Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Kerstin Mehle -Plots International

Kerstin Mehle Plots InternationalWer ist Kerstin Mehle? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Die Frage hat sich mir auch schon oft gestellt – weil ich so viele Seiten habe und das Leben mehr zu bieten hat als einen Job. Ich bin Drehbuchautorin, Dramaturgin, Filmemacherin und Dozentin, dazu habe ich eine kleine Galerie, unterrichte gerade Flüchtlinge und schaue beherzt in die Zukunft. Wenn noch Zeit ist, singe ich, fotografiere und reise an unbekannte Orte wie z.B. Nicaragua oder Szczecin in Polen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Oh je – ich habe einen ganzen Zoo an Kuscheltieren und Handpuppen und spiele mit denen Theater.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Unsere Superpower von Plots International liegt in der Stoff-Entwicklung für Film und Fernsehen, momentan im Development von internationalen Mini-Serien, das, was gerade besonders gefragt ist. Und wir bekommen extrem gutes Feedback auf unsere Art zu schreiben. Es scheint sehr anschaulich zu sein!

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Besonders erfolgreich waren wir mit der Rettung von „IN ALLER FREUNDSCHAFT“ für die ARD und den MDR. 1998 stand die Serie quotenmässig vor dem Aus. Man hat mich wie Red Adair für das Löschen der Ölquellen geholt, um aus den rudimentären Plotlines und den wenig glaubwürdigen Charakteren doch noch eine Langlaufserie zu machen, Erfahrung hatte ich ja von der LINDENSTRASSE und MARIENHOF. Bis heute – und das sind jetzt 18 Jahre – läuft die Leipziger Ärzteserie wie geschnitten Brot und hat sogar noch einen Ableger, ein Spin-off bekommen: DIE JUNGEN ÄRZTE. Über Zahlen dabei zu reden, verbietet sich in der Branche immer noch – obwohl man bestimmt sagen kann, dass 20 Millionen allein durch die Nutzung der Studiobauten amortisiert worden. Was nur schade ist, die zahlreichen  Wiederholungen und Auslandsverkäufe für die beteiligten Autoren in meinem Team von damals und danach werden nicht vergütet, der Buy-out-Vertrag macht´s möglich und sollte dringend vom juristisch vom Tisch.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Das Juristische sprach ich schon kurz an im Zusammenhang mit Drehbuchschreiben und Urhebervertragsrecht. Da ist jede Menge zu regeln, wir Autoren und Head-Autoren brauchen einen großen Unterstützerkreis, der gerade in den letzten Jahren mit dem Ruf nach freier unbezahlter Nutzung von geistigen Gütern kollidiert. Dass wir nicht streiken – und zwar alle gleichzeitig und mindestens ein halbes Jahr! – ist unsere Schwäche. Die 400 Journalisten der PANAMA-PAPERS-AKTION waren ja auch in der Lage, ein Jahr still zu halten (nicht einer ist ausgeschert – beachtlich! Welche Loyalität zum eigenen Job, der weltweiten Recherche an sich und den fleissigen Kollegen – Hut ab!)

Nochmal in aller Kürze: Wir brauchen angemessene Vergütung für unsere Werke und wir brauchen Freiraum für Recherche, Entwicklungsarbeit, um Qualität ins Fernsehen und in die Kinos zu bringen. Davon hat auch der Staat etwas, denn durch Erzählen formieren sich auch gesellschaftliche Narrative.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Es braucht bessere Absprachen und mehr Transparenz. Digitale Monopolisten sind in jeder Weise zu beobachten, sie können, weil privatwirtschaftlich organisiert und neoliberal orientiert, schneller bestimmen, wie die Standards – IHRE Standards – aussehen, als wir schauen können. Das betrifft über Europa hinaus noch eher die Vertreter aus den USA.

Herausforderung für unseren Markt:

Vielleicht brauchen wir auch mal wieder kleinere Strukturen, überschaubare und funktionierende Netzwerke für Partikularinteressen, die sich dann allerdings auch wieder nach der Spezialisierung zusammentun sollten mit den Bigger Players, wenn man sich ergänzt.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir müssen ständig à jour bleiben – und zwar auf sehr vielen Gebieten, damit uns nichts entgeht. Das bedeutet, dass wir uns bemühen, gegen Art von Dummheit anzuschreiben.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Die Passwörter ärgern mich total – ich habe einfach keine Kapazitäten, für jedes Login meine Hirnwindungen zu strapazieren, sorry!

SKYPE hat mich am meisten gefreut – meine Freunde sehen und wie sie leben und wohnen, wenn ich sie am anderen Ende der Welt nicht mal kurz besuchen kann. Eine tolle Freundschaftsbewegung!

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.blaetter.de

www.flassbeck-economics.de

www.zeit.de

www.sueddeutsche.de

Warum die Blätter für Internationale Politik? Ich muss wissen, was in der Welt, besonders in Europa gerade verhandelt wird – und zwar nicht nur aus journalistischer Sicht.

Flassbeck ist ein einsamer Rufer und hat viel mehr Beachtung verdient. Ich habe erst durch ihn wirtschaftliche Zusammenhänge wirklich begriffen.

Die beiden letzten sprechen als Tagesquellen und Wochenrückblick für sich.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://www.zeit.de/2016/13/fluechtlingskrise-verunsicherungen-psychologie-auswirkungen

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ringvorlesung der Aeneas Silvius Stiftung Basel im Frühjahrs-Semster 2016 über EMPATHIE

Die Professoren der Reihe hatten alle eine fundierte Begründung, weshalb es an Empathie derzeit mangelt bzw. wieso es sie so dringend wieder braucht. Vor allem weil viel zu viel Religion in der Politik regiert …

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Premiere Pro

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Noam Chomsky – er denkt woanders hin – und ich finde ihn extrem sympathisch!

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.