Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Dr. Frank Knoche – headfinders.com

Dr. Frank Knoche headfinders.comWer ist Dr. Frank Knoche? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

www.waldecker-land.de). Privat lebe ich in Hamburg, beruflich bin ich innerhalb der D-A-CH-Region viel unterwegs. Nach mehreren Führungspositionen im Marketing, im Consulting und als Director/Bereichsleiter einer Bertelsmann-Tochter bin ich seit 2008 Unternehmer und aktuell Geschäftsführer von headfinders.com .

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin immer neugierig und probiere gern neue Dinge aus – so im letzten Jahr das Boxen. Das Boxcamp fand unter türkischer Sonne bei über 40 Grad im Schatten statt. Das Training war extrem intensiv. Es ist unglaublich, was ein Boxtrainer – auch wenn du denkst, dass du keinen Schritt mehr gehen kannst – noch aus dir rausholt. Das sind wahre Motivationskünstler und es stimmt was Olli Kahn sagte: „Niemals aufgeben. Es geht weiter. Immer weiter.“

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

www.headfinders.com). Wir jagen nicht nur die besten Köpfe, sondern wir finden sie auch – für Konzerne, mittelständische Unternehmen und Startups. Unser Schwerpunkt liegt bei Top-Führungskräften in IT, Marketing, Sales und Finanzen. Hier durften wir in den letzten 5 Jahren in sehr vielen Branchen tätig werden. 50 Prozent unseres Geschäfts machen wir in Deutschland, 1/3 in der Schweiz und 1/6 in Österreich.

Was wir besser machen als andere? Wir sind ein flexibles Schnellboot und präsentieren viel schneller als große Mitbewerber passgenaue Kandidatinnen und Kandidaten für offene Vakanzen. Das ist jetzt kein Marketing-Bla-Bla, sondern Feedback unserer Kunden, die sich wundern, dass wir oft schon nach einer Woche die ersten guten Kandidaten präsentieren.

Bei uns gibt es keine Lösung „von der Stange“, sondern wir gehen sehr individuell auf Kundenbedürfnisse ein. Auch andere behaupten dies, aber wir leben es. Wir überraschen Kunden oft mit ungewöhnlichen Lösungen und hinterfragen unser Handeln kontinuierlich selbst. Natürlich setzen wir  – wo sinnvoll – Social Media- und Social Recruiting-Tools ein.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Der „lernende“ Jobfeed von jobspotting.com. Einfache Idee – großartig umgesetzt. Das Spotify der Jobsuchmaschinen. Wird der Konkurrenz das Wasser abgraben.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Bei uns ist alles digital. Physische Akten gibt es bei uns nicht. Alle Dokumente, sei es von Kandidatinnen und Kandidaten oder von Unternehmen, sind in unserem unternehmenseigenen Dokumentenmanagement-System gespeichert. Hierauf können wir auch von unterwegs zugreifen und haben alle relevanten Dokumente sofort im Zugriff. Dokumente von Kandidatinnen und Kandidaten haben ein „Verfallsdatum“ und werden automatisch gelöscht, damit die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes eingehalten werden.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

In der Netzwirtschaft entstehen kontinuierlich neue spannende Unternehmen in D-A-CH, die wiederum „challenging positions“ mit viel Gestaltungsspielraum für Kandidatinnen und Kandidaten bieten. Die Markttransparenz hat hier zum Beispiel auch Dank Employer Branding und Social Recruiting stark zugenommen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Neue Trends wie Big Data im Recruiting beobachte ich sehr interessiert. Big Data sehe ich in diesem Zusammenhang als unterstützendes Tool – sicherlich hilfreich in manchen, aber nicht in allen Cases. Am Ende sollte immer ein Mensch über die Besetzung von Positionen in Unternehmen entscheiden. Wir sollten dies nicht Heuristiken und Algorithmen überlassen. Ein gesundes Bauchgefühl ist da oftmals Ziel führender.

