Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Holger Busch – Verband Druck und Medien Bayern

Holger Busch Verband Druck und Medien BayernWer ist Holger Busch? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin seit vier Jahren Geschäftsführer des Verbandes Druck und Medien Bayern und seiner Tochtergesellschaften. Davor habe ich für den Verband der Zeitschriftenverleger in Berlin gearbeitet. Ich setze mich intensiv mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die Druck- und Medienbranche auseinander. Das hat sehr viel mit Veränderungskultur der Unternehmen und noch mehr mit der Veränderungsbereitschaft der Menschen zu tun. Veränderungsprozesse zu managen macht mir an meiner Aufgabe vielleicht am meisten Freude. Ich lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern im schönen München.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Obwohl wir hier in München mit herausragendem Fußball reichlich verwöhnt werden, ist und bleibt die alte Liebe zum 1. FC Köln.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die Printmedienbranche und damit auch ihre Verbände stehen mitten in großen Veränderungsprozessen. Wir unterstützen rund 300 Unternehmen hier in Bayern dabei, möglichst erfolgreich und nachhaltig durch die tiefgreifenden Veränderungen der Medienmärkte zu kommen. Wir machen das mit Informationen und Veranstaltungen über neue Geschäftsmodelle, wir unterstützen Unternehmen mit kaufmännischer, technischer und rechtlicher Beratung und wir versuchen, Unternehmern und Mitarbeitern die für die Veränderungsprozesse notwendige Know-how in unserem eigenen Aus- und Weiterbildungszentrum zu vermitteln.  Unsere Stärke liegt in der Vernetzung über die gesamte Wertschöpfungskette Print bis hin zu völlig anderen Branchen. Dafür bietet München hervorragende Rahmenbedingungen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Für Unternehmen, aber natürlich auch für Verbände und Organisationen ist die anhaltende wirtschaftliche Konsolidierung der Druck- und Medienbranche eine ernstzunehmende Herausforderung. Dank einer mutigen Neupositionierung und konsequenten Umsetzung ist es dem Verband in den letzten Jahren gelungen, gegen den allgemeinen Markttrend zu wachsen, weil seine Leistungen von den Unternehmen als attraktiv und relevant und sein Auftritt und Umgang mit Mitgliedsunternehmen als modern und zeitgemäß bewertet werden.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung ist aus der Druckindustrie nicht mehr wegzudenken. Von daher setzen wir uns intensiv mit digitalen Geschäftsmodellen (Digitaldruck, E-Commerce: Online Printing) auseinander. Auch in unserer Kundenkommunikation spielen digitale Kanäle neben der werthaltig empfunden gedruckten Information eine wichtige und wachsende Rolle. Und nicht zuletzt vertreiben wir mittlerweile einen Großteil unseres Veranstaltungs- und Seminargeschäfts über digitale Kanäle.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Digitalisierung verändert unsere Welt – wie wir leben, arbeiten und konsumieren. Sie führt auch zu erheblich veränderten Medien- und Werbemärkten. Aufgabe von Politik und Gesellschaft wird es sein, den für eine zukunftsorientierte Medienordnung notwendigen Rechtsrahmen zu definieren. Darüber hinaus geht es darum zu hinterfragen, welche Auswirkungen die wachsende Digitalisierung auf die Arbeitsplätze, die Erziehung und Bildung unserer Kinder bis hin zur Entwicklung unserer Innenstädte haben kann bzw. sollte.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Entwicklung von international wettbewerbsfähigen innovativen Unternehmen mit Sitz in Deutschland und Europa. Hier spielen vor allem die Nähe und der Zugang zu entsprechenden Ausbildungseinrichtungen, zur Wirtschaft und zum Wagniskapital eine wesentliche Rolle.

Herausforderung für unseren Markt:

Entwicklung nachhaltig funktionierender Geschäftsmodelle für journalistischen Content in der digitalen Welt.

Herausforderung für unsere Firma:

Den Verband2.0 zu erfinden als modernen, interaktives auf Austausch und  Vernetzung ausgerichtetes Netzwerk.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten gefreut habe ich mich, wie leicht es durch das Internet geworden ist, sich mit anderen Unternehmen und interessierten Menschen zu vernetzen, was ja eine der Kernaufgaben von Verbänden ist. Ärgern tue ich mich nach wie vor über das eigene Zeitmanagement im Umgang mit digitalen Kanälen. Wahrscheinlich ein Mangel an Selbstdisziplin.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Eine App, die meinen Wagen auf Deutschlands Autobahnen automatisch pilotiert – und möglichst viele andere Fahrzeuge gleich mit.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.4-c.at das Magazin für Druck und Design. Und natürlich jeden Morgen Süddeutsche und FAZ – selbstverständlich gedruckt.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://www.mediennetzwerk-bayern.de/5355/verlagsstandort-bayern/

Eine differenzierte Darstellung der Bedeutung und der Herausforderungen des  Printmedienstandorts Bayern.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Der Digitale Tsunami – Das Innovators Dilemma der traditionellen Medienunternehmen“ von Nicolas Clasen. Ein Weckruf für die deutsche Medienbranche, ein Muss für jeden, der sich mit traditionellen und digitalen Medien beschäftigt.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Der Future Summit Print (jedes Jahr im November in München), weil hier weltweite Innovationen aus dem Printbereich präsentiert werden, die u.a. zeigen wie sich die gedruckte und die digitale Welt immer intensiver miteinander verbinden.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Evernote, um eigene Ideen zu organisieren.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ganz einfach: A day with Tim Cook.