Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Annette Uhlmann – UHLMANN PR

Annette Uhlmann UHLMANN PRWer ist Annette Uhlmann? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin 40 Jahre alt, geborene Stuttgarterin, seit 20 Jahren in Bayern zu Hause (München und Augsburg), Kommunikationswissenschaftlerin und Mutter einer 3-jährigen Tochter. Ich war acht Jahre im Legoland Deutschland in der Pressestelle, davon vier als Leiterin Presse & PR. Anfang 2010 habe ich das getan, wovon ich schon immer geträumt habe: ein eigenes Unternehmen gegründet – die Agentur UHLMANN PR. Unsere Arbeit macht jeden Tag Spaß – auch wenn es mal Phasen gibt, in denen wir nicht wissen, wo uns der Kopf steht. Das Tolle ist: Wir haben mit lauter wertschätzenden Kunden und sinnigen Produkten zu tun, denn Anfragen, hinter denen wir nicht persönlich stehen, lehnen wir ab.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich habe als 10- oder 12-jährige mal zum Spaß damit angefangen, Wörter rückwärts zu sprechen. Als nächstes habe ich dann allmählich ganze Sätze rückwärts geübt (also auch die Reihenfolge der Worte entsprechend von hinten nach vorne) und dann festgestellt, dass das auch in anderen Sprachen Spaß macht. Noch heute schmeißen mir Familie und Freunde immer wieder mal komplizierte Sätze mit der Frage hin: „Was heißt das rückwärts?“. Mein Lieblingswort im Sommer: Mukilisab.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

UHLMANN PR sind wir auf die Öffentlichkeitsarbeit für Marken, Produkte, Dienstleistungen und Organisationen spezialisiert, die Kinder und Familien als Zielgruppe haben. Weil unser Versprechen an die Journalistinnen/Journalisten, an unsere Kunden und auch an uns selbst „Wir kommunizieren Werte“ heißt, arbeiten wir ausschließlich für hochwertige, sinn- und wertvolle Dinge. Z.B. für auf Kinderbedürfnisse abgestimmte Spielsachen und Bücher, nachhaltige Reiseangebote für Familien, gut durchdachte Dienstleistungen wie Kinderklamotten zum Mieten, Bio-Kinderbekleidung etc. Mit diesem Profil sind wir auf dem deutschen Agentur-Markt einzigartig.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Da nenne ich am besten das Beispiel UHLMANN PR selbst: Wir haben durch die Kombination aus Kinder- /Familienthemen und dem Werte-Aspekt eine so klare Markenbotschaft und eine so deutliche Abgrenzung zu den vielen tausend anderen PR-Agenturen erreicht, dass wir am Markt extrem schnell bekannt und sichtbar geworden sind. Als ich die Agentur vor fünf Jahren gegründet habe, war mir noch nicht bewusst, wie ausschlaggebend der erste Schritt ist: Die Definition der eigenen Marke. Wenn es einem gelingt, EIN klares Markenversprechen zu kommunizieren und zu erfüllen und sich dann professionell sichtbar zu machen, ist das der beste Grundstein für den Erfolg. Dann rufen auch die großen Namen wie Langenscheidt, Samsung & Co. an

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Ich frage mich oft, wie unsere Arbeit ohne Computer, dem omnipräsenten Internet und den entsprechenden Programmen funktionieren würde. Bilderarchive, Presseverteiler, der Versand von Pressemeldungen und auch die tägliche Zusammenarbeit mit unseren (inter)nationalen Kunden ist durch die Digitalisierung unglaublich komfortabel.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Meine Generation verkörpert den Übergang zwischen der Offline- zur Online-Gesellschaft. Wir sind zu 100% in der realen Welt aufgewachsen (in den Nachbarsgärten, den ganzen Sommer ohne Eltern im Freien, mit drei Fernsehprogrammen). Für unsere Kinder existiert die reale Welt manchmal nur noch am Rand – ihr Kopf steckt mitten in der virtuellen Welt (mit vom Handy geprägter Feinmotorik, laufender Überwachung und bewegten Bildern all überall). Wie sich im ununterbrochenen Online-Leben Kinder, ihre Kompetenzen und Probleme entwickeln und damit auch die Gesellschaft? Ich bin mir sehr sicher, dass wir in 20 Jahren nicht nur jubeln, sondern auch deutliche Problemfelder erkennen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa: 

Wie viel Individualität und Unbeobachtet sein wird es in Zukunft noch geben? Wo können wir uns Bereiche des Lebens sichern, aus denen keine Informationen abgezapft werden? Das sind für mich die großen Fragen, bei denen ich von Deutschland und der EU eine reflektierte und intelligente Vorreiterrolle erwarte.

