Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Christian Dau – faceyourbase.com

Christian Dau faceyourbase.com
Von rechts nach links: Christian Dau, Lars Kuhnke, Oskar Hasinski

Wer ist Christian Dau ? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin einer der Gründer von faceyourbase.com und verantwortlich für das Marketing bei uns. Die faceyourbase AG wurde im Juli 2014 gegründet und sitzt in München.

Ich habe gut 15 Jahre Kommunikations-  und Marketingerfahrung und selber 12 Jahre eine Agentur betrieben. Die Idee zu faceyourbase.com ist aus dem Alltag entstanden.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Immer mit einer neuen Idee die Kollegen und Mitarbeiter konfrontieren, die dann teilweise mit den Augen rollen und darüber schmunzeln, weil es Ihnen zu weit hergeholt ist.

Aber manchmal geht auch eine Idee auf und wird umgesetzt. Also ruhig mal über den Rand und übers Ziel hinaus frei denken..

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir bringen Vermieter und Mieter am einfachsten und am günstigsten zusammen. Eine Art Datingprozess für Immobilien – manche vergleichen es mit Tinder für Immobilien. Unser System mit der branchenexklusiven Bewerberauswahl via Fotowand, der Time-Slot Vergabe und dem Matching ist innovativ und in der Form einzigartig. Im Mittelpunkt für alle Marktteilnehmer jetzt in der Regel für die Vermieter steht: Entfall der Makler-Courtage von durchschnittlich 960 EUR. Zudem komplett kostenlos für alle Vermieter, Verwalter, Makler und die Wohnungswirtschaftsunternehmen. Das Gesuch war gestern und aufwendige Algorithmensystem für Vermieter sind unbequem. Im Bestellerprinzip hat der Vermieter, Makler oder die Hausverwaltung mit faceyourbase eine gute Alternative. Mieter hingegen sparen sich Massenbesichtigungen und bekommen ihre persönliche Zeit (Time-Slot) in der Wohnung. Versteckte eingepreiste Provisionen kann es bei uns nicht geben. Transparenter, angenehmer Prozess, Schluss mit Null Chance Terminen und verschwendeten Samstag-Vormittagen in überfüllten Wohnungen für alle Mieter – stattdessen für max. 39,98 EUR kommt man an jede Wohnung. Zudem sind wir das einzige Portal, bei dem man als Mieter freiwillig dem Vermieter Social Media Profile wie Xing, Linkedin & Co angeben kann. Die erste Matchingbörse für den Immobilienmarkt.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

München Haidhausen 2 Zi. – 781 Bewerber auf eine unserer frischen Wohnungen, 10 Time-Slots vergeben, eine glückliche Mieterin am Ende. Das zeigt schon wie sinnvoll so eine Vorauswahl sein kann, damit 150 Leute nicht umsonst zur Wohnung fahren. Alle Teilnehmer waren sehr angenehm überrascht von dem Handling, auch wenn Sie uns als junges Startup nicht alle sofort kannten. Davon gibt es viele Wohnungen und große Nachfrage. Wir sind deutschlandweit aktiv, aber der größte Vorteil unseres Systems liegt natürlich für die Nutzer in den Metropolen.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Diese Art der Immobilien-Vermittlung gab es bisher so nicht. Es gibt verschiedene Modelle, aber meistens geht es doch um reine Anzeigenerstellungen/Vermarktung bei großen Portalen oder Gesuchslösung. Wir nennen es intern die “Blumenstraußsuche“. Weil beim Gesuch, meist auch mehr Wunschangabe als realistisch möglich,  bekommst du als Mieter wieder eine Vielzahl Wohnungen angeboten, weißt aber nicht mal, ob dir die Wandfarbe oder was anderes nicht gefällt.  Bei uns hinterlegt man nur seine Bewerbung, wenn einem die Wohnung auf den Bildern und der Beschreibung gefällt. Dann ein Klick auf Bewerben und Profil hinterlegt. Der Vermieter sieht es dann als face-oder basestatus auf seiner digitalen Fotobewerberwand.

