Interview
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Interview mit Ulrich Beckmann -Questback

Ulrich Beckmann QuestbackWer ist Ulrich Beckmann? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin 1968 in Gütersloh in Westfalen geboren und ländlich aufgewachsen. Ich habe eine große Liebe zum Sport und lange aktiv Handball gespielt. Studiert habe ich Wirtschaftsinformatik in Paderborn und bin danach für meinen ersten Job nach Düsseldorf gezogen. Die Stadt im Rheinland und so nah am Ruhrgebiet hat mich bis heute gefangen. Trotz vieler langer Projekte in München und anderen schönen Städten ist Düsseldorf die Heimat für mich und meine Familie geworden. Dort lebe ich mit meiner Frau und meinen zwei Jungs (13 und 10).

Sport ist weiterhin meine größte Leidenschaft. Aktiv: Tennis, Laufen, Ski und Snowboardfahren, auch gerne in Kanada zum Heli-Boarden. Wenn die Knie dann immer noch halten manchmal Fußball: Väter gegen die Kinder.  Außerdem fahre ich sehr gerne Motorrad.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

So einen richtigen Spleen habe ich glaube ich nicht. Habe extra noch mal bei meiner Frau, meinen Kindern und meinem besten Freund nachgefragt. Ich bin aber schon ein sehr durchgeknallter Fan von Borussia Dortmund. Ich verpasse fast kein Heimspiel und bekomme trotz meiner 48 Jahre ich immer noch – wie ein kleiner Junge – vom “You never walk alone” eine Gänsehaut.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir stellen Feedback-Management-Software für große Mittelständler und Konzerne her und decken dabei die Bereiche Mitarbeiter Feedback, Kunden-Feedback und Marktforschung ab. Unsere Superpower ist, dass wir extrem komplexe Hierarchie- und Organisations-Strukturen richtig erfassen und in Online-Umfragen abbilden können. Wir sorgen dafür, dass etwa bei unserem Kunden Telekom garantiert keinem der rund 68.000 Mitarbeiter redundante oder sinnlose Fragen bei den Mitarbeiterbefragungen gestellt werden.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Eine sehr schöne Best Practice ist meiner Ansicht nach unser Kunde Hilti. Hilti holt sich bereits mit regelmäßigen Telefon-Umfragen Feedback zu Loyalität und Zufriedenheit der Kunden. Was noch fehlte war, das Kundenfeedback unmittelbar nach einem Kontakt mit dem Unternehmen abzuholen, um mit diesen Echtzeit-Ergebnissen die Geschäftsprozesse optimieren zu können. Dies haben wir auf Basis der Questback Enterprise Feedback Suite und einer SAP Schnittstelle ermöglicht. Die Kunden wurden nach dem Kontakt mit einem Account Manager, einem Hilti Center, einer Online-Bestellung, der Hotline oder dem Reparatur-Service eingeladen, einige Fragen zu beantworten. Sie konnten ihre Antworten über verschiedene digitale Endgeräte einreichen. Die Software im Hintergrund sorgte dafür, dass diese Informationen den bereits bestehenden Kundendaten richtig zugeordnet werden konnten. Die wöchentliche Auswertung zeigte dann, was bereits gut lief und wo es noch Verbesserungspotential gab. Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Werte für die allgemeine Zufriedenheit und Loyalität der Kunden haben sich seit dem Start der Echtzeit-Feedback-Messung gegenüber den stärksten Mitbewerbern signifikant erhöht. Und zufriedenen Kunden halten ist ja bekanntlich weitaus lukrativer als neue Kunden zu gewinnen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Das Thema Datenschutz und Sicherheit stellt eine ganz besondere Herausforderung aber auch Verantwortung für den Staat dar. Hier muss Deutschland sich stärker positionieren und aktiv an diesen Themen arbeiten. Die Gesellschaft insgesamt ist viel zu gleichgültig und vertraut zu sehr auf einige große Unternehmen. Wir müssen gemeinsam die Verantwortung übernehmen, unseren Kindern die Konsequenzen der Digitalisierung näher zu bringen. Das wird durch den extremen Wandel sehr schwierig, da einige Menschen den Anschluss schon verloren haben.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa: 

Ich denke, dass Realität und Darstellung der infrastrukturellen Bedingungen näher zusammen wachsen müssen. Der Ausbau von Breitbandnetzen und durchgängig verfügbaren WLAN-Netzten braucht zu viel Zeit. Selbst in den Ballungszentren der Wirtschaft bin ich teilweise erschrocken, wie weit wir hinter anderen europäischen Ländern zurück liegen. Da muss einfach viel mehr Geschwindigkeit rein.

