Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Frank Zahn – Exozet

Frank Zahn ExozetWer ist Frank Zahn? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Exozet gegründet, die Agentur für Digitale Transformation, und bin von Anfang an, also seit 1996 Geschäftsführer. Daneben bin ich beratend als Experte für diverse Unternehmen und Start-ups tätig und engagiere mich für eine verbesserte Infrastruktur für Gründer – u.a. als Vorsitzender des Ausschusses „Digitale Wirtschaft“ der IHK Berlin und als Beirat der Investitionsbank Berlin.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Mein Spleen ist blau-weiß und ein Spiel davon dauert 90 Minuten: Ich bin Fan von Hertha BSC, egal ob sie an der Spitze sind oder in der 2. Liga dahindümpeln: Ich bin bei fast jedem Heimspiel dabei – allerdings nicht in der Ostkurve, sondern im Langnese-Familien-Block! Ich glaube an langfristige Engagements sowohl im Privaten als auch im Geschäftlichen – da bin ich wohl etwas “Old-School”

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir brennen dafür, unsere Kunden heute auf die Zukunft vorzubereiten und ihnen zu helfen, Vorteile aus der digitalen Transformation zu ziehen.

Für uns ist Digitale Transformation nicht bloß ein Buzz-Word, wir leben sie. Wir beraten Unternehmen, wie sie Nutzen aus den (digitalen) Veränderungen ziehen und diese Innovationen ins Unternehmen bringen können. Dazu erstellen wir technische Anwendungen, Services und Dienstleistungen, die ein Kunde selbst nicht oder noch nicht entwickeln kann. Darüber hinaus sind wir nicht nur digitaler Professional Service Anbieter, sondern bieten auch Consulting und Marketing. So können wir die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens von der strategischen Entscheidung bis zur Vermarktung betreuen.  

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Da fallen mir spontan mehrere Beispiele ein. Das eine wäre „Dina Foxx – Tödlicher Kontakt.“ Für diesen transmedial erzählten TV- und Online-Thriller, eine Produktion der UFA für das ZDF, haben wir eine komplexe virtuelle Welt fürs Netz erschaffen mit Serie, Game und 360°-Video-Ermittlung. So konnten die Zuschauer den Krimi in einem völlig anderen Blickwinkel betrachten. „Dina Foxx“ wurde bereits mehrmals ausgezeichnet, besonders stolz sind wir auf den Digital Emmy, den Oscar der TV-Welt. Denn es ist ja nun Fakt: Das mediale Konsumverhalten verändert sich und fordert eine neue Art des Storytellings. Immer mehr Formate und Kanäle konkurrieren um die begrenzte Zeit der Nutzer. Die User konsumieren auf immer mehr Bildschirmen und generieren selbst immer aktiver Content. Die Konsequenz: Die Götterdämmerung der alten Medien, des konventionellen Erzählens hat bereits begonnen. Hier haben wir bewiesen, dass man Geschichten anders erzählen und so neue Zielgruppen gewinnen kann.

Ein anderes Beispiel ist die Transformation des Verlagshaus’ Kieler Nachrichten. In Zeiten des digitalen Wandels stehen insbesondere Verlage vor großen Herausforderungen. Sie entwickeln neue Angebote, die nicht unbedingt profitabel sind, intern nicht effizient verankert werden und für die sie bei den Nutzern kaum Vertrauen genießen, da sie primär als „Tageszeitung“ gelten. Um selbst zum Motor der digitalen Transformation zu werden, müssen Verlage sich dringend neu definieren – und dies „Digital First”! Statt die Marke auf den digitalen Bereich zu übertragen, haben wir basierend auf unserem umfassenden Digital-Know-how eine neue Identität entwickelt, mit der sich die Potenziale der digitalen Welt entfalten lassen.

Ach und das dritte Beispiel darf ich noch nicht verraten. Nur soviel: Wir realisieren ein Projekt in der Virtual Reality für ein DAX-Unternehmen. Das wird sehr spannend.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung ist unsere DNA: Wir beschäftigen uns seit 1996 mit den verschiedensten digitalen Themen. Angefangen hat es mit der Programmierung von CD-Roms und einfachen Websites. Längst programmieren wir diese simplen Lösungen nicht mehr, selbst, sondern konzentrieren uns auf komplexe Web- und Mobile Applikationen – auch das eine Folge des Digitalen Wandels. Doch während andere Agenturen und Unternehmen an der Disruption des Marktes scheiterten und den sich verändernden Bedürfnisse nicht folgten, erfinden wir uns immer wieder neu.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

  Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Mit Virtual & Augmented Reality (VR/AR) kommen völlig neue technische und kommunikative Herausforderungen auf uns zu. Es gibt nun so etwas wie ein neues Mensch-Maschine-Interface, wir sind viel direkter verbunden als es bisher möglich war. Dies braucht möglicherweise ein völlig neues Verständnis für die Interaktion zwischen Maschine und Mensch, möglicherweise neue Regularien. Nach der Erfindung des Films wurden Bühnenstücke einfach abgefilmt, aber das Ergebnis blieb weit hinter den Möglichkeiten des Films zurück. Es musste erst eine neue Sprache gefunden werden, eine neue Herangehensweise. Gleiches gilt nun für VR/AR. Auch wenn der User intuitiv mit den neuen Techniken umgehen wird, braucht es für die Wirtschaft im Allgemeinen und das Marketing im Speziellen eine neue Sprache. Das andere große Thema ist Marketing-Automation in der digital transformierten Gesellschaft – es liegen viele Daten der Kunden vor und die Herausforderung ist es, damit sinnvoll Marketing zu betreiben, ohne dass die Kunden sich belästigt oder gar ausgenutzt fühlen, sondern so, dass es auch ihnen Vorteile bringt. Marketing-Automation muss Service und Nutzen für den Kunden erhöhen, denn dann nutzt es auch den Unternehmen. Für beide Themen haben wir uns extra aufgestellt und entsprechende Units gegründet, bzw. vorhandene ausgebaut.

  Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Fachkräfte-Mangel ist eine große Herausforderung. Aber so lange Berlin diese ungeheure Anziehungskraft besitzt und so ein attraktiver Standort bleibt, mache ich mir wenig Sorgen. Denn dadurch haben Menschen aus der ganzen Welt Lust, zu uns zukommen und wir können sie einstellen. Einer der letzten, den wir eingestellt haben, kommt aus Brasilien. Wir sind schon ein bunter, multikultureller Haufen!

  Herausforderung für unseren Markt:

Vielen Playern und Mitbewerbern, die sich in unserem Markt tummeln, die klassischen Berater und Co., fehlt die digitale Denke. Die verstehen etwas von Transformation, aber eben nicht von digitaler Transformation. Hier stehen wir alle vor der Herausforderung, das immer breiter werdende Dienstleistungsspektrum abdecken zu können und den größer werdenden Ansprüchen und Erwartungen des Marktes gerecht zu werden.

  Herausforderung für unsere Firma:

Wir wollen nachhaltig und in dem Maße wachsen, dass unsere Kunden weiterhin zufrieden mit uns und unserer Arbeit sind. Ich glaube an zufriedene Kunden und motivierte Mitarbeiter. Und nur die am besten gepflegten Kundenbeziehungen werden gewinnen. Auch hier geht es darum, im rechten Maß Angebot und Nachfrage zu matchen, um dies gewährleisten zu können – da hilft uns der Standort Berlin, auch kurzfristig hoch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden und zu halten.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgert immer wieder die nicht hundertprozentige Verfügbarkeit des mobilen Netzes, sogar hier in Berlin.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Da hätte ich viele Ideen, aber die verrate ich hier natürlich nicht. Spaß beiseite, die Idee zählt nur recht wenig – erfolgreich macht einen die Execution. Gute Ideen gibt es wie Sand am Meer, aber leider (zum Glück) nur wenige die es verstehen diese gut umzusetzen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

singularityhub.com: orginelle, innovative und relevante Insights!

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

  „Ready Player One“ von Ernest Cline

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Hier fällt mir ein Beispiel aus meinem Startup Engagement ein. Wir treffen uns regelmäßig zur Startup-Unit, eine Gruppe, in der sich Mitglieder der Senatsverwaltung, Wirtschaftsförderung, Start-ups, Betreiber von Start-up-Infrastruktur wie Co-Working-Spaces und Kultur austauschen. Das ist sehr befruchtend und inspirierend und zeigt, dass für ein erfolgreiches Eco-System viele verschiedene Faktoren nötig sind.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

 Google Apps.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Am liebsten würde ich gern den Produkt-Manager der Microsoft HoloLens treffen. Auch wenn ich schon sehr viel über dieses Device weiß, würde ich gern noch tiefer einsteigen und ein bisschen was aus dem Microsoft-Nähkästchen erfahren. Allgemein bin ich total offen für alle Kontakte aus dem Bereich “Hardware”, Sensorik und Materialfoschung.