Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Manuel Inhester – asymmetrie

Manuel Inhester asymmetrie
Foto: Georg Simmerstatter

Wer ist asymmetrie ? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

asymmetrie, einer Agentur für Gestaltung und visuelle Kommunikation. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder . Ich habe ein Faible für gute Typographie und schöne Schriften (das bringt der Beruf wohl so mit sich). Das bringt meine Frau auch manchmal zur Verzweiflung, weil ich immer auf der Suche nach typographischen Kleinoden bin, seien es Fachbücher oder einfach nur außergewöhnlich gut gestaltete Bücher.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Das ist leider schon kein kleiner Spleen mehr und manchmal auch eher hinderlich im Geschäftsaufbau, aber ich hasse Rechtschreibfehler. Wie die Pest. Von Grammatikfehlern ganz zu schweigen. Und damit meine ich jetzt nicht den klassischen Wechstabenverbuchsler, sondern schwerwiegende Fehler wie willkürliche Apostrophensetzung bei Plural, Genitiv oder einfach überall, wo ein kleines s am Ende steht. Es gibt unzählige Rechtschreib- und Prüffunktionen, der Duden bietet eine wunderbare Online-Ausgabe, das muss einfach nicht sein. Vor allem nicht in offiziellen Publikationen, Drucksorten, Anschreiben und Websiten. Hm, jetzt bin ich doch wieder beim Beruf gelandet. Einen privaten Spleen? Ich plane seit Jahren mit meinem Bruder den perfekten Banküberfall. Aber irgendwie kommen wir da auch nicht weiter, sonst würden wir dieses Interview gar nicht führen 😉

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir decken sowohl den digitalen als auch den analogen Bereich ab. Das fängt an von der Konzeption und Gestaltung von Websites und Benutzeroberflächen (ja nach Größe und Komplexität des Projekts mit oder ohne Partner),  über klassische Drucksorten wie Magazine, Bücher, Kataloge und Geschäftsberichte bis hin zur Außendarstellung (Messen, Gebäude, Fahrzeuge).

Da ich aus dem Printbereich komme, wo sehr viel wert auf gute Typographie gelegt wird, versuche ich, diese Qualität auch in meine Onlineprojekte hinüberzuziehen. Mittlerweile gibt es ja mit den Webfonts und diversen Erweiterungen tolle Möglichkeiten, gute Typhographie zu realisieren. Und die leichte Erfass- und Lesbarkeit eines Textes oder der zu vermittelnden Botschaft sollte immer noch das A und O eines Mediums sein. Was hilft der schönste Content, wenn er nicht lesbar ist?

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Da fällt mir sofort der Vortrag “Visuelle Orientierung für wahrnehmungseingeschränkte Menschen” von Prof. Kilian Stauss ein. Er schilderte im Rahmen der Turn 2014 anhand eines Projektes ein alternatives Leit- und Orientierungssystem für Menschen mit Behinderung und beeinträchtigter Wahrnehmung, bei der er gezwungen war, ganz neue Wege der Gestaltung und Benutzerführung zu gehen. Zwei Dinge habe ich daraus mitgenommen: dass die Vielseitigkeit der Gesellschaft auch uns Gestalter immer wieder vor spannende Aufgaben stellen kann, darf und soll. Und dass man nichts als gegeben nehmen sollte.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Als offener, neugieriger Mensch benutze ich gerne neue Geräte, Technologien und Applikationen. Und lasse natürlich die Erfahrungen, die man dabei macht, gerne in neue Projekte einfließen. Aktuell ist das zum Beispiel die Verwendung von QR-Codes in Verbindung mit Google-Maps, um bei einer Orientierungskarte für Flüchtlinge passende Routen und Anlaufstellen sofort auf dem Smartphone in der jeweiligen Landessprache verfügbar zu machen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Da gibt es so viele Dinge, die dringend anstehen: Der Schutz der Freiheit des Netzes, Schutz der Privatsphäre, Digitalisierung der staatlichen Institutionen, Ausbau eines Glasfasernetzes, etc.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Der Aufbau einer innereuropäischen Netzstruktur bzw. sinnvollen Alternativen zu den großen Monopolisten. Dazu müsste auch der Staat mehr in Risikoprojekte oder Startups investieren.

Herausforderung für unseren Markt:

Netzfahrpläne für Unternehmen, die die ersten Schritte in Netzwirtschaft wagen und sich dort ob der vielen Möglichkeiten und Kanäle verloren vorkommen.

Herausforderung für unsere Firma:

Denen sehe ich mit Neugier und Freude entgegen. Man wächst ja mit jedem Auftrag. Wichtig ist mir, eine ausgewogenes Verhältnis zwischen meiner Passion und meiner Famile zu finden. Gerade bei drei jungen Kindern ist jeder Augenblick, den man mit ihnen verbringen kann, unheimlich wichtig.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich freue mich jeden Tag über die Annehmlichkeiten des Webs. In dieser Geschwindigkeit Informationen, Inspirationen und Hilfen zu bekommen ist nach der Erfindung des Buchdrucks sicherlich einer der größten Sprünge in der Entwicklung der Menschheit. Ärgern muss ich mich nur manchmal, wenn man diesen Segen manchen Menschen vorenthalten will.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Das perfekte Font-Management. Hier gibt es immer noch keine wirklich rundum befriedigende Lösung, die leicht und intuitiv bedienbar wäre. Wobei es seit OpenType schon sehr viel komfortabler geworden ist.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Fachmagazin: Print Isn’t Dead (experimentelle Typografie mit außergewöhnlichen Drucktechniken), Brand eins (immer wieder inspirierende Themen), Novum Gebrauchsgraphik (Pflichtlektüre)

Commarts Daily (Website für Kommunikationsdesign und visuelle Künste)

rockhard.de (was landet als nächstes auf der Playlist)

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Snow Fall – The Avalanche at Tunnel Creek von der NYT
http://www.nytimes.com/projects/2012/snow-fall/#/?part=tunnel-creek
Dieser Artikel ist ein Musterbeispiel für perfektes Infotainment

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Gerard Unger: “Wie man’s liest” (Niggli Verlag)

Gesine Hildebrandt | Jim Williams: “Schrift wirkt!” (Verlag Hermann Schmidt)

Ralf de Jong | Friedrich Forssman: “Detailtypografie” & “Lesetypographie” (Verlag Hermann Schmidt)

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Da darf ich auf die Vortragsreihen der typographischen Gesellschaft München verweisen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Adobe Creative Cloud

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Oh, da gäbe es einige. Wenn ich ganz unverschämt sein darf, würde ich gerne mal Stefan Sagmeister über die Finger schauen. Die Leichtigkeit, mit der er innovative Designkonzepte aus dem Ärmel schüttelt, besäße ich auch gerne. Etwas weniger unverschämt: Killian Stauss. Man sieht schon, der vorhin erwähnte Vortrag hat mich sehr beeindruckt. Hier beeindruckte mich die Konsequenz, mit der er auf das Projekt eingeht, um wenn nötig, unbekannte Wege (erfolgreich) zu beschreiten.