Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Christoph Steinhard – projektwerft

Wer ist Christoph Steinhard? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

projektwerft insbesondere im strategischen Bereich. Durch meine verschiedenen Erfahrungen als Grafik-Designer, Software-Coach, Konzeptioner und Kommunikationsberater für digitale Medien seit den 1990er Jahren bin ich gewohnt verschiedene Positionen einzunehmen und verschiedene Sichtweisen bei allen Aktivitäten zu berücksichtigen.

Daneben gibt es noch ein paar Facetten als Reisender, Fotograf, Musiker und Freund von gut erzählten Geschichten. Diese Interessen spielen in meinem Leben auch eine große Rolle.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Als Musiker kann ich nichts mehr vollständig nachspielen und habe das „Spielen vom Blatt“ im Laufe der Jahre völlig aus meiner Erfahrungswelt verdrängt – obwohl ich das mal konnte. Sobald ich eine Melodie, ein Riff oder einen Beat höre, passe ich das Gehörte für die aktuelle Stimmung und Spielweise an. Das ist manchmal eine kleine Herausforderung für Menschen, mit denen ich zusammen Musik mache. Daher bin ich leider auch gänzlich ungeeignet dafür, in einem klassischen Bezug Musik zu machen und immer wieder das absolut Gleiche zu reproduzieren. Ich wäre vermutlich der absolute Horror für jede Top-40-Cover-Band, bin aber für jazzige Sessions ziemlich gut geeignet.

Ähnlich agiere ich in Gesprächen. Ich gebe mir den Freiraum mein zuvor gebildetes Wissen permanent auf die jeweilige Anforderung anzupassen oder mit neuen Informationen zu verknüpfen. Dadurch entstehen neue Gedankengänge – manchmal mit unvorhergesehen Konsequenzen für den Gesprächsverlauf. Für Personen, die statische Zustände bevorzugen oder Menschen die vorzugsweise linear denken und handeln, ist es entweder eine Bereicherung mit mir zusammenzuarbeiten, weil sie dadurch andere Perspektiven geliefert bekommen oder es kann die größte Herausforderung ihres Jobs sein. Beides habe ich schon erlebt.

Elevator Pitch! Was macht projektwerft? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Projektwerft hat sich als inhaltlich orientiertes Unternehmen insbesondere im Umfeld von „Neuen Medien“ positioniert. Dadurch ist unser Auftrag der, Themen bzw. Inhalte in digitalen Medien für die Entscheidungsfindung oder die moderne Weiterbildung zu konzipieren und aufzubereiten. Der vor einigen Jahren in Mode gekommene Begriff „Content Marketing“ passte schon zu uns, als er noch nicht etabliert war. In diesem Segment sind wir insbesondere gute Ansprechpartner für Unternehmen oder Institutionen, die erklärungsbedürftige Produkte oder Leistungen anbieten und diese mit Hilfe moderner, digitaler Medien promoten möchten. Ein großer Teil unserer Kunden kommt dem entsprechend aus B2B Segmenten.

Eine Superkraft ist unser unbedingter Wille zur Zusammenarbeit. Generell geht es uns darum, gemeinsam mit unseren Auftraggebern die Informationen, die für Entscheidungen im jeweiligen Umfeld relevant sind, so gut wie möglich zu entwickeln oder zu optimieren, um diese dann für die Kunden oder Klienten der Auftraggeber in modernen Medien auffindbar und nutzbar zu machen. Das geht nur, wenn alle Beteiligten sich auf ein Arbeiten im Team einlassen. Wenn das der Fall ist, können wirklich Superkräfte entfesselt werden.

