Interview
Das Forschungszentrum

Matthias Stadelmeyer – Tradedoubler

Matthias Stadelmeyer TradedoublerWer ist Matthias Stadelmeyer? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Performance Marketing-Anbieter Tradedoubler. Ich bin wohl das, was man gemeinhin eine treue Seele nennt. Und das erkennt man wohl an meiner mehr als achtjährigen Zugehörigkeit zu Tradedoubler, meinem Familiensinn und meiner langjährigen Liebe zum ruhmreichen 1. FC Nürnberg. Einzig mein geliebtes Frankenland musste beruflich bedingt weichen – mit London und München als Wohn-und Arbeitsstätte war der Heimatverlust allerdings schnell verschmerzt. Ich bin sowohl beruflich als auch privat viel unterwegs und reise häufig und gerne, sodass ich es gewohnt bin, mich schnell auf neue Umgebungen einzulassen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin immer pünktlich und plane lieber zu viel als zu wenig Zeit ein. Das fällt insbesondere in meinem internationalen beruflichen Umfeld hin und wieder mit einem Schmunzeln auf.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Tradedoubler ist ein führender Performance Marketing-Anbieter. Kurz gesagt generieren wir messbare Marketingergebnisse für unsere Kunden – von Sales über Leads, Klicks und Impressions in Marketingkampagnen ist eigentlich alles dabei. Wir vermitteln sozusagen Kunden an unsere Kunden. Unser Fokus liegt dabei auf Internationalität, Technologie und Kundennähe.

Unsere Superpower besteht darin, Daten anschlussfähig zu machen, das heißt die gewonnen Nutzerdaten so lesbar und auswertbar zu gestalten, dass damit sinnvolle Marketingentscheidungen getroffen werden können.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir arbeiten bereits seit längerem mit The Body Shop zusammen, vornehmlich in Großbritannien. Hier konnten wir letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit eine tolle Affiliate Marketing-Strategie für alle Kanäle entwickeln und so die Kundenbindung nicht nur online, sondern auch im Ladengeschäft und über mobile Endgeräte stärken. Teil der Aktion waren SMS oder mobile Gutscheine, die auf dem Smartphone gespeichert werden konnten. Dadurch wurden die Body Shop-Kunden auf bestimmte Angebote aufmerksam gemacht. Insgesamt gab es in der festgelegten Zeit durch unsere Affiliate Marketing-Strategie ein Umsatzwachstum von 51 Prozent.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Mittlerweile ist bei uns alles – von der internen Kommunikationsplattform bis zu den Rechnungen – digital. Wir leben die Digitalisierung und arbeiten komplett papierlos.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Ich denke, dass die Digitalisierung der Wirtschaft insbesondere für die Industrie ein enormes Thema sein wird, da immer mehr Arbeitsplätze digitalisiert werden – Stichwort „Industrie 4.0“. Unternehmen profitieren natürlich davon, kostengünstiger zu produzieren. Die Herausforderung dabei wird aber sein, die Menschen entsprechend mitzunehmen – sowohl von der Ausbildungs- als auch von der Beschäftigungsseite.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Deutschland – und teilweise auch Europa – hat insbesondere zwei große Probleme in Sachen Netzwirtschaft: Es ist zu ängstlich und zu administrativ! Dadurch können keine schnellen Entscheidungen getroffen werden. Wir sind einfach nicht pragmatisch genug, sondern sehr administrativ unterwegs.

Die Digitalisierung ist ein sehr dynamisches, schnelles Thema, bei dem es ebenso schneller Entscheidungen bedarf. Leider sind die Entwicklungsprozesse in der deutschen Politik aber deutlich langsamer als die der digitalen Wirtschaft. Leitlinien, die von der Politik definiert werden, sind meist schon veraltet, wenn die Politik anfängt diese anzugehen, da sich die Wirtschaft viel schneller entwickelt.

