Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Andreas Pauwelen – Lenzer & Partner

Andreas Pauwelen Lenzer & Partner

Wer ist Andreas Pauwelen?

Redakteur, Kommunikationswissenschaftler, Experte für Krisenkommunikation, Change-Prozesse und politische Kommunikation, Kommunikationstrainer. Gründer und Inhaber von
Lenzer & Partner.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ohne Hund im Büro? Völlig undenkbar!

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir nennen das Claim-communication. Mit der richtigen Kommunikation besetzen Unternehmen inhaltliche und emotionale Felder, stecken ihre claims ab und sichern sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Marktbegleitern. Das funktioniert nur dann, wenn die Kommunikation authentisch, mit Inhalten aufgeladen, intelligent, griffig und konsistent angelegt ist. Wir entwerfen die roadmap, garantieren den 360-Grad-Blick und überprüfen die dauerhafte Einhaltung der Richtlinien. Von der Kommunikation des CEO im TV bis zur Kommunikation in der Krise.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben den Wahlkampf des neuen Oberbürgermeisters von Leverkusen als ehrliche und authentische Kampagne angelegt. Die Herausforderung bestand darin, einen weitgehend Unbekannten gegen den bisherigen Amtsinhaber zu positionieren.

Bereits im ersten Wahlgang hat der neue OB die absolute Mehrheit gewonnen, weil wir ihm einen ehrlichen und authentischen Wahlkampf auf den Leib geschneidert haben. Mit Themen, zu denen er etwas zu sagen hat, mit digitalen Ergänzungen zum Straßenwahlkampf und mit Worten und Bildern, die sein Engagement deutlich gemacht haben. Der Kandidat war bereit, neue Wege mit zu gehen und sich voll auf unsere Expertise im Bereich der Kommunikation zu verlassen. Uns ist es dabei gelungen, Kommunalpolitik als spannendes Thema zu präsentieren, das auch immer Raum lässt für ein Augenzwinkern.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Zum Einen müssen wir innerhalb kurzer Zeit eine Harmonisierung des Regelwerks schaffen. Wir können den Anforderungen der globalen Netzwirtschaft nicht mehr mit regionalen oder landestypischen Vorschriften gerecht werden. Steuergesetzgebung, Regelungen zum Download aber auch Einfuhrzölle und Anderes basieren immer noch auf den Grundlagen analogen Handels und Handelns.

Außerdem muss aus meiner Sicht die Gesellschaft bestimmte digitale Entwicklungen antizipieren oder zumindest schneller darauf reagieren können. Wie wollen wir beispielsweise im Kampf um das selbst fahrende Auto einen der vorderen Plätze belegen, wenn unsere Straßenverkehrsordnung – zumindest gefühlt – noch den Umgang mit Pferdekutschen reguliert?

Herausforderung für die Netzwirtschaft in der Schweiz / Europa:

Berlin, München, Rom, Paris, Stockholm oder Oslo oder jede andere lebenswerte Stadt in Europa müssen für Unternehmen der Netzwirtschaft künftig eine wichtigere Rolle spielen. Dazu muss es uns aber gelingen, den Wert eines Unternehmens der Netzwirtschaft nicht weiter nach tradierten europäischen Gesichtspunkten zu messen. Europäische Investoren unterstützen Digitalunternehmen, die unterkomplexe Lösungen anbieten, wie einfache Handelsplattformen. Oder deren Produkte anfassbar und zählbar sind. Erst wenn auch in Europa eine starke Idee oder eine Vision einen echten Wert darstellt, kann das weit überschätzte Silicon Valley auf ein realistisches Maß zurecht gerückt werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Seit Massenmedien nicht mehr vom Eigentum an Produktionsmitteln abhängig sind, ist Meinungsbildung deutlich dialogischer und damit nicht nur demokratischer, sondern auch unberechenbarer geworden. Kommunikationsunternehmen müssen diesen Dialog sehr viel ernster nehmen. Und auch hier wird die Herausforderung darin liegen, Meinungs- und Kommunikationsentwicklungen voraus zu sehen und entsprechend zu agieren.

Herausforderung für unsere Firma:

Wegen der Herausforderungen des Marktes müssen wir unsere Personalpolitik noch weiter verfeinern. Wir achten jetzt bereits sehr stark auf die sogenannten soft skills. Aber künftig werden emotionale Intelligenz und Empathie eine noch stärkere Rolle spielen. Wir müssen uns davon trennen, Menschen nach ihrer klassischen Bildung zu beurteilen und deutlich mehr darauf achten, wie viel Herz und Gefühl sie mitbringen.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgert nichts im Internet! Weil ich als denkender Mensch auch hier immer die Wahlmöglichkeit habe. Ich halte einige Entwicklungen für bedenklich, beispielsweise anonyme fremdenfeindliche Hetze. Aber auch dumpfe Ideen haben schon immer ihre Plattform gehabt. Auch im analogen Zeitalter. Freuen tut mich aber der hör- und sichtbare digitale Protest gegen hirnlose Hetze.

https://sharethemeal.org/de/ ermöglicht.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Kann ich leider nicht verraten, weil wir an genau diesem Problem gerade mit einem Start-up arbeiten. Natürlich mit der Aussicht auf Erfolg, Berühmtheit und Reichtum…

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Immer wieder mit viel Freude: Der Blog und die SPON-Artikel von Sascha Lobo. Nicht nur weil er in der Lage ist, seine Marke konsequent zu führen. Sondern vor allem, weil er zeigt, dass man pointiert, hellsichtig, empathisch sein kann, ohne völlig spaßbefreit zu wirken.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Begeistert ist vielleicht das falsche Wort. Aber erstaunt und in hohem Maße irritiert:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/it-standards-keinen-bock-auf-sicherheit/12680210.html

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Immer wieder, egal wann ich es aufschlage:

„The power of unreasonable people“ von John Elkington und Pamela Hartigan

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Zwei Veranstaltungen in diesem Jahr, bzw. deren Keynnote-Speaker sind mir nachhaltig in Erinnerung geblieben:

Eine andere, lockerere und dennoch arbeitsintensive Art, Probleme zu beleuchten bei einem Vortrag von Jim Messina (Wahlkampfberater Barack Obama) in Berlin.

Und den Beweis dafür, dass man Gefühle auch mit Zahlen validieren kann bei einem Fachvortrag von Dr. Markus Renner zum Thema Reputationsmanagement in der Pharmaindustrie in München.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

ganz banal, aber wegen der Internationalität und der vielen Reisen in unserer Branche: ein vernetzter Terminplaner mit Zugriff für Alle von allen Orten dieser Welt.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gerne einen Arbeitstag mit Mathias Döpfner verbringen. Nicht um zu sehen, ob er sein kolportiertes Jahresgehalt wert ist, sondern weil ich das zwingende Gefühl habe, dass er trotz aller Widrigkeiten, Spaß an seinem Job hat. Mich würde interessieren, in welchen Zeitläuften er plant, wie er seine strategischen Entscheidungen anpasst, welchen Einfluss Beratung dabei hat und wie nah er noch am täglichen Geschäft agiert.

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