Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Isabell Böck – fame creative lab

Isabell Böck fame creative labWer ist Isabell Böck? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Isabell, Managing Partner der Kommunikationsagentur
fame creative lab. 2013 habe ich die Agentur gemeinsam mit meiner Freundin und Ex-Kollegin Karin gegründet, um meine Leidenschaft fürs Reisen und für die Kommunikation gnadenlos und auf meine eigene Weise ausleben zu können.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Diesen Spleen habe ich zum Glück inzwischen überwunden, aber früher habe ich immer, wenn es brenzlig wurde, einmal „The next best superstar“ von Mel C gehört – vor Prüfungen, Vorstellungsgesprächen und so weiter. Eine Art musikalischer Pep-Talk 🙂

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Ganz klar: we make you famous!

Dieser Satz ist für uns keine Hochstaplerei sondern drückt aus, wodurch wir uns von anderen unterscheiden: für uns ist der Kunde der Star und wir setzen unser Können und Wissen, unsere Kontakte und Erfahrungen ein, um ihm den fame zu verschaffen, den er verdient.

Wir sind eine echte Boutiqueagentur. Das heißt für uns, Qualität statt Quantität und persönlicher, individueller Service und handfestes Marketing gepaart mit ausgefallenen, manchmal verrückten Ideen.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Ich hatte das Glück, damals in anderer Funktion an diesem Best Practice Case zum Teil mitarbeiten zu dürfen: die Best Job Kampagne von Tourism Queensland, die 2008 weltweit gelauncht wurde, Tourism Queensland hatte, im Stil einer echten Stellenanzeige, den Best Job in the World ausgeschrieben: eine Art Hausmeister auf einer Trauminsel in den Whitsundays, mit ordentlichem Taschengeld und einer Job Description, die harte Arbeiten wie „ beim täglichen Tauchgang sicherstellen, dass das Great Barrier Reef ordentlich gepflegt ist“ bis hin zu „mindestens zwei Stunden täglich den Strand behüten“ umfasste.

Mögliche Kandidaten mussten sich per Video bewerben, für die eine Microsite eingerichtet wurde. Obwohl Social Media damals, zumindest in Deutschland, noch in den Kinderschuhen steckte, wurden die verfügbaren Kanäle genutzt, die Wirksamkeit der Kampagne wurde durch gemeinsame Werbemaßnahmen mit Airlines und Reiseveranstaltern, PR- Maßnahmen und Events unterstützt – eine wirklich integrative Kampagne bei der, wie aus dem Lehrbuch, der komplette Marketingmix sinnvoll und gewinnbringend eingesetzt wurde.

Der erste Schritt zum Traumjob war ein Publikumsvoting, so dass organische Viralität gefragt war. Das anschließende Finale mit einer hochkarätigen Jury sorgte für die gewünschte Ressonanz in der Presse. Die Best Job-Kampagne hat es geschafft, die Destination Queensland auf allen Kanälen und bei allen Zielgruppen komplett ins Rampenlicht zu rücken, und als Traumdestination zu positionieren – ohne dass ein gewaltiges Budget zugrunde lag.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Im Tourismus muss man immer auch ein Auge auf die weltweite politische Situation werfen. Eine veränderte politische Situation im Ziel- oder Quellmarkt verändert auch das Reiseverhalten. Die Deutschen sind zwar immer noch Weltmeister im Reisen, doch schlägt eine angespannte Sicherheitslage und Terrorangst auch einem Weltmeister aufs Gemüt.

Wenn die Deutschen weniger reisen, sinken die Einnahmen aus dem Tourismus in den Zieldestinationen und der Markt verliert an Bedeutung. Im nächsten Schritt werden die Budgets für das touristische Marketing kleiner. Diese Entwicklung erfordert ein Umdenken. Wo früher eine große Out of Home Kampagne gefragt war, besteht heute verstärkt Bedarf an innovativen Ideen, die viel Aufmerksamkeit für wenig Geld erzielen. Synergien – branchen-, marken- und produktübergreifend, werden meiner Meinung nach immer wichtiger.

Auch die zunehmende Digitalisierung verändert das touristische Marketing: viel mehr als je zuvor ist es möglich, mit dem Kunden in den direkten Dialog zu treten: eine riesige Chance, die genutzt werden will – doch auf der anderen Seite auch eine enorme Herausforderung.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Ich liebe es, dass der Alltag so einfach ist: man kann sich mit einem Klick über jedes Thema informieren, ohne Anstrengung mit Freunden auf der ganzen Welt in Kontakt bleiben, auf dem Nachhauseweg das Abendessen online ordern oder den nächsten Wochenendtrip buchen. Überhaupt das Thema Reisen und Internet: vorbei sind die Zeiten, als man mit einem schweren Rucksack bei sengender Hitze unzählige miese Hostels abklappern musste – ein Klick, und die Unterkunft ist von der Landebahn aus gebucht.  Auch bin ich ein großer Freund diverser Unterhaltungsangebote, von Film über Musik, die das Internet so mit sich bringt und finde es super, dass man nicht mehr so viel Kram hat, weil man auf fast alles digital zugreifen kann.

Am meistern ärgert mich das Internet, wenn es mal nicht funktioniert – und die damit einhergehende Gewissheit, wie abhängig man inzwischen davon ist.

Einen Blog/ein anderes Medium, mit welchem du dich gerne informierst?

Da gibt es allein von Berufs wegen zahllose – viele, viele Reise-, Lifestyle-, Food- und Fashionblogs zum Beispiel. Aktuell lese ich gern bento, ein recht neues Portal ein Produkt der Spiegel-Gruppe, weil mir der Stil, die Ansichten und der Themenmix gefallen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Wie gesagt konsumiere ich täglich eine enorme Menge an on- und offline-Medien zu verschiedenen Themen.

Als Touristiker sind für mich die täglichen Newsletter der Fachmagazine wichtig, wenn es um Marketing geht, lese ich gern W&V, Brand 1 oder Impulse.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://t3n.de/news/eltern-computerprobleme-667318/ J

http://ze.tt/wie-man-fuenf-jahre-lang-reist-ohne-einen-cent-auszugeben/

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich lese kaum Fachbücher sondern fast nur Unterhaltungsliteratur, und ehrlich gesagt meistens Buch gewordene Chick Flicks 🙂 Was mich aber immer inspiriert, inhaltlich wie auch sprachlich, sind sämtliche Werke von John Irving.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Weil wir seit einiger Zeit ein Tourismus-Startup in den Bereichen Pressearbeit und Blogger Relations unterstützen, war ich im letzten Jahr häufiger auf Startup-Veranstaltungen im Hamburger Betahaus, da lernt man eigentlich jedes Mal eine Menge dazu: jedes Mal wird eine Menge toller Geschäftsideen vorgestellt und die Gründer gehen mit unglaublicher Energie ans Werk. Am meisten begeistern mich aber jedes Mal der Enthusiasmus und der Spaß an der Sache, davon lasse ich mich gern mitreißen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Da Karin und ich meist räumlich getrennt sind und die meisten unserer Kunden in fernen Ländern sitzen, könnten wir ohne Skype, Whats App und den Facebook Messenger kaum leben. Den Alltag wesentlich einfacher machen uns auch Tools wie Mailchimp, Basecamp und Zoho.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Harald Martenstein – ich liebe seine Art zu schreiben, seine feinsinnige Ironie, und würde mir hier gern einiges abschauen.

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