Auch beim Thema Ausbildung hinkt der Staat weit hinterher – es gibt zu wenige staatliche Ausbildungsangebote für Berufe in der digitalen Wirtschaft. Hier muss Deutschland schneller in der Entwicklung werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Die Herausforderung für den deutschen Markt muss weiterhin sein, nicht nur auf ein Thema zu setzen, weil es gerade ein Hype ist, sondern wirklich relevante Produkte zu schaffen. Es wird zu viel Fokus darauf gesetzt‚ die nächste Sau durch’s Dorf zu treiben, anstatt sich darüber Gedanken zu machen was wirklich relevant und notwendig ist und vor allem wie es umgesetzt werden soll.

Herausforderung für unsere Firma:

Auch für uns ist daher natürlich die Hauptherausforderung, Produkte zu entwickeln und anzubieten, die wirklich relevant für unsere Kunden sind. In unserem Markt wird insbesondere die Nutzung und Auswertung von Daten immer wichtiger werden, um Rückschluss auf das Nutzerverhalten ziehen zu können. Daher ist das aktuell ganz stark bei uns im Fokus.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich bin schon lange im Internet und finde es immer noch den absoluten Wahnsinn. Schließlich kenne ich ja auch noch die Zeit davor. Allerdings bin ich auch etwas zwiegespalten darüber: Auf der einen Seite eröffnet es einem fast alle Möglichkeiten. Auf der anderen Seite nimmt es vielen Dingen auch etwas die „Romantik“, weil alles nah, greifbar und möglich ist. Manche Dinge, die eigentlich etwas Besonderes wären, werden dadurch zu Normalitäten. Als Beispiel: Früher hat man auf die Zeitung des nächsten Morgens gewartet und war gespannt. Heute kriegt man die News jederzeit – das ist schön und schade zugleich.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Mir fehlt vor allem ein Unternehmen, dass mir ganz persönliche Empfehlungen ausspricht. Etwas, das mir zum Beispiel dabei hilft, mich mit der Vielzahl der neuesten Musikangebote auseinander zu setzen. Ich hätte gerne jemanden, der mir eine persönliche Empfehlung, basierend auf meinem bisherigen Geschmack, macht. Dasselbe gilt für Restaurants in fremden Städten, Bücher und Filme. Klar gibt es bereits einige Bewertungsplattformen, wie Yelp & Co., aber da fehlt mir bisher noch die persönliche Note.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

SZ.de und Spiegel Online, weil ich da auf einen Schlag alle wichtigen Tagesentwicklungen im Blick habe. Für das Fachthema Fußball greife ich zum kicker.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/low-budget-weltreise-gwen-weisser-und-patrick-allgaier-trampen-a-1036716.html). Der Artikel zeigt, wie der Wert von besonderen Dingen und Ereignissen verloren geht, wenn man es immer haben kann.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Ich bin sicher nicht der erste, der es empfiehlt, aber „Good to great“ von Jim Collins ist ein wirklich gutes und faszinierendes Buch.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ich treffe immer gerne Leute und tausche mich mit ihnen aus, deshalb gefallen mir eigentlich viele Events unserer Branche, weil die Branche noch relativ klein ist und es sich immer wie ein Klassentreffen anfühlt. Besonders beeindruckend fand ich auf der letzten Performance Marketing Insights in Berlin die Keynote von Ken Segall zu „Success through the power of simplicity“

das hilfreichste Tool / die xhilfreichste Software für Deine Arbeit

Ganz klassisch, Outlook und Excel

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde mich gerne mal einen Tag lang mit dem Brain von Google oder Apple treffen und austauschen, um genau über das Thema „Simplicity“ zu sprechen. Ich denke, ein Produkt zu entwickeln, dass simpel ist und zugleich den Bedarf des Nutzers perfekt deckt, ist extrem schwierig. Aber genau das haben diese beiden großen Technologieanbieter geschafft: Sie haben antizipiert, was Verbraucher wollen und ein Produkt entwickelt, das nur einen Kern hat und dabei so einfach ist, dass es jeder versteht. Genau das ist auch mein und unser Antrieb.