Herausforderung für unseren Markt:

Öffentlichkeitsarbeit fand noch vor wenigen Jahren ausschließlich in den klassischen Medien statt: Zeitungen, Magazine, TV oder Radio. Heute ist die Frage: Ist eine Facebook-Seite ein Medium? Ist ein Blog mit 500 Lesern wichtig? Die alten „Massenmedien“ rücken immer weiter in den Hintergrund, v.a. auch bei den Kundenwünschen, und eine Flut an neuen Kontakten kommt dazu. Nach wie vor sind aber Medien wie beispielsweise „Eltern“ und „eltern.de“ die Reichweiten-Stars und müssen unbedingt entsprechend bedient werden. PR- Aktivitäten in dieser Gemengelage sinnvoll einzusetzen und zu gewichten, ist die große Herausforderung der Kommunikationsbranche.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir haben schon öfters gewitzelt, dass es sich lohnen würde, eine UHLMANN PR „bad bank“ zu gründen, die alle wertbefreiten und sinnlosen Dinge für Kinder und Familien als Agentur betreut, die wir ablehnen. Zum Glück holt uns die Arbeit mit unseren Kunden schnell wieder in die Realität zurück und zeigt uns, dass man auch mit „Werten“ gute Geschäfte machen kann.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten freut mich der praktische Zeitgewinn, den das Internet mit sich bringt: Für ganz spezielle Dinge, die man sucht, braucht man keine langen Wege mehr durch unzählige Läden einplanen, alle Informationen der Welt sind schnell und jederzeit verfügbar, Vieles ist unglaublich bequem geworden.
Am meisten am Internet ärgert mich, dass meine direkten Mitmenschen weniger präsent sind und man ständig die Aufmerksamkeit mit kleinen schwarzen Geräten teilen muss. Schöne Momente werden lieber mit hundert Facebook-Freunden geteilt als im Augenblick mit den real anwesenden Menschen zu genießen. Das nervt mich sehr!

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich hätte gerne eine App, die beim Betreten der Wohnung und zu Beginn des Wochenendes alle Social Media und beruflichen Aktivitäten auf den mobilen Endgeräten deaktiviert. Und zwar für alle Familienmitglieder verpflichtend 😉

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Um ehrlich zu sein: viele PR-Fachmedien nerven mich. Meistens schwafeln Wichtigtuer über ihre Errungenschaften und wollen die Leserinnen/Leser glauben lassen, dass sie die Welt neu erfunden haben. Viel bedeutender ist mir der regelmäßige Austausch mit erfahrenen Kollegen und Kolleginnen, die offen sind und auch mal über ihre Fragezeichen im Kopf sprechen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Ich bin ein großer Fan der „Sagen Sie jetzt nichts“-Interviews des Süddeutsche Zeitung Magazins. Schon die Fragen selbst sind immer genial.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Die verkaufte Kindheit“ von Susanne Gaschke. Die ehemalige ZEIT-Redakteurin beschreibt sehr eindringlich, wie Kinderwünsche für die Vermarktung von Produkten missbraucht werden.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Der Icon Kids & Youth Kongress, der alljährlich in München stattfindet: Was ich jedes Mal wieder lerne? Gerade Unternehmen, die Kinder als Zielgruppe haben, müssen sich ihrer moralischen Verantwortung stellen. Passiert aber leider viel zu selten.

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Der gute alte Online-Zimpel: die Standard-Datenbank für alle Journalisten-Kontakte zum Erstellen und Ergänzen von Presseverteilern.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Sehr interessant fände ich mal eine Woche mit dem Regierungssprecher Steffen Seibert. Ich würde gerne Mäuschen sein in seinem Tagesgeschäft und in der Zusammenarbeit mit Angela Merkel. Einer der spannendsten PR-Jobs in Deutschland…