Natürlich ist die Marktmacht und der Erfolg von Immobilienscout schon beeindruckend. Weil Sie es sogar schon geschafft haben, dass Wohnungssuche keine Google Suche ist. Der Suchende schaut erst auf den bekannten Portalen. Das ist gängige Praxis. Das ist schon eine starke Marktstellung.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

In dem gesamten Vermietprozess, von der Bewerberauswahl, über Terminsetzung und bis zum Ausdruck der Time-Slots und Profile, alternativ der Darstellung via iPAD. Bis zur Besichtigung muss man keinen Stift in die Hand nehmen oder gar einen der hunderte Anrufe entgegen nehmen.

Wir im Unternehmen haben eigentlich bis auf eine Pressemappe auch keine Offline Medien mehr. Alles läuft per Mail oder einer Software. Vom Rechnungsverlauf, über Korrekturen oder auch die CRM Kundenakquise.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Das mit dem 01.06.2015 eingeführte Bestellerprinzip hat ganze neue Chancen eröffnet. Ca. 900 Mio. bis 1,2 Mrd. EUR an Provisionsvolumen werden in Deutschland neu verteilt. Da wollen wir ein Stück abhaben – mit einer guten Alternative zu den seit 40 Jahren unveränderten Prozessen.Es wird in dem Markt also Anpassungsprozesse geben.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Für jedes Startup ist es eine Herausforderung gute Leute zu finden und auch zu halten. Vor allem der Posten des CTO ist sicherlich schwierig zu besetzen und zu finden für jedes Startup. Da haben wir Glück gehabt und haben ein sehr homogenes Team, bei dem Jeder seine Schwerpunkte und Kernkompetenzen hat. Wir werden in einem sehr umkämpften Markt unsere Position suchen und finden wollen. Der Bedarf für unsere Lösungen in nachfragestarken Märkten ist aber da, das merken wir deutlich. Die Vorteile für Mieter und Vermieter sind groß. Auf der anderen Seite ist der Markt auch so umfangreich, dass es genug Platz für  gute Ideen gibt.

Herausforderung für unsere Firma:

Schnell wachsen, die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment treffen und immer eine Innovationsführerschaft halten. Derzeit glauben wir, da vorne mit dabei zu sein. Es wird auch bei der Vielzahl der Eindrücke immer schwieriger einen Brand aufzubauen. Wirklich Bekanntheit im Markt zu erlangen und die auch dann noch positiv aufgeladen ist, ist eine Aufgabe. Also Durchhaltevermögen und eine ausgefallenen Strategie, die auch in der richtigen Zielgruppe landet. So z.B. sprechen wir bewusst auch die Makler an und vermitteln ihnen mit Erfolg, dass wir eine kostenlose und effiziente Lösung für Sie haben. Natürlich wird es den Vermieter geben, der keinen Makler nutzt. Umgekehrt aber wird es auch Vermieter geben die langjährige Geschäftsbeziehungen zu Ihrem Makler nicht aufgeben. Wenn der Makler aber einen Deal mit dem Vermieter schon fix ausgemacht hat, sind wir eine starke Lösung für ihn. Die Courtage vom Vermieter bleibt zu 100 % beim Makler.

Was hat Dich bisher am meisten a m Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Dass so schnell, so viele auf den Zug aufspringen, hat uns doch schon sehr gewundert. Teilweise wird auch von unterschiedlichsten Seiten 1:1 abgeschrieben. Das kann man machen, muss man aber nicht. Ich denke, man sollte den Menschen Ihr geistiges Eigentum ein wenig lassen, aber dafür ist die Internet Welt die falsche Adresse.  Ein bisschen mehr Respekt vor der anderen Idee, fände ich schön. Aber für jeden sind die Bedingungen gleich, also wir leben damit und man muss sich halt durchsetzen. Jammern hilft dann am Ende doch wieder nicht.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Kinderbetreuung, aber das lässt sich nicht ohne Vertrauen abbilden.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://immobilien-profis.net/, da wird sachlich diskutiert und gut  aktuelle informiert

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Handelsblatt über faceyourbase.com – war nett

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

The Big Short  Inspiriert nein, aber gutes Buch

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Schwimmkurs meiner 4 jährigen Tochter

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Jira, WordPress

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Schwer, aber vielleicht Frau Merkel oder Obama, ein Tag würde ich gerne mal sehen, was für Entscheidungen dort getroffen werden.