Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Dr. Sven Hartrumpf – sempria.de

Dr. Sven Hartrumpf sempria.deWer ist Sven Hartrumpf? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Ich bin ein Informatiker und Computerlinguist, den es reizte, den Elfenbeinturm zu verlassen. Ich möchte all die cleveren Algorithmen für automatisches Sprachverstehen und tiefe semantische Suche in ein Produkt gießen, das Menschen hilft, seltener in Informationsfluten zu ertrinken.
Geheimnis? Sie sollten mich besser an einem Tag kontaktieren, an dem ich mit dem Rad zum Büro gependelt bin: dann bin ich kreativer und produktiver – meistens. 🙂

Elevator Pitch! Was macht SEMPRIA? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

Problem: Archivbesitzer (wie Verlage, Rundfunk, Web-Sites) haben Probleme, Archive voll und effizient zu erschließen.

Suchmaschine SEMPRIA-Search hilft durch höhere Vollständigkeit und Genauigkeit von Suchergebnissen und die Möglichkeit gezielter Fragen.

Technologie: Dies schaffen wir durch führende, eigene Technologie zum automatischen Sprachverstehen und zur Wissensverarbeitung.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”?

Das Besondere unseres Ansatzes und unseres Teams ist, dass wir sehr hartnäckig über eine lange Zeit eine Unmenge von Wissensdatenbanken und Algorithmen virtuos kombinieren können, um neue Produktqualitätsstufen und neue Produkt-Features zu liefern. Wir haben einen großen Plan, den wir aber fast wöchentlich etwas anpassen müssen: nach neuen Ideen (bei uns oder in der Forschung) und nach neuen Wünschen unserer Kunden.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”? 

Wahrscheinlich wie bei den meisten Mitgründern von Tech-Startups: erstmal Mädchen für alles, also auch die von manchem Investor ungeliebte Kombination CEO-CTO. Mit dem Wachstum der Firma kann ich mich nach und nach fokussieren auf Entwurf und Integration neuer Komponenten und die Qualitätssicherung. In 5 Jahren sähe ich mich dann lieber als reinen Entwicklungsleiter.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Wie kann man einen menschenwürdigen Datenschutz in Zeiten der globalen Netzwirtschaft definieren und gewährleisten?

Wie kann man die nachwachsenden Nutzer mündig machen und sensibilisieren für Chancen und Risiken der neuen Technologien?

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wie kann man eine innovationsfreudige und investitionsfreudige Umgebung für all die tollen Köpfe und Ideen in Deutschland schaffen?

Wie kann man problematische Monopole in der Digitalwirtschaft brechen oder wie kann man mit ihnen vernünftig umgehen, ohne Freiheit und Reichtum zu verlieren?

Wie kann man Aufklärungsarbeit leisten, dass die Nutzerschaft Folgendes versteht: Google ist seit langem keine Suchmaschine mehr. Denn fast jedes Geschäftsfeld von Google widerspricht dem Ziel einer objektiven und intelligenten Suche. (Stattdessen sind Google und Konsorten Verkaufsmaschinen mit einem übermächtigen Menschen-Profildienst.) Daher brauchen wir neuartige, bedeutungsorientierte Suchmaschinen, die bewusst und belegbar auf jedes widersprechende Geschäftsfeld verzichten!

Herausforderung für unseren Markt:

Der heimische Markt wird immer stärker mit Konkurrenten zu tun bekommen, die in anderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen operieren. Wie kann man in diesem Umfeld Nischen besetzen? Welche Nischen gibt es, welche Nischen werden größer, so dass sie auch für größere Firmen ausreichen?

Herausforderung für unsere Firma:

In einem umsatzmäßig explodierenden Markt eine Markt-Nische angemessener Größe immer besser zu besetzen. Momentan sind das tief-semantische Suchmaschinen, bei denen die Sprache „Deutsch“ im Vordergrund steht. Wie kommen wir möglichst effizient zu weiteren Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch) in unserer Sprachtechnologie?

Meine persönliche Herausforderung:

Genug Zeit freischaufeln für das Sichten von neuen Forschungsergebnissen, denn das ist in einem kleinen Unternehmen recht schwierig. Und – wie so oft – zwischen Leben und der Lebensaufgabe „Firmenaufbau“ zu balancieren.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern?

Content-Marketing ist ein Bereich, in dem wir noch viel lernen und umsetzen können.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst (deutsch oder Englisch)

Um den IT-Bereich im allgemeinen zu beobachten, folge ich gern golem.de wegen der breiten Mischung an Themen.

einen Artikel Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Ich muss gestehen, dass die Halbwertszeit vieler mir interessant erscheinender Artikel sehr kurz ist, so dass ich lieber einen alten Artikel herausgreifen möchte: http://www.paulgraham.com/hp.html

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat 

„Hackers & Painters“ von Paul Graham, weil er dort viele unbequeme Wahrheiten im Software-Bereich pointiert formuliert.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ein regelmäßiges Treffen von Gründern aus dem Rheinland. Dort gibt es immer wieder eine gute Mischung aus Erfahrungsaustausch, Netzwerken und Fachvorträgen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

org-mode ist momentan für mich das hilfreichste Tool. Es hilft mir, den Wust an Todo-Listen in den Griff zu bekommen.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gern miterleben, wie die Leute vom Y Combinator mit einem ähnlichen Startup wie SEMPRIA das Produkt für den Markt schärfen. Deren Erfahrung würde bestimmt viele ungewöhnliche Wege nach vorn aufzeigen.