Spannend finde ich Mobile-Assessment-Tools wie die App „Knack“ (www.knack.it), wo man nach dem Spielen kleiner Mobile Games eine Analyse über seine Persönlichkeitsmerkmale und -fähigkeiten bekommt – in meinem Fall mit einem erstaunlich präzisen Ergebnis. Dies kann unterstützend für Unternehmen bei der Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten helfen, sollte aber wie gesagt nie das alleinige Entscheidungskriterium für die Besetzung einer Position werden.

Ob Jobapps wie Switch (www.switchapp.com) oder deutsche Nachahmer wie truffls (truffls.de) das Recruiting revolutionieren? Da bin ich eher skeptisch.

„Lernende“ Jobfeeds wie von jobspotting.com finde ich da vielversprechender.

Herausforderung für unseren Markt:

Durch die neuen Tools und auch immer professioneller arbeitende Recruiting-Abteilungen der Unternehmen hat sich der HR-Markt bereits stark verändert und wird immer transparenter. Einen „digital disruptor“ sehe in der Recruiting-Industrie aktuell noch nicht – aber wer weiß was die Zukunft noch so bringt. Erste Marktveränderungen gibt es bereits, indem zum Beispiel schon namhafte Personalberatungsunternehmen vom Markt verschwunden sind.

Herausforderung für unsere Firma

Da trotz allem Unternehmen und gute Kandidatinnen und Kandidaten nicht immer zeitnah zusammen finden, wird es auch in Zukunft Bedarf für „Schnellboote“ wie headfinders.com geben. Wir sind gut aufgestellt für die Zukunft und nutzen neue Technologien für unsere Zwecke – zum Wohle der Bewerber und der Unternehmen.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Das ist eine sehr umfassende Frage, die ich schwer in Kurzform in einem Interview beantworten kann. Ich gehe daher nur auf einen einzigen Aspekt ein: Die Recherchemöglichkeiten im Internet haben mich schon vor 20 Jahren fasziniert. Informationen sind heutzutage nahezu unbegrenzt und in Realtime verfügbar. Das finde ich gut. Das Thema Relevanz steht auf einem anderen Blatt. Aktuelle Suchmaschinen machen es einem nicht immer leicht, relevante von irrelevanten Informationen zu trennen. Auch ist es nicht immer einfach zu erkennen, was wahr ist und was falsch ist. „Medienkompetenz“ (ein schreckliches Wort) ist hier gefragt.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich warte immer noch auf eine Lösung für „digital silence“, die mir hilft am Wochenende mal nicht in meine Mails zu schauen. Kommt mir jetzt bitte nicht mit Server abschalten oder Smartphone im Teich versenken. Für beides gibt es Workarounds.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.crunchbase.com . Dabei bin ich immer wieder fasziniert, welche neuen Startup-Ideen jeden Tag auf der Welt entstehen und wie ökonomisch erfolgreich diese zum Teil werden.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

https://youtu.be/rc37ov1iVFQ

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Aktuell lese ich Wolf Schneiders Autobiografie „Hottenstottertrottel“. Nicht nur perfekt formuliert, sondern auch ein guter Rückblick auf mehr als 60 Jahre Medien- und knapp 90 Jahre Zeitgeschichte – Interessant geschrieben und sehr lehrreich. Ähnlichkeiten mit aktuellen Ereignissen sind rein zufällig 😉

Sehr inspirierend und lehrreich für Verhandlungstechniken war für mich: Kenneth L. Shropshire: „Negotiate like the Pros“

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Ich freue mich auf spannende Begegnungen auf verschiedenen Branchen-Events und lerne durch Gespräche immer dazu.

Sehr inspirierend finde ich die TEDx-Konferenzen. Kann ich jedem nur empfehlen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Mein mobiles Büro = Smartphone

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Warren Buffet, um von ihm zu lernen und weil er sehr viel Humor hat und trotz großem Erfolg down-to-earth geblieben ist.