dich gerne) verbessern?

Unser Erfolg hängt davon ab, dass wir die uns vorliegenden Daten auf clevere Weise analysieren und gute Matches zwischen Unternehmensbedarf und Akademikerprofilen erkennen. Das ist wesentlich komplexer, als einfach eine Stellenprofil-Checkliste mit dem Lebenslauf abzugleichen. Auf menschlicher Seite unterstützt uns dabei unser wissenschaftlicher Beirat, aber auch technikgetrieben gibt es da viel Potenzial auszuloten. Deshalb interessiere ich mich für die Themen Artificial Intelligence und Machine Learning, also die algorithmische Verallgemeinerung erfolgreicher Beispielfälle.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Data Driven Recruiting ist ein sehr spezielles Thema, leider gibt es keinen Blog mit dieser Spezialisierung. Wir leisten auf diesem Feld ein Stück weit Pionierarbeit.

einen Artikel (mit URL), der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (und warum?)

http://www.nytimes.com/2015/08/16/magazine/how-rock-star-became-a-business-buzzword.html. Ein nachdenklicher Text darüber, wie die Beurteilung von Werten und Fähigkeiten sich im Laufe der Zeit nicht nur verändert, sondern komplett in ihr Gegenteil verkehren kann.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Thinking, fast and slow“ von Daniel Kahneman. Der Autor analysiert, wie durch das Unterbewusstsein geprägte Schlüsse zu suboptimalen Entscheidungen führen – und was man dagegen tun kann, in diese Falle zu tappen. Bei unserem Geschäft geht es auch darum, schnelle Entscheidungen durch gute zu ersetzen. Dafür kann man von Kahneman viel lernen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

NOAH Berlin 2015. Bei der Konferenz ging es um branchenübergreifende Kooperation und Problemlösung sowie disruptive Trends, die unsere Arbeit oder die Märkte tiefgreifend verändern werden. Die Ambitionen der Teilnehmer haben mich begeistert.

ein hilfreiches Tool / Software für Deine Arbeit

Eigentlich nichts Spezielles. Das meiste, was wir brauchen, haben wir selbst entwickelt. Für die Standarddienste, die in jedem Unternehmen benötigt werden, setze ich auf die Google Apps.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten?

Sergej Brin. Die Leistung, die er mit der Entwicklung der Google-Suchmaschine bereits 1998 vollbracht hat, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Doch hier war nicht Schluss. Mittlerweile bietet Google eine Lösung für die meisten Probleme im Internet, vom Informationen-Auffinden über E-Mails schreiben und Projektplanung bis zur Dateiverwaltung und noch mehr.