Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Claudia Lang – Community Life

Claudia Lang Community LifeWer ist Claudia Lang? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Rein geschäftlich bin ich promovierte Juristin und als Rechtsanwältin zugelassen in Kanada, England und Wales. Ich habe lange in Versicherungen gearbeitet, zuletzt war ich auf Vorstandsebene zuständig für die Bereiche Recht und Entwicklung. Vor zwei Jahren habe ich mit meinem Partner Community Life gegründet. Ich bin Jahrgang 1960, geboren und aufgewachsen in Toronto, Kanada, und habe drei Kinder.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

In manchen Situationen würde ich mein Temperament gerne bremsen können. Es ist so, als ob ich einen Tipping Point hätte. Wird dieser Punkt erreicht, werde ich zur Furie. Mein Vater behauptet, ich besäße das Wikingerblut meiner norddeutschen Mutter. Sie hat auch alles gerade raus gesagt, wenn man sie provoziert hat.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir schaffen eine neue Versicherungswelt für den digitalen Kunden. Der digitale Kunde, der eine Versicherung braucht, steht bei uns im absoluten Mittelpunkt. Seine Vorstellungen in Sachen Verständlichkeit, Transparenz und Bequemlichkeit erfüllen wir. Das können wir, weil wir flexibel sind und Dinge so machen, wie sie heute Sinn machen. Diese Agilität im Denken und Handeln ist ein Vorteil gegenüber etablierten Anbietern und Konzernen. Sie sind oft in IT-Architektur sowie Unternehmensstruktur und -kultur gefangen, die nicht mehr zeitgemäß sind. Mit unserer Online-Versicherungsplattform Community Life können wir uns losgelöst von alten Strukturen konsequent nach Kundenerwartungen richten.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Heute werden fast ausschließlich Absicherungen mit „Brutto-Netto“-Preisen geboten. Der Kunde ist dabei einem Preisrisiko ausgesetzt, wenn die Gewinnmarge des Versicherers geringer als erwartet ausfällt. Der Versicherer kann dann den Nettopreis bis auf den oft doppelt so hohen Bruttopreis anheben. Das ist für den Kunden kompliziert nachzuvollziehen und bietet ihm keine Planungssicherheit. Es passt nicht zu einem fairen und verständlichen Online-Angebot, in dem der Kunde im Mittelpunkt steht. Deswegen haben wir mit unserem finanzstarken Risikoträger iptiQ Life Produkte mit Festpreisen für die gesamte Vertragslaufzeit entwickelt. Vor kurzem erhielten wir eine schöne Bestätigung durch das das Magazin ÖKO-TEST. Sie zeichneten uns als absoluten Sieger im Bereich Risikolebensversicherung aus. Unser Risikolebens­versicherungstarif „Community Life Protect“ landete in allen acht getesteten Musterfällen auf dem ersten Rang. Dabei wurde unsere Sichtweise voll unterstützt, dass unser Festpreis-Angebot für den Kunden sehr wertvoll ist. Das ist das erste Mal, dass ein Rating-Ersteller die Vorteile eines Festpreises hervorhebt. Das hat uns natürlich gefreut. Es bestätigt, dass ein konsequentes Denken und Handeln für den digitalen Kunden der richtige Weg ist.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Die größte Herausforderung für die Versicherungsbranche insgesamt ist es, in Sachen digitale Innovationen aufzuholen. Versicherungen sind im Kern ein reines Informationsprodukt. Über die Lieferung oder Retouren von Waren braucht man sich keine Gedanken zu machen. Darum ist es erstaunlich, dass eine Branche mit solch enormen wirtschaftlichen Möglichkeiten bei der Digitalisierung nicht schon weiter ist.

Ich bewege mich auch in der FinTech- und InsurTech-Branche und spreche dort mit vielen Menschen. Hier herrschen mittlerweile große Aufbruchsstimmung und Innovationsgeist. Was aus meiner Sicht aber noch fehlt, sind Angebote, die den Durchbruch am Massenmarkt geschafft haben. Aber ich bin mir sicher, dass das noch kommen wird.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich ärgere mich, wenn ich keinen Internet Zugang habe und das Internet gerade brauche. Einerseits ärgere ich mich, dass ich mich auf diesen Zugang inzwischen so verlasse. Andererseits ärgere ich mich, dass Deutschland als hochentwickeltes Land keinen flächendeckenden, kostenlosen Zugang bietet.

Was mich am meisten freut? Zugang zu allen möglichen Informationen sofort per Click. Im 15. Jahrhundert führte die Druckerpresse zur billigeren und schnelleren Verbreitung von Informationen. Damit war der Weg zur Reformation und später zur Aufklärung geschaffen. Heute ist der Zugang zu Informationen exponentiell beschleunigt und verbilligt worden. Trotz aller Risiken bietet das Internet auch eine massive Chance, unser Leben zu verbessern.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich wünsche mir ein Start-up, das eine Jobbörse entwickelt, für Menschen, die in einem Start-up arbeiten möchten. Es ist ein ziemlich anderes Leben und Arbeiten, und man muss es wollen. Eine starke digitale Affinität ist meist auch eine wichtige Voraussetzung. Über eine solche Börse würde man gezielter mit Menschen in Kontakt treten, die genau das wollen und können.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Der Blog Medium. Manches, was dort veröffentlicht wird, interessiert mich weniger. Aber es gibt immer wieder ein Juwel zu finden, ein neuer Blickwinkel – auf persönlicher oder geschäftlicher Ebene. Die Artikel reflektieren auch oft eine nordamerikanische Sichtweise. Da ich aus Kanada komme, empfinde ich dabei etwas „Heimat“.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Da fallen mir spontan zwei Artikel aus der letzten Woche ein.

https://www.ivyexec.com/executive-insights/2015/6-startup-strategies-that-turn-off-most-investors/

Der zweite ist einer der wenigen tiefergehenden Artikel, die ich bisher zum Thema Flüchtlinge und Europa gelesen habe.

http://www.hintergrund.de/201508223637/feuilleton/zeitfragen1/vorboten-einer-neuzeitlichen-voelkerwanderung.html

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Thinking, Fast and Slow, Daniel Kahneman. Eine spannende Auseinandersetzung damit, wie wir von schnellen, unbewussten zu besser durchdachten Entscheidungen kommen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Veranstaltungen mit dem Thema Digital im Mittelpunkt bringen mir wesentlich mehr als traditionelle Veranstaltungen der Versicherungsbranche. Das liegt an unserem digitalen Geschäftsmodell. Die Themen, die mich heute bewegen, sind ganz andere als noch vor fünf Jahren.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Das ist abhängig von der Arbeit, die ich gerade mache. Für den Daueraustausch mit Kollegen eine Mischung aus Skype und E-Mail. Wenn ich unser Geschäftsmodell präsentiere, Powerpoint. Und im Moment nutze ich Word :).

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Das ist eine einfache Frage. Ich arbeite am liebsten mit dem Expertenkreis meiner Kollegen zusammen. Jeder ist in seinem Fachbereich absolut Spitze und hat den strategischen Weitblick, den man für einen Start-up benötigt.

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