Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Katharina Geutebrück – Geutebrück


Wer ist Katharina Geutebrück? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin 50 Jahre alt und geschäftsführende Gesellschafterin der Geutebrück GmbH. Nach meinem Studium zum Wirtschaftsingenieur war ich ein halbes Jahr lang in Italien als Projektleiterin tätig im Bereich Tourenoptimierung für ein Unternehmen, das Berufskleidung und Putztücher vermietet. Danach war ich knapp drei Jahre in Frankreich internationale Produktmanagerin für technische Leuchten in einem europäischen Konzern für Leuchten und Leuchtmittel. Ins elterliche Unternehmen eingestiegen bin ich dann im Mai 1997 zunächst als Marketingleiterin und zwei Jahre später neben meinem Vater auch als Mitgeschäftsführerin. Meine Eltern haben sich dann sukzessive aus dem operativen Geschäft zurückgezogen bis mein Vater 2012 offiziell aus der Geschäftsführung ausgestiegen ist. Seitdem leite ich das Unternehmen gemeinsam mit meinem zweiten Ehemann, Christoph Hoffmann.

Ich habe zwei Söhne aus erster Ehe, die jetzt 15 und 18 Jahre alt sind, und zwei Stieftöchter aus zweiter Ehe, die beide schon volljährig sind. Nebenbei engagiere ich mich in unserem lokalen Karnevalsverein, in einer Stiftung für ökonomische Bildung von Jugendlichen und in der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft ASW-NRW, wo ich als stellvertretende Vorstandsvorsitzende aktiv bin.

Was dann noch an Zeit bleibt, wird für Sport, Reisen und Freunde genutzt.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Meine Leidenschaft ist Logik. Das klingt im ersten Moment paradox, aber ich hasse es, wenn ich etwas nicht verstehe oder mir unlogisch erscheint. Dann kann ich echt nerven mit meinen Fragen und auch unwirsch reagieren, wenn mir jemand etwas erklären will, das für mich nicht logisch nachvollziehbar ist.

Elevator Pitch! Was macht Geutebrück? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir sind ein mittelständisches, international tätiges Familien-Unternehmen und kommen aus dem Bereich hochkomplexer Videoüberwachung und IP-Solutions. Wir sind ein internationaler Player, wenn es darum geht, Werte zu schützen, wobei es da nicht nur um materielle Werte geht, sondern um mehr: Menschen natürlich, und Eigentum, aber auch Prozesse und Beziehungen.

Wir bieten zwei Hauptkompetenzen: Video Security und Value Imaging.
Bei Videosicherheit sind unsere Lösungen der ideale Kollege für jeden qualifizierten Sicherheitswachmann, der in einem Kontrollraum sitzt. Unsere Systeme identifizieren selbständig, wer und was sich z.B. auf einem Firmengelände, in einem Gefängnis, einem Museum oder auf einem Weltraumbahnhof bewegen darf, vor allem aber, wer und was nicht. Video Security schützt also vor Risiken „von außen“ bzw. durch Dritte.

Value Imaging behält den optimalen Überblick über Prozesse, z.B. in einer eng gesteckten Produktion oder Logistikkette. Die wird heute im Allgemeinen über die Registrierung der Waren über Barcodes gesteuert. Ein Barcode kann sicher vieles, aber eben nicht „sehen“. Das wiederum leisten unsere Systeme. Für den Kunden bedeutet diese Visualisierung eine erhöhte Transparenz. Bei Fehlern in der Logistikkette können die Auswirkungen minimiert und die Ursachen beseitigt werden. Das generiert dann deutliche Einsparungen und somit eine Steigerung der Ergebnisse innerhalb der Wertschöpfungskette. Unsere Lösungen machen also Potenziale zur zusätzlichen Ergebnisgenerierung und Wertsteigerung innerhalb der Prozesse sichtbar, daher „Value Imaging“.

Verrätst Du uns ein digitales “Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Unsere Lösungen sind zwar technisch hochkomplex, in der Handhabung aber denkbar einfach und intuitiv. Gerade während eines akuten Vorfalls ist die korrekte Reaktion und Einleitung von Maßnahmen eine Frage von Sekunden, egal ob im Sicherheitsbereich oder in einer Logistikkette. In einem solchen Fall müssen die Bedienoberflächen und Workflows perfekt auf den Kunden und seine Bedürfnisse angepasst sein. Das erfordert eine extrem hohe Flexibilität der Lösungsbausteine. Flexibilität geht aber meist mit Komplexität einher. Diese Komplexität wiederum einfach handhabbar zu machen, ist unser Knowhow. Dafür optimieren wir kontinuierlich unsere Systeme, nutzen das direkte Feedback von unseren Kunden und sorgen für den regelmäßigen direkten Austausch von Anwender, Produktmanager und Entwickler. Und außerdem ist unser Maßstab kein geringerer als „Made in Germany“: Geutebrück ist verlässlich, pünktlich und leistungsstärker. Leistungsstärker heißt bei uns aber nicht automatisch „höher, schneller, weiter oder neuer“ – wir definieren Leistung aus Sicht des Kunden, gemessen in dem für ihn relevanten Nutzen oder Mehrwert. Dafür versuchen wir jeden Kunden zu verstehen und sein Bedarf anhand der gewünschten Ergebnisse zu klären. So bekommt er nicht immer das „was er will“, aber definitiv das „was er braucht“. Deshalb nutzen weltweit namhafte Kunden unsere Lösungen seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten. Sie schätzen unser Knowhow, unsere Begeisterung, unsere Tradition, unsere Innovationen und unsere Verlässlichkeit.
Wer uns an seiner Seite hat, ist – nunja – einfach sicher.