Die zweite, wirklich besondere Superkraft ist die Gabe in die Zukunft sehen zu können. Dies ist tatsächlich eine Gabe, deren Ursprung nur schwer zu erklären ist. Ein Erklärungsansatz ist aber dieser: In unseren Entwicklungsteams beschäftigen wir uns insbesondere mit Veränderungen von Nutzungsgewohnheiten, gesellschaftlichen Veränderungen und den Potentialen von modernen Kommunikationsmedien – auch von denen, die noch nicht etabliert sind. Derzeit sind das besonders Medienformen auf Grundlage von Virtual Reality, Mixed Reality, Augmented Reality und zunehmend auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Einsatz als (kommunikative) Assistentensysteme. In diesem Bezug haben wir in den letzten Jahren die Netzwerk-Veranstaltungsreihe „VR Hamburg Meetups“ etabliert, die übrigens auch einem sehr kooperativen Format folgt.

Unsere Superpower entsteht zum einen durch kooperatives Arbeiten und zum anderen aus der Bereitschaft, unvoreingenommen über Möglichkeiten und Potentiale nachzudenken und diese weiterzuentwickeln. projektwerft hat ursprünglich mal als Duo aus meinem Gründungspartner Jens Nolte und mir begonnen und wir sind immer zusammen an Projekte herangegangen. Jens aus den Blickwinkeln des Projektmanagers und Multimedia-Producers und ich aus denen des Gestalters, Konzepters und Kommunikationsberaters. Dieses Teamwork ist immer noch die Energiequelle der Superpower, die richtig gut funktioniert, wenn wir zusammen an Projekten arbeiten.

Unser Team versucht immer vorausschauend, mitdenkend und nutzungsorientiert zu agieren. Einige von uns haben so gelernt, die Zukunft der Medien sehen oder erahnen zu können. Dadurch haben wir die Etablierung von neuen Medien oder Medientechnologien schon viele Jahre vor deren Siegeszug in der Gesellschaft vorhergesagt. Dies ist eine ganz besondere Superkraft, wie ich finde.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben vor einigen Jahren den Auftrag von einem Kunden aus dem B2B-Bereich erhalten, eine sinnvolle und umsetzbare Lösung für die zentrale Pflege von 30 europäischen Webseiten zu entwickeln. Diese Webseiten sollten als eine primäre Informationsquelle für Kunden und Interessenten etabliert werden. Die vorhandene Lösung hatte bis dahin nicht die Erwartungen als Serviceangebot erfüllt und die verantwortlichen Mitarbeiter waren mit der laufenden Betreuung und der Nutzung unzufrieden.

Eine der Herausforderung war, allen Verantwortlichen in den Ländern ein gewisses Mitspracherecht bei den Inhalten zu ermöglichen und bei der laufenden inhaltlichen Pflege auch länderspezifische Anforderungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig war ein wesentlicher Kundenwunsch, dass eine zentralisierte „Laufende Betreuung“ ermöglicht wird. Für diese Anforderungen mussten neuartige Abläufe entwickelt werden.

Wir haben neue Workflows für die inhaltliche Optimierung definiert. Darunter war u.a. eine Verfahrensweise, mit der fremdsprachige Inhalte in einem CMS gepflegt werden können ohne dass die CMS-Editoren die jeweilige Sprache beherrschen müssen. Wir haben ein passendes Ticket-System eingerichtet, mit dem über mehrere Zeitzonen hinweg zeitlich unabhängige Anfragen kommuniziert werden können und die Qualitätssicherung intern und extern ermöglicht wird.

Zudem haben wir ein Team zusammengestellt, das mit den passenden Fähigkeiten als Support-Team agieren kann und durch den vorhandenen Überblick über die verschiedenen Anfragen und Anforderungen aus den Ländern auch noch Optimierungsvorschläge für das gesamte Informationssystem generieren kann.

Die laufende Betreuung leisten wir nun seit 2010. Die Nutzung der inhaltlichen Elemente wird immer wieder zusammen mit den Kunden analysiert und die Inhalte, je nach Anforderung, so flexibel wie möglich angepasst.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

In Deutschland wehren sich viel Menschen und insbesondere etablierte Institutionen und Unternehmen gegen Veränderungen, die ein grundsätzliches Umdenken erfordern. Es wird viel über Gefahren diskutiert und wenig über Potentiale. Nach- und Querdenken wird nicht wirklich gefördert. Stattdessen haben wir scheinbar eine Kultur des Konformismus und des Sicherheitswahns etabliert, aus dem nur wenige bereit sind auszubrechen. Das ist für neue Ideen und großartige Entwicklungen nicht gerade der beste Nährboden.

