Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Willi Kaiser – people interactive

Willi Kaiser people interactiveWer ist Willi Kaiser? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

people interactive in Köln. Zuvor war ich 14 Jahre lang in diversen Funktionen – als Vorstand oder Director – bei der Digital-Agentur Cocomore in Frankfurt tätig und habe für die Londoner Agentur ZONE das Deutschland-Geschäft aufgebaut. Studiert habe ich Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main und Granada (Spanien).

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin fast schon fanatischer Fußball-Fan und reise für Borussia Mönchengladbach auch schon mal quer durch Europa. Eine gute Live-Work-Balance ist mir sehr wichtig und deshalb gönne ich mir gerne diese Erlebnisse. Dies wirkt sich auch positiv auf alle anderen Bereiche aus, denn für mich und viele andere Fans heißt: Wenn es bei der Borussia läuft, dann läuft es auch im restlichen Leben. Also läuft es aktuell sehr gut.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

people interactive ist eine Digital-Agentur mit einem Fokus auf die Customer Experience. Wir arbeiten fast ausschließlich für Kunden mit einem vertrieblichen Fokus, bei dem Buchungen, Verkäufe oder Abschlüsse im Vordergrund stehen. Das können sowohl reine Webprojekte, wie bei der Lufthansa oder einer Deutschen Telekom sein, aber auch digitale Verknüpfungen von PoS und Web, wie bei Miele.
Dementsprechend macht unsere Kreation mit User Experience Designern, Art Direktoren und Content-Fachleuten den deutlich größten Teil unserer Belegschaft aus. Unsere Arbeiten müssen kreativ faszinierend, präzise umgesetzt und mit relevantem Content ausgestattet sein.
Wir sind erst zufrieden, wenn wir die Wertschöpfung unserer Kunden nachhaltig steigern.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Das sicherlich den Meisten bekannte „Best Practice“ Beispiel ist unsere Arbeit für die Deutsche Lufthansa. Für die Lufthansa sind wir in verschiedenen Bereichen tätig: z. B. sind wir als digitale Lead-Agentur (international) verantwortlich für die Customer Experience auf der zentralen internationalen Website (LH.com), für das Inflight Entertain oder den Travel Guide. Auf den Travel Guide sind wir aktuell besonders stolz, da wir für unsere Arbeit kürzlich den German Design Award gewonnen haben.

So unterschiedlich wie die Projekte sind auch die jeweiligen Herausforderungen. Hervorzuheben ist sicherlich die Buchungsstrecke auf der LH.com, welche immerhin in puncto Umsatz zu den größten Angeboten in Deutschland zählt. Es gibt nicht viele Projekte, die in Sachen Komplexität größer sind als die Buchungsstrecke. Hier beweisen wir seit vielen Jahren, dass eine exzellente Customer Experience eben genau diesen Unterschied zwischen Reiseportalen ausmachen kann. Unsere Experten aus den Bereichen UX und Design „schrauben“ permanent an diversen Stellhebeln, die dann auch mal eben ein paar Millionen Euro Mehr-Umsatz ausmachen können. Darauf sind wir zu Recht stolz.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Technische Endgeräte entwickeln sich rasant weiter, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch nicht in der gleichen Geschwindigkeit. Das fängt an beim Datenschutz und geht hin bis zum Ausbau des Breitbandnetzes. Hier sind uns andere Länder voraus und ich sehe die Gefahr, dass viele Talente abwandern, weil andere Länder bessere Rahmenbedingungen bieten.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wenn ich mir anschaue, wie breit das Spektrum spezialisierter Studiengänge in Deutschland im Bereich „Digital“ ist, dann mache ich mir um den Nachwuchs keine Sorgen. Politik und Unternehmen müssen „nur“ noch dafür sorgen, dass es auch in gleichem Maße Angebote für den Nachwuchs gibt, dieses angelernte Wissen auch in der Praxis einzusetzen. Wir Agenturen tun schon viel dafür, wie unsere Karriere-Messe „adday/adnight“ (gemeinsam mit dem GWA) eindrucksvoll belegt hat. Eine ähnliche Dynamik würde ich mir auch von etablierten und eher traditionellen Unternehmen erwarten. In vielen dieser Unternehmen spielt „digital“ noch eine untergeordnete Rolle und wird von wenigen Köpfen getrieben. Das ist fatal!

Herausforderung für unseren Markt:

Wir brauchen mehr zahlengetriebene Ergebnisse, denn Zahlen lügen nicht. Unser Markt ist immer noch zu sehr getrieben von subjektiven und weichen Faktoren, was häufig in Zweifeln und weniger digitaler Innovation mündet, eben weil die großen Budgets dann im Zweifel eher in die Klassik gehen.

Herausforderung für unsere Firma:

Für uns als kreative und UX-getriebene Digital-Agentur entstehen durch die klassischen Beratungshäuser neue Wettbewerber, die sich plötzlich auch als digitale Berater positionieren. Diese haben häufig den Vorteil, dass sie aufgrund ihres Standings von oben in die Unternehmen einsteigen, was uns nur selten gelingt. Ich behaupte aber, dass das nur eine temporäre Erscheinung ist. Warum? Kreativität und digitales Know-how liegt in unserer DNA, nicht in der einer klassischen Beratung. Ebenso fehlt dort die Kultur einer Agentur. Das werden die jungen kreativen Talente auch durchschauen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Täglich ärgere ich mich über Meinungsmache durch den Boulevard, die täglich wechselnd neue Schlagzeilen produzieren müssen.

Immer wieder freue ich mich über die unmittelbare Verfügbarkeit von Informationen und Wissen, z. B. auf Reisen. Leider führt das dazu, dass ich ein „Informations-Junkie“ bin und alle Fragen direkt beantwortet haben möchte.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.thedrum.com/, weil die Kollegen in UK uns einfach 3 Jahre voraus sind

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://adage.com/article/print-edition/ad-age-imagines-a-world-ads/300552/  Weil die Rechenaufgabe spannend ist.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„Confessions of an Advertising Man“ von David Ogilvy. Dieses Buch ist einfach ein Muss für jeden Werber!

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

dmexco: Hier treffe ich immer wieder inspirierende Menschen und Unternehmen, die mich jedes Jahr aufs Neue begeistern.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Microsoft Outlook 😉

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Uli Hoeneß. Auch wenn dies einige kritisch sehen, steht für mich der Mensch im Vordergrund. Bei ihm sind dies seine Persönlichkeit, sein Führungsstil und seine Menschlichkeit.

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