Und welches „Best Practice“ aus der Netzwirtschaft insgesamt hat Dich besonders fasziniert – und warum?

Ich finde es faszinierend, wie Apple rund um sein, technologisch mittlerweile sicher nicht mehr führendes, Produkt eine Erlebniswelt geschaffen hat, in der die Applenutzer quasi gefangen sind – aber das auch noch freiwillig und gerne! Das ist wirklich eine Leistung. Durch Produkte, Dienstleistungen und Emotionen eine eigene Welt zu schaffen, in der sich Kunden freiwillig einsperren lassen und dabei noch begeistert sind, das ist faszinierend.

Wenn Du Dir Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? Und welche Rolle spielt die Digitalisierung für euer Unternehmen?

Durch die Digitalisierung ist die Infrastruktur eines Video Security Systems heute das IP-Netz. Der klassische Video Security Markt bestand aus Anbietern für Komponenten, wie Kameras und digitale Videorekorder und Installateuren für Sicherheitstechnik, die diese Geräte dann zu einem System kombiniert und beim Anwender verbaut haben. Wo früher eine einfache Kabelverbindung von der Kamera zum Rekorder bestand, sind heute Netzwerkkomponenten. Der Zugriff soll remote über das Internet möglich sein, mehrere Standorte werden vernetzt, Storage ist zentral in der (privaten) Cloud… Die Komplexität und die Anforderungen an diejenigen, die ein System planen und einrichten oder auch administrieren, sind massiv gestiegen. Außerdem müssen diejenigen sich natürlich immer noch auch in Optik, Beleuchtung, Standort- und Blickwinkelplanung, usw. auskennen.

Die Digitalisierung hat für eine massiv gestiegene Anwendungsvielfalt der Video Security gesorgt und für einen viel größeren Funktionsumfang der Systeme, aber der Mensch muss mit dieser Entwicklung Schritt halten. Das ist eine echte Herausforderung. Früher hatte der Sicherheitstechniker oder der Radio- und Fernsehtechniker, genügend Knowhow, um ein System zu installieren. Heute müssen sie ein extrem breites Knowhow mitbringen, was aber auch über das eines IT-lers deutlich hinausgeht. Dafür fähige Leute zu finden oder zu schulen, ist eine echte Herausforderung.

Wenn sich Deine Firma ein eigenes Startup wünschen dürfte, was würde dieses Startup tun?

Im Endeffekt fühlen wir uns im Moment selbst ein stückweit wie ein Startup. Wir sind mitten in der Umbruchphase – weg vom Produkt- und Systemlieferanten hin zum Lösungsberater. Unsere Lösungen im Bereich Value Imaging erfordern einen neuen Fokus, neue Prozesse, andere Ansprechpartner beim Anwender und andere Vertriebspartner als in der klassischen Video Security.

So arbeiten wir im Moment an der Automatisierung von Standardprozessen in der Kundeninteraktion um für die individuelle Beratung und Betreuung mehr freie Kapazitäten zu schaffen. Dazu brauchen wir wiederum IT-Werkzeuge, aber auch neue Arbeitsweisen und die Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Hier fühlen wir uns dann leider nicht immer wie ein Start-up, wenn man langjährigen Mitarbeitern erklären muss, warum wir die Dinge jetzt anders tun wollen als bisher…

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu (digitalen) Themen gerne informierst

Mandat Growthletter“ empfehlen. Was die technischen Fragen angeht, lasse ich mich von unseren internen Experten informieren.

…einen Artikel / ein Video / ein Buch, über ein Thema aus der Netzwirtschaft, den / das Du Deinen Kollegen empfiehlst (mit URL)

Da kann ich leider nichts Konkretes empfehlen. Da gibt es täglich Neues.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Wirklich spannend finde ich das Buch „Drive“, in dem es darum geht, was Menschen wirklich motiviert. Erstaunliche und überraschende Erkenntnisse, die auch erklären, warum zum Beispiel Wikipedia funktionieren kann.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Outlook und mein Mobiltelefon, damit ich keine Termine oder Aufgaben vergesse.

Mit welchem Experten aus der Netzwirtschaft würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Ich hätte gerne mal eine Stunde mit Steve Jobs verbracht. Ein unglaublicher Visionär und fast schon schmerzhaft konsequent in der Umsetzung. Faszinierend!