Herausforderung für unseren Markt:

Besonders für unseren Feedback Markt ist die Digitalisierung extrem wichtig und von zunehmender Bedeutung. Die jungen Generationen möchten z.B. nicht mehr einmal pro Jahr an einer schriftlichen Mitarbeiterbefragung teilnehmen, sondern Ihr Feedback jederzeit, von jedem Ort und von jedem Device einbringen. Das wird aber nur akzeptiert, wenn die Lösungen Durchgängig sind und das Feedback ankommt. Wer Feedback gibt und merkt, dass sein Feedback im Sande verläuft, wird sich nicht mehr beteiligen.

Herausforderung für unsere Firma:

Für uns als Unternehmen gilt es besonders unseren Vorsprung in Datensicherheit und Software made in Germany weiter auszubauen. Für unsere Kunden ist es zum einen wichtig, dass unsere Software ausschließlich in deutschen Rechenzentren gehostet wird. Zum anderen müssen wir natürlich für die Daten unserer Mitarbeiter und Kunden höchste Sicherheit und Schutz gewährleisten. Dies muss sich sowohl in der Software als auch in allen Prozessen abbilden.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert: Das es nach wie vor nicht überall in Deutschland durchgängig und ausreichend schnell zur Verfügung steht. Besonders in der Bahn. Dort verbringe ich am meisten Zeit und deshalb stört es mich dort besonders.

Auf der Anwendungsseite ärgert mich am meisten, das sinnlose liken von irgendwelchen Belanglosigkeiten und der Mitteilungswahn anderer Menschen ihr gesamtes Leben preiszugeben. Das ist auch der Grund warum ich nicht bei Facebook bin. Das ist mir einfach zu langweilig.

Gefreut: Dass das Thema Sicherheit in Deutschland ernst genommen wird und die Gefahren nicht wie in vielen anderen Ländern verharmlost werden. Ich freue mich die grandiosen Möglichkeiten des Internets zu nutzen bei größtmöglichem Schutz meiner Privatsphäre.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich beschäftige mich weniger häufig mit Fachthemen und bin sehr allgemein interessiert. Die n-tv Seite und App ist wirklich gut gemacht und sehr aktuell. Die nutze ich sehr häufig. Das Handelsblatt Morning Briefing finde ich klasse und gehört zum Start in den Tag dazu.

Da ich lange im Bereich Business Intelligence tätig war finde ich es extrem spannend, wie BI immer wichtiger in unserem Feedback Geschäft wird. Die Kunden möchten immer mehr mit den Feedback Daten machen, diese frei analysieren und Zusammenhänge erkennen. Über Neuigkeiten im BI Bereich informiere ich mich am liebsten in der Computerwoche oder bei tdwi.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Ich lese gerne Artikel über unternehmerische Querdenker. Da hat mich der Bericht “out of business” im letzten manager magazin begeistert. Die Vorstellung von Elon Musk mit seinen Tesla Plänen im Kampf gegen die stehengebliebene Automobilwelt ist sehr eindrucksvoll. Es ist toll zu sehen, wie diese Branche aufgemischt wird, damit endlich wieder Innovation entsteht.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

The Circle von Dave Eggers. Die Vision, dass es Pflicht ist, jegliches Wissen zu teilen, löst unglaubliche Aktionen aus. Der Gedanke, dass es keinerlei Geheimnisse mehr geben darf weil alles im Internet geteilt wird ist die größtmögliche Steigerung von Transparenz. Der Gedanke ist krank aber extrem inspirierend und wir sollten uns damit auseinandersetzen, damit wir nicht schleichend in so eine Welt abdriften.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

Die Microsoft Office Tools auf meinem Mac verbinden mich halbwegs gut mit der Windowswelt 😉 Das ist aber noch deutlich Potenzial drin.

Ansonsten hilft meiner Familie die Sofatutor App in der Schule und bringt mir somit mehr Zeit für die Arbeit. Das finde ich gut.

Und ja, ich nutze natürlich auch unsere Questback Feedback App, mit der alle Mitarbeiter im Unternehmen verschiedene Prozesse fortlaufend bewerten können. Wer mal bei Questback in Köln zu Besuch ist, kann an der Licht-Farbe an unserem Begrüßungs-Counter erkennen, wie wir gerade „performen“.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Sehr gerne einmal mit unserer Ministerpräsidentin Frau Kraft in NRW, um mit ihr über digitale Transformation und Start-Up Kultur zu sprechen. Ich finde es traurig, wie sich ein Land wie NRW mit diesem Potential an Menschen und Möglichkeiten hier abhängen lässt.

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