In anderen Regionen der Welt findet man andere Denkweisen, die für eine Weiterentwicklung deutlich förderlicher sind.Die Akteure im Kommunikationsmarkt müssen den Sinn bzw. die Funktionen von Kommunikation im Blick behalten und kreativ mit neuen Werkzeugen und Möglichkeiten umgehen. Eine große Herausforderung ist es, nach der ursprünglichen Bedeutung von Medien und Inhaltsformen zu fragen und sich ggf. von alten Konzepten zu verabschieden, wenn diese keine Substanz mehr in sich tragen. Oder man kehrt zu alten Konzepten zurück, die auch im „digitalen Zeitalter“ immer noch Bedeutung haben. Das hängt jeweils von der Idee ab, die man verfolgt und der Funktion, die ein Medium übernehmen soll.

Zum Journal „Dax Digital“.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Was mich ärgert ist, dass immer noch von DEM Internet gesprochen wird und sehr häufig keine Differenzierung der vielfältigen Medien und Werkzeuge in diesem digitalen Kulturraum vorgenommen wird. Da könnte man mich auch fragen, was mich denn an Musik ärgert und was freut. Darauf kann ich auch nicht wirklich befriedigend antworten.

Wenn es aber um die technische Infrastruktur geht, freut mich, dass dadurch theoretisch alle Menschen auf der Welt zeitnah Informationen austauschen können und eine unglaublich große Bandbreite unterschiedlicher Medienformen und Werkzeuge dadurch ermöglicht wurden, die wir uns vor über 20 Jahren, als ich Teilnehmer dieses Kulturraums geworden bin, noch nicht vorstellen konnten.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Blendle. Manchmal behaupte ich sogar, dass ich das eigentlich erfunden habe. Das stimmt so aber natürlich nicht wirklich – aber vielleicht ein bisschen schon – dies ist aber eine andere Geschichte. Blendle ermöglicht es, viele Zeitungen, Zeitschriften oder Magazine nur artikelweise bzw. thematisch gefiltert zu lesen. Bezahlt wird nur pro Artikel, den man lesen möchte. Eine Art iTunes für klassisch redaktionelle Schriftbeiträge (Artikel).

pinterest perfekt für mich. Dort finde ich visuelle und kurze textliche Anregungen für Perspektivwechsel und ggf. Startpunkte für weitere Recherchen

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

einen (nach)denkwürdigen Videobeitrag.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Schwarmdumm“ von Gunter Dueck. Eigentlich ein Buch, durch das man leicht frustriert werden könnte, weil darin viele Beispiele zu den „schwarmdummen“ Entscheidungen in unserem aktuellen Wirtschaftssystem aufgeführt werden. Aber genau deshalb ein Antrieb dafür, Dinge anders und insbesondere besser zu machen.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Meine Beobachtungsgabe und mein (oft) kritischer Verstand
Notizen in der iCloud auf dem iPhone, iPad und Mac
iThoughts, ein Mindmapping-Tool, das ich sehr häufig beruflich und privat im Einsatz habe.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Mit einem Team aus Jeremy Rifkin als visionärer Soziologe, Gunter Dueck als Business Querdenker und Miriam Meckel als vorausschauende Kommunikationswissenschaftlerin würde ich gerne die Potentiale erarbeiten, die wir Menschen tatsächlich nutzen könnten, um ein sinnvolles und positives „Bildungssystem“ zu etablieren. Ein Entwicklungssystem für alle Altersgruppen, das alle heutigen Erkenntnisse über Kommunikation, Lernen und Weiterentwicklung mit den Möglichkeiten moderner Technologien kombiniert und damit mittel- oder langfristig ein faires, lebenswertes Gesellschaftssystem